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Handball-Kommentar Anschluss verpasst

 ·  Es sind harte Zeiten für den deutschen Handball, bei Männern wie bei Frauen. Aufeinander zuzugehen, um das Produkt Handball wieder zu stärken, ist das Gebot der Stunde.

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© dpa Düsterer Blick, desaströse Bilanz: Bundestrainer Heiner Jensen bei der Handball-WM der Frauen

Gleich der nächste Mann? Oder vielleicht sogar eine Frau? Wenn das nur so einfach wäre. Geeignete Kandidaten stehen schließlich nicht immer Gewehr bei Fuß. Und Erfolg wäre natürlich auch nicht garantiert mit einer schnellen Rochade. Man kennt das ja im deutschen Handball, man hat das in diesem Jahr schon einmal erlebt. Als die Handball-Ikone Heiner Brand ging und von dem bisherigen Assistenten Martin Heuberger beerbt wurde. Der Schwarzwälder musste gleich bei seinem ersten Turnier als Cheftrainer erkennen, wie schwierig es ist, Mängel in einer Mannschaft zu beheben, zumindest in ziemlich kurzer Zeit.

Die Deutschen wurde Letzte beim traditionsreichen Supercup, und Heuberger musste sich vorkommen wie der zuletzt glücklose Brand. Der Gummersbacher hatte in diesem Jahr schon kritisch Bilanz ziehen müssen, nach der verkorksten Weltmeisterschaft Anfang 2011 in Schweden, Heuberger muss seine Lehren ziehen aus seinem unbefriedigenden Einstand, und Heine Jensen steht plötzlich nicht besser da.

Eigentlich sogar ein bisschen schlechter als seine Kollegen, denn mit Deutschland schlitterte der Däne bei der Weltmesse des Frauenhandballs in Brasilien in ein wahres Desaster, trotz einer verheißungsvollen Ouvertüre. Jensen muss jetzt vieles in Frage stellen nach Platz 17, auch sich selbst natürlich und seine Arbeit. Immerhin deutet nichts darauf hin, dass Jensen seines Postens enthoben werden könnte, er wird sich damit - nicht die schlechteste Lösung - weiter in vorderster Front mit dem Scheitern auseinandersetzen müssen. Und vermutlich fehlt es dem Deutschen Handballbund (DHB) ohnehin an einer Alternative zu dem Dänen.

Schwächen aufarbeiten, zum Teil gravierende Fehler sogar, neue Aufbruchstimmung zu erzeugen versuchen - es sind wirklich sehr harte Zeiten für den deutschen Handball, bei Männern wie bei Frauen. Die einst so stolze und erfolgreiche Handballnation hat auf breiterer Ebene den Anschluss verpasst, in diesem Jahr ist ihr das krass vor Augen geführt worden. Und all die Klagelieder, all die Forderungen im Angesicht des Abschwungs? Immer die gleichen. Dass Nationalteam und Bundesliga doch voneinander abhängig seien, dass sie im besten Fall voneinander profitierten und deswegen doch gefälligst ein Miteinander statt Eifersüchteleien pflegen sollten, zum Wohl des Ganzen.

Das war jetzt auch aus Brasilien zu hören, zum Beispiel von DHB-Präsident Ulrich Strombach. Und zuvor hatte Heuberger das zu seinem Credo erhoben, nachdem Brand mit den mächtigsten Klubs der Liga im Clinch gelegen hatte, jahrelang, bis er des Kampfes müde war. Aufeinander zuzugehen, um das Produkt Handball wieder zu stärken, scheint tatsächlich das Gebot der Stunde zu sein. Und vielleicht waren die Abstürze 2011 wirklich nötig, um die Dringlichkeit eines solchen Handelns zu unterstreichen. Handballspieler verstehen zuzupacken. Trainer und Funktionäre sollten das auch beherzigen.

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