Home
http://www.faz.net/-gub-6wuxc
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Handball-EM Deutschland zurück im Turnier

17.01.2012 ·  Die angeschlagenen Handballer setzen sich bei der EM knapp gegen Mazedonien durch. Beim 24:23 lassen sich die Deutschen nicht von den gegnerischen Fans beirren. Die Perspektive London 2012 bleibt erhalten.

Artikel Bilder (6) Lesermeinungen (0)
© dpa Fast wie bei einem EM-Sieg: Der Jubel der Deutschen nach dem Erfolg über Mazedonien ist groß

Feuerzeuge flogen auf das Feld und auch Münzen. Die enthusiastischen mazedonischen Handballfans überschritten deutlich Grenzen in ihrer Begeisterung – die deutsche Nationalmannschaft aber hielt auch diesem Druck stand. Am Ende formierten sich die Spieler zu einem Freudentanz, und jedem von ihnen war die große Erleichterung über den ersten Sieg bei der Handball-Europameisterschaft in Serbien anzusehen.

Deutschland hat sich mit dem 24:23 über Mazedonien zurückgemeldet bei diesem Turnier, es hat nach der Enttäuschung gegen die Tschechen seine Chance gewahrt, in die Hauptrunde einzuziehen – und es hat sich damit auch seine Perspektive für die Olympischen Spiele in London erhalten.

„Sie haben sich heute zurückgefightet“, sagte Bundestrainer Martin Heuberger lobend über sein Team. Auch er wirkte nach einem aufreibenden Handballspiel gelöst. Die Anspannung wird trotzdem noch anhalten. Am Donnerstag wird Deutschland ein drittes Mal in Nis gefordert sein. Dann heißt der Gegner Schweden (18.15 Uhr / Live im F.A.Z.-Ticker).

In der Halle in Nis dominierten die Farben Rot und Gelb, die für Mazedonien stehen. Die 4000 Zuschauer sorgten für einen beträchtlichen Lärm, und von Anfang an schlugen den Deutschen Pfiffe entgegen. Darauf allerdings war Heubergers Team eingestellt.

Der neue Bundestrainer hatte für dieses richtungweisende Kräftemessen einige Umstellungen vorgenommen. Er hatte seinen Kapitän Pascal Hens, der gegen Tschechien eine farblose Darbietung geboten hatte, 60 Minuten auf der Bank sitzen lassen, und im Tor stand diesmal vorwiegend der Lemgoer Carsten Lichtlein. Diese personellen Rochaden zahlten sich aus.

Zwar unterliefen auch Kaufmann, der den Hamburger Hens ersetzte, einige Fehler – und überhaupt offenbarte der deutsche Angriff wieder manche Schwächen. Allerdings kam Kaufmann dennoch auf insgesamt sechs Tore; er war damit der erfolgreichste deutsche Werfer. Er habe seine Sache sehr gut gemacht, sagte Heuberger.

Die Deutschen traten am Dienstag – ungeachtet ihrer Mängel – generell entschlossener auf als bei der verpatzten EM-Ouvertüre am Sonntag. „Wir haben viel mehr Selbstvertrauen“, urteilte der Mannheimer Abwehrrecke Oliver Roggisch, der zehn Minuten vor dem Abpfiff nach drei Zeitstrafen die Rote Karte erhielt. Deutschland steckte diesen Ausfall aber weg. Und auch manchen Rückstand, zum Beispiel beim 15:17.

Einige der deutschen Aktionen waren zum Haareraufen, auch an Heubergers Gesten war das unschwer abzulesen. Immerhin erlahmte der Behauptungswille der Deutschen nicht, dafür zollte Heuberger seinem Team schließlich große Anerkennung. „Ich kann ihm nur ein Kompliment machen“, sagte der abgekämpft wirkende Bundestrainer. Es habe sich wirklich um eine Mannschaft gehandelt, „darauf können wir stolz sein.“

Eine Minute vor dem Abpfiff hatte Linksaußen Uwe Gensheimer von den Rhein-Neckar Löwen die 24:23-Führung erzielt. Das bedeutete: noch einmal sechzig Sekunden Bangen und Zittern. Die Mazedonier inszenierten eine letzte Attacke, mit ihrem Rückraumstar Kiril Lazarov in zentraler Rolle.

Lazarov, der den Deutschen durch seine Würfe und Anspiele zu seinen Kollegen einige Probleme bereitet hatte, kam tatsächlich auch wieder an den Ball – doch sein Wurf prallte, zum Glück für die Deutschen, von der Latte ab. Das war der Moment, in dem sich am Dienstag für die Deutschen in Nis alles in Wohlgefallen auflöste. Ein wichtiger Schritt war getan – vor dem Weltmeister von 2007 stehen in Serbien trotzdem noch hohe Hürden.

Serbiens Handballer bleiben derweil bei ihrer Heim-EM auf Kurs Hauptrunde. Der Gastgeber besiegte in Belgrad überraschend den WM-Zweiten Dänemark mit 24:22 (10:12). Für Serbien war es nach dem 22:18 zum Auftakt gegen Polen der zweite Erfolg. Hoffnung aufs Weiterkommen kann sich auch Polen wieder machen. Das Team von Trainer Bogdan Wenta deklassierte dank einer starken zweiten Halbzeit die Slowakei mit 41:24 (17:13).

In der deutschen Gruppe hat Schweden den ersten Sieg des Turniers gefeiert und sich zugleich vorzeitig für die Hauptrunde qualifiziert. Zwei Tage nach dem 26:26 gegen Mazedonien bezwang der WM-Vierte Tschechien mit 33:29 (19:17). Niclas Ekberg war mit zehn Treffern bester Torschütze für die Skandinavier.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Stürmer in der Defensive

Von Michael Ashelm

Die Anforderungen an Angreifer haben sich stark verändert – und damit die Auswahl des Personals. Der Stürmertyp, der vorne wartet, bis er bedient wird, stirbt aus. Mehr