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Golfprofi Alvaro Quiros Eiskrem für Eskimos

09.12.2011 ·  Mit den längsten Abschlägen und dem größten Charme verkauft sich Alvaro Quiros glänzend: Der Publikumsliebling führt bei der Dubai World Championship.

Von Wolfgang Scheffler, Dubai
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Alvaro Quiros verfügte lange über zwei Alleinstellungsmerkmale: Seine Koteletten und seine Abschläge galten als die längsten im Profigolf. Den extrem schmalen Backenbart hat der Spanier mittlerweile auf Normallänge gestutzt, aber seine Drives landen immer noch in Regionen, von denen die meisten Kollegen nur träumen können.

Wie jedes Jahr weist auch in der Saison 2011 die Statistik der European Tour den 1,91 Meter großen und 85 Kilogramm schweren Modellathleten als den König der „Longhitter“ oder „Bomber“ aus, wie diese Kraftmeier im Jargon der Branche genannt werden: Im Schnitt schlägt er den Ball vom Abschlag mit dem Driver 286 Meter weit - und nicht selten kommt der Ball erst jenseits der 300-Meter-Marke zur Ruhe. Nichts fasziniert Hobbygolfer mehr als Profis, die den Ball über für Normalsterbliche unvorstellbare Distanzen mit scheinbarer Mühelosigkeit befördern.

Quiros steht derzeit nur auf Platz 52 der Weltrangliste

Aber nicht nur wegen seiner gewaltigen Kraft gilt der 28 Jahre alte Andalusier als Publikumsliebling. Während viele Spieler an Tagen, an denen es nicht so läuft, mit sauertöpfischer Miene über den Platz laufen, geht der Spanier seinem Job immer