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Haas vergiftet? Eine speiüble Affäre

 ·  Unsern täglich Sportskandal gib uns heut: Haas als Opfer eines Anschlags wie im Kalten Krieg? Die These von Doppelkollege Waske wird sich kaum halten lassen - doch die Probleme des weißen Sports liegen anderswo: Gift, Galle und Gehässigkeit, darum geht es.

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Die alltäglichen Sportskandale rund um die Themen Doping, Betrug, Manipulation und andere Fouls hätte am Mittwoch noch die üble Nachricht toppen können, dass das deutsche Tennis-As Thomas Haas beim Davis-Cup-Halbfinale gegen Russland vergiftet worden sei. Das jedenfalls will dessen Freund und gelegentlicher Doppelpartner Alexander Waske Wochen später von einem angeblich wohlinformierten Russen gehört haben.

Dass der Frankfurter seine medizinisch nicht vollkommen gesicherte Kenntnis einem Boulevardblatt anvertraute, verschaffte der längst verlorenen und vergessenen Begegnung im Nachgang noch eine schrille Schlagzeile. War Haas' virale Magen-Darm-Grippe im September in Wirklichkeit also ein Moskauer Anschlag, wie er einst im Kalten Krieg unter Spionen üblich gewesen sein mag, oder war es nicht doch nur ein kontaminiertes Gerücht, das der schlagfertige Hesse besser bei sich behalten hätte? Den Beweis für seine These wird der auch auf anderen Spekulationsschauplätzen derzeit gefragte Profi aus der Börsenstadt Frankfurt wohl kaum erbringen können.

„Dann kann ich es mir vorstellen“

Haas selbst war noch einmal ganz mulmig zumute, als er hörte, was Kumpel Waske zu Ohren gekommen war. „Wenn ich daran denke, wie schlecht es mir ging, dann kann ich es mir vorstellen“, sagte er und mutmaßte (inzwischen wieder) munter weiter. „Ich bin immer der Einzige von uns, der nach dem Essen einen Nachtisch oder einen Latte Macchiato bestellt. Da es keinen anderen von uns erwischt hat, müssen die es, wenn es stimmen sollte, dort gemacht haben.“

Weh mir, das Dessert war vergiftet? Eine speiüble Affäre fürwahr - zum Glück dadurch gemildert, dass Haas drei Tage nach dem Davis-Cup-Spuk von Moskau im klimatisch nicht gerade verwandten Bangkok putzmunter zum Erstrundeneinzel gegen den Amerikaner Vince Spadea aufschlug - und gewann. Ist es unter den blümeranten Umständen nicht bewundernswert, wie rasch sich der in Amerika sesshafte Hamburger erholt und die giftigen Tage in Russland abgeschüttelt hat?

Spezi Waske, eben noch der bedenkenlose Überbringer einer unglaublichen Nachricht, entrüstet sich derweil gegen anderswo einfach so gestreute Manipulationsvorwürfe, die darauf gründen, dass auch deutsche Tennisprofis in illegale Wetten verwickelt gewesen sein sollen. Unmöglich, so etwas anonym im Fernsehen zu behaupten. Spiel, Satz und Sieg - die glorreichen Zeiten des weißen Sports scheinen vorüber. Gift, Galle und Gehässigkeit, darum geht es in diesem grauen, grausamen Tennis-November. Zur Beruhigung der Gemüter wäre ein Latte Macchiato zu empfehlen - aber nur gegen vorherige Prüfung auf Geschmacksreinheit.

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