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Greifbare Tennis-Geschichte : Die Besten der Neuzeit

  • -Aktualisiert am

Lauter Einsen: Marcelo Rios, Jim Courier, Stefan Edberg, Mats Wilander, Ivan Lendl, John McEnroe, Bjorn Borg, Jimmy Connors, John Newcombe, Ilie Nastase, Novak Djokovic, Rafael Nadal, Roger Federer, Andy Roddick, Juan Carlos Ferrero, Lleyton Hewitt, Gustavo Kuerten, Jewgeni Kafelnikow und Carlos Moya (von links) Bild: AFP

Als große Ehre, „in diesem Raum der schlechteste Spieler zu sein“, empfand Andy Roddick sein Get-together mit fast allen Einsen aus 40 Jahre Weltrangliste: Von Ilie Nastase über Björn Borg bis Novak Djokovic.

          Bei großen Spielen um große Titel hat man als Zuschauer manchmal das Gefühl, als streife einen der Mantel der Geschichte. Resultat der Berührung? Gänsehaut. Eine Reaktion, die man auch spürte, als sich die Besten der Neuzeit dieser Tage in New York im Ballsaal des Hotels Waldorf Astoria versammelten. Auf den Tag genau 40 Jahre nachdem im August 1973 zum ersten Mal eine offizielle Computerrangliste mit den Weltbesten des Männertennis erschienen war, saßen 19 der 25 Spieler, die in dieser Zeit an der Spitze gestanden hatten, zusammen auf dem Podium. Angefangen von der ersten Nummer eins, dem schrillen Rumänen Ilie Nastase, bis zum aktuellen Spitzenreiter, dem Serben Novak Djokovic.

          Die Idee für diesen Abend, an dem die ATP das Erbe einer entscheidenden Entwicklung feierte, stammte von ihrem Chef Brad Drewett, der Anfang Mai gestorben war. Das Ergebnis dürfte ihm, falls er irgendwo von oben zusah, gefallen haben. Da thronten unter anderen die drei Großen der siebziger und achtziger Jahre nebeneinander, John McEnroe, Björn Borg und Jimmy Connors. Das Trio gehörte wie die Schweden Mats Wilander und Stefan Edberg oder Ivan Lendl zu den insgesamt 16 Spielern, die nicht nur irgendwann, sondern am Ende eines Jahres an der Spitze der Rangliste gestanden hatten, sozusagen die Besten im Klub der Besten. Und von jenen 16 fehlten an diesem denkwürdigen Abend nur zwei, Pete Sampras und Andre Agassi.

          Drei alte Schweden: Mats Wilander; Bjorn Borg und Stefan Edberg
          Drei alte Schweden: Mats Wilander; Bjorn Borg und Stefan Edberg : Bild: AFP

          Rechts vom Pokal, mit dem die Nummer eins zum Jahresende ausgezeichnet wird, saß die jüngere Generation mit dem aktuellen Spitzenmann Djokovic, Rafael Nadal und Roger Federer, mit Gustavo Kuerten, dem australischen Haudegen Lleyton Hewitt und mit Andy Roddick, der vor einem Jahr bei den US Open zurückgetreten war. Der Amerikaner prägte den Spruch des Abends, als er sagte: „Ganz ehrlich, es ist eine große Ehre, in diesem Raum der schlechteste Spieler zu sein.“

          Rat an Federer: „Spiel bloß weiter“

          Rhetorisch gehörte er immer zu den Besten, weshalb es gut sein kann, dass er in seinem neuen Beruf ähnlich erfolgreich sein wird. Roddick ist nun Gastgeber einer Live-Show des Fernsehsenders Fox Sports 1, und in dieser Funktion traf er unter anderen den ehemaligen Kollegen Federer vor dem Auftritt im Ballsaal des Waldorf Astoria zum Interview. Federer gestand am Tag danach, er habe im Kreis seiner einstigen Idole einen sehr schönen, inspirierenden Abend verbracht. Und wie gut es ihm getan habe, aus diesem Kreis zu hören: „Spiel bloß weiter.“

