14.03.2010 · Der THW Kiel hat im Kampf um den Titel in der Handball-Bundesliga einen Rückschlag hinnehmen müssen. Der Dauermeister unterlag dem TBV Lemgo mit 30:32 und hat nun drei Punkte Rückstand auf Tabellenführer HSV Hamburg.
Jubel in Hamburg, Frust in Kiel: Nach dem Patzer von Meister THW Kiel spitzt sich die Dramatik im Zweikampf um die deutsche Handball-Meisterschaft weiter zu. Der deutsche Rekord-Champion kassierte am Sonntag mit dem 30:32 (14:14) beim TBV Lemgo die zweite Niederlage und musste im Fernduell mit Tabellenführer HSV Hamburg einen vielleicht entscheidenden Rückschlag im Kampf um die Handball-Krone einstecken. Denn der Rivale baute mit dem 35:28 (15:15)-Auswärtserfolg bei MT Melsungen seine Tabellenführung auf nun drei Zähler aus - wenngleich die „Zebras“ ein Spiel weniger absolviert haben.
Der THW lieferte eine meisterliche Anfangsphase ab und schien beim 9:3 (16.) unaufhaltsam davonzueilen. Doch der TBV berappelte sich wieder und der zuletzt gescholtene Nationalmannschaftskapitän Michael Kraus führte bei seinem Comeback nach überstandenem Muskelfaserriss sein Team bis zur Pause wieder heran. Nach der Pause trumpften nun die Gastgeber auf: Mit dem starken Schlussmann Martin Galia an der Spitze gelang dem TBV alles und den „Zebras“ fast nichts mehr. Die Kieler agierten nun überhastet und kopflos - mit dem Resultat, dass sie plötzlich 21:28 (48.) hinten lagen. Kiel kämpfte sich noch einmal auf 29:30 (56.) heran, um dann wieder zu schwächeln. „Wir dachten, dass wird unser Tag. Diese Niederlage nervt“, bekannte der mit neun Toren beste Kieler Werfer Kim Andersson.
Ganz anders die Gemütslage bei Kraus, der bei den zwei Testländerspielen am Dienstag und Mittwoch gegen die Schweiz nicht dabei ist. „Wir haben uns enorm gesteigert und in der hitzigen Schlussphase den Kopf oben behalten“, sagte Kraus, der zuletzt für Wechselgerüchte zum HSV gesorgt hatte. „Das war nicht meine Intention und ich bin auch froh, dass jetzt wieder Ruhe eingekehrt ist.“ Die Ostwestfalen bleiben nach dem Prestigesieg und dem Sprung auf Platz sechs weiter im Rennen um die Europapokal-Plätze.
Göppingen und Gummersbach auf Europapokal-Kurs
In Melsungen stießen die Hamburger 40 Minuten lang auf harten Widerstand des Underdogs. Melsungen hielt mit großem Kampf und Engagement zwei Drittel des Spiels mit. Doch dann zeigte der HSV, was einen Champion ausmacht. Eine erhebliche Steigerung in der Abwehr, Ballgewinne und daraus resultierende Tempogegenstöße sowie ein flüssiges Angriffsspiel machten den Unterschied. „Wir müssen von dem Gedanken wegkommen, dass wir jedes Team in jeder Halbzeit mit zehn Toren schlagen“, sagte Pascal Hens, der nach der Partie zum Nationalmannschafts-Lehrgang flog. „Wichtig ist, dass wir die Spiele gewinnen.“
Mit klaren Heimsiegen halten die Traditionsteams Frisch Auf Göppingen und Gummersbach Kurs auf die Europapokal-Plätze. Göppingen besiegte am Samstag die HSG Wetzlar 31:24 (14:11), der VfL gewann gegen HBW Balingen-Weilstetten überraschend locker mit 35:22 (18:10). „Ich bin sehr zufrieden und das sage ich eigentlich nicht häufig, weil es immer etwas zu verbessern gibt“, sagte VfL-Trainer Sead Hasanefendic.