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Handball-EM : Harte Würfe, leise Worte

  • -Aktualisiert am

Im Falle des Falles hilft immer Nummer 24: Mikkel Hansen Bild: AP

Mikkel Hansen wird in Dänemark wie ein Popstar gefeiert. Der Handball-Profi, der am Mittwoch (20.30 Uhr) gegen Island spielt, ist wohl der auffälligste Akteur der laufenden EM - und jenseits des Spielfeldes schüchtern.

          Der freche kleine Kollege von links außen, Anders Eggert, hat einen speziellen Blick auf den großen, langhaarigen Typen aus dem Rückraum. „Mikkel? Ja, der kann auch ganz gut werfen, aber was macht sein Friseur eigentlich von Beruf?“, fragt Eggert im Scherz und weigert sich beharrlich, lobende Worte über Mikkel Hansen zu verlieren. Ob die Handball-Welt von den überragenden Qualitäten Hansens schwärmt, interessiert seinen Mitspieler in der dänischen Handball-Nationalmannschaft kaum.

          Das bislang beste Team der Europameisterschaft lebt natürlich von der Wurfkraft Hansens - aber ihre wahre Stärke ist der Teamgeist. Also scherzt Eggert lieber über den auffälligsten EM-Akteur und dessen wilde Mähne. Die bändigt Hansen mit Hilfe eines weißen Stirnbands und erinnert so nicht nur ältere Semester an einen kräftigen Björn Borg. Niemand schert aus, keiner hat Sonderrechte - darüber wacht der erfahrene Trainer Ulrik Wilbek mit Argusaugen. Wobei: Mikkel Hansen, seinen stillen Star, muss er gar nicht kontrollieren.

          Dänemark amüsiert sich über seine hilflosen Interviews

          Die beeindruckende Dominanz vom Spielfeld legt der 26 Jahre alte Profi gleich nach Abpfiff ab. In Dänemark amüsiert man sich über seine schüchternen, hilflosen Interviews, die in etwa so klingen: „Ich bin nicht der einzige Spieler mit internationaler Klasse, deshalb liegt der Druck nicht allein auf mir, sondern auf allen.“ Tatsächlich scheint keiner in dieser bestens besetzten rot-weißen Mannschaft die unausgesprochene Forderung der Fans in der „Boxen“ von Herning und im ganzen Land zu spüren, dass die Heim-EM nur eine gelungene ist, wenn der Champion Dänemark heißt.

          Ungefährdet „spaziert“ Wilbeks Team durchs Turnier und hat sich vor dem abschließenden Hauptrundenspiel an diesem Mittwoch (20.30 Uhr) gegen Island für das Halbfinale qualifiziert. Das liegt vor allem daran, dass neben Hansen auch Thomas Mogensen, Mads Mensah und sogar Bo Spellerberg als Spielgestalter gefielen. Den Erwartungen der Öffentlichkeit nach großen Sätzen und staatstragenden Einschätzungen entspricht Hansen nie. Schon sein Vater Flemming, wichtigste Bezugsperson und früher ebenfalls Profihandballer, legte ihm nahe, lieber am Wurf zu feilen und den Körper zu stählen, als einen Rhetorikkurs zu besuchen.

          Liebling der Massen mit Heimweh

          Entwickelt hat sich so ein Handball-Profi, der in Dänemark wie ein Popstar gefeiert wird, beim Scheichklub Paris Saint-Germain die „magische“ Grenze von 500.000 Euro Bruttogehalt überschritten haben soll und jüngst im Smoking ein großes dänisches People-Magazin zierte. Sein Manager Claus Flensborg sortiert gerade die Angebote für weitere werbliche Zusammenarbeit. Zuletzt hatte es dabei so gewirkt, als geriete Hansens Aufstieg ins Stocken.

          Als Emporkömmling der Olympischen Spiele 2008 wechselte der in Helsingör bei Kopenhagen geborene Däne aus dem beschaulichen Svendborg auf der Insel Fünen nach Barcelona. Dort fasste er nie Fuß, bekam Heimweh, war froh, beim neureichen Großklub AG Kopenhagen unterzukommen. Als Liebling der Massen. Gespielt wurde im Fußballstadion „Parken“, manchmal kamen mehr als 30 000 Fans. Doch AG schlitterte 2012 in die Insolvenz; der THW Kiel wollte Hansen. Ihn aber zog es nach Paris. Dort läuft es mäßig.

          „Mikkel ist auch gut, wenn er schlecht ist“

          Die zusammengewürfelte Startruppe der „Qatar Sports Investment“ ist nur Zweiter hinter Dünkirchen; in der Champions League gab es Niederlagen. Mal heißt es, das Team sei uneins mit Trainer Philippe Gardent, dann hört man, die Scheichs seien unzufrieden mit dem Ertrag: Hansen sei zum Rapport einbestellt worden. So ist es gar nicht ungewöhnlich, dass Hansen im Kreis der Liebsten wieder seine besten Leistungen abliefert. „Mikkel ist auch gut, wenn er schlecht ist“, sagt Wilbek verschmitzt.

          Denn es sind immer zwei Gegner, die ihn bewachen. Und da er in der Abwehr auf der Halbposition weniger gefordert ist, während Möllgaard und Knudsen oder Toft in der Mitte Schwerstarbeit verrichten, wirkt Hansen in diesem Turnier auch sehr frisch. Die Kollegen wissen: Wenn es vorn eng wird, einfach den Ball zur Nummer 24 spielen. Die hat neuerdings nicht nur den harten Wurf, sondern auch das feine Anspiel drauf.

          Quelle: F.A.Z.

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