          Größste Spieler ihrer Zeit: John McEnore, Björn Borg und Jimmy Connors
          Größste Spieler ihrer Zeit: John McEnore, Björn Borg und Jimmy Connors : Bild: AFP

          Wenn er diesen Montag zu seiner ersten Partie der US Open 2013 gegen den Slowenen Grega Zemlja im Arthur Ashe Stadium erscheinen wird, wird er das mit der schlechtesten Position in der Weltrangliste und der Setzliste seit mehr als zehn Jahren tun: Nach einem eher mittelprächtigen Jahr mit dem Gewinn eines einzigen Titels - im Juni bei den Gerry Weber Open in Halle - ist er auf Nummer 7 abgerutscht. Aber er versichert, es gehe ihm gut, und mit dem von vielen beschworenen Götterdämmerungs-Szenario kann er offensichtlich nichts anfangen. Kürzlich nach seiner Niederlage beim Turnier in Cincinnati gegen Rafael Nadal hatte er gesagt, solange mit seiner Leidenschaft fürs Spiel alles in Ordnung sei, werde er sicher nicht aufhören, und diese Leidenschaft sei immer noch himmelhoch. Nun fügte er hinzu: „Ich denke, wenn ich gut spiele und mich gut fühle, dann bin ich besser als Nummer sieben.“

          Der Durchschnitts-Mann an der Spitze ist 24 Jahre alt

          302 Wochen lang, zuletzt Anfang November 2012, führte er die Weltrangliste an, länger als jeder andere im Männertennis, und man kann ihm wohl glauben, wenn er sagt, in diesem Stadium seiner Karriere sei er an Zahlen nicht mehr so wahnsinnig interessiert. Die ATP dagegen präsentierte angesichts des Jubiläums ein nettes, kleines Zahlenspiel und ermittelte Durchschnittswerte ihrer Besten aus 40 Jahren. Auf dieser Basis ist der Mann an der Spitze 24 Jahre alt, gewinnt 87 Prozent seiner Spiele eines Jahres und 8,4 Titel, darunter 1,7 bei den wichtigsten Turnieren, den Grand Slams.

          Andy Roddick (rechts) im Gespräch mit Roger Federer: „Ganz ehrlich, es ist eine große Ehre, in diesem Raum der schlechteste Spieler zu sein.“
          Andy Roddick (rechts) im Gespräch mit Roger Federer: „Ganz ehrlich, es ist eine große Ehre, in diesem Raum der schlechteste Spieler zu sein.“ : Bild: AFP

          Diesen letzten Wert erreichte 2013 bisher keiner. Djokovic gewann die Australian Open, Nadal verteidigte seinen Titel bei den French Open in Paris, Andy Murray triumphierte in Wimbledon. Vor nicht allzu langer Zeit hatte vieles darauf hingedeutet, dass der Schotte dem Kollegen Djokovic an der Spitze der Weltrangliste demnächst gefährlich werden könnte, aber mittlerweile sieht es so aus, als werde Nadal die Sache wieder übernehmen.

          Das Finale der US Open 2012, in dem Murray gegen Djokovic seinen ersten Grand-Slam-Titel gewann, hatte der Spanier verletzt am Fernsehschirm verfolgt. Aber er sagt, das sei kein Problem für ihn gewesen: „Bei den meisten Grand-Slam-Turnieren hab ich das Finale im Fernsehen gesehen. Das war also nichts völlig Neues.“

          Hätten Sie sie noch erkannt? Oben von links: Mats Wilander, Ivan Lendl, Jimmy Connors, Ilie Nastase, Novak Djokovic, Rafael Nadal, Roger Federer, Andy Roddick, Lleyton Hewitt, und unten von links: Stefan Edberg, Gustavo Kuerten, John McEnroe, Bjorn Borg, Jim Courier
          Hätten Sie sie noch erkannt? Oben von links: Mats Wilander, Ivan Lendl, Jimmy Connors, Ilie Nastase, Novak Djokovic, Rafael Nadal, Roger Federer, Andy Roddick, Lleyton Hewitt, und unten von links: Stefan Edberg, Gustavo Kuerten, John McEnroe, Bjorn Borg, Jim Courier : Bild: AFP

          Quelle: F.A.Z.

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