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Großbritannien Millionen auf der Laufbahn

 ·  In Großbritannien gibt es eine Inflation der Olympia-Helden. Nach dem kollektiven Erfolg dürften sich nur wenige Athleten zu Spitzenverdienern aufschwingen. Eine aber sticht aus der Masse heraus: Die Siebenkämpferin Jessica Ennis.

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© AFP Vergrößern Olympische Spitzenverdienerin: Leichtathletin Jessica Ennis

Für die Briten war das olympische Heimspiel ein sportlicher Triumph. Marketingexperten in London aber verweisen auf die Kehrseite der vielen Goldmedaillen: Steht zu viel kollektiver Erfolg womöglich dem finanziellen Profit der einzelnen Athleten im Wege? 65 Medaillen haben die Briten gewonnen und damit 18 mehr als vor vier Jahren in Peking. Fachleute diagnostizieren eine Inflation der Olympia-Helden: Je mehr Medaillen es zu feiern gibt, ums weniger glänzt die einzelne.

„Die britische Mannschaft war so erfolgreich, dass die meisten Olympiasieger keine großen Reichtümer anhäufen werden, die ihr Leben verändern. Es ist schwer, herauszuragen“, prophezeite Jonathan Ridgeon, früher Weltklasse-Hürdensprinter und heute Geschäftsführer des Sportmarketing-Unternehmens „Fast Track“ in einem Interview mit der Zeitung „Guardian“. Für einen kleinen Kreis britischer Sportstars wird sich der Olympia-Sieg aber wohl trotzdem auszahlen. Vor allem Leichtathleten dürften abräumen.

Ganz oben auf der Liste der Großverdiener steht nach Meinung vieler Fachleute Jessica Ennis, die Olympiasiegerin im Siebenkampf. Nach Einschätzung des Branchendiensts „Sponsorship Today“ zählt die 26-Jährige als einzige Britin zu den zehn olympischen Spitzenverdienern. Mit Sponsoringverträgen könne Ennis nun umgerechnet rund 1,4 Millionen Euro im Jahr kassieren. Andere Experten trauen ihr sogar bis zu 4,5 Millionen Euro zu.

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© dpa Vergrößern Neuer Volksheld: Mohamed Farah mit seinem Markenzeichen «M»

Ennis war bereits vor den Sommerspielen gut im Geschäft. Sie hat Werbeverträge unter anderem mit Adidas, BP und British Airways. Ihre Vermarktungsfirma „Jessica Ennis Ltd.“ wies 2011 einen Gewinn von rund 670.000 Euro aus und damit siebenmal so viel wie noch zwei Jahre zuvor. Hoch gehandelt wird auch Doppel-Olympiasieger Mohammed („Mo“) Farah. Das Langstrecken-Ass gewann die Rennen über 10.000 Meter und 5.000 Meter. Der 29 Jahre alte Farah stammt aus Somalia und kam als kleiner Junge nach Großbritannien.

Status als Volksheld

Nun sei er „wahrscheinlich der größte Athlet, den wir hervorgebracht haben“, lobte Olympia-Organisator Sebastian Coe, früher selbst Weltklasse-Mittelstreckler. Sein neuer Status als Volksheld wird Farah wohl auch in neue Einkommensregionen heben. Seine beiden Goldmedaillen machten ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Einkommensmillionär, sagen Marketingfachleute. Zu den finanziellen Aufsteigern dürfte auch Gregory Rutherford zählen. Der 25 Jahre alte Überraschungssieger im Weitsprung war vor seinem großen Tag im Olympiastadion ein Nobody. Das hat sich jetzt geändert.

Bahnrad-Senior Christopher Hoy avancierte unterdessen mit zwei weiteren Goldmedaillen zum bisher erfolgreichsten aller britischen Olympia-Teilnehmer. Der 36 Jahre alte Hoy will weiterhin seine Runden auf der Radrennbahn drehen - was sich für ihn wohl finanziell mehr denn je auszahlen wird.

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18.08.2012, 12:30 Uhr

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Von Michael Ashelm

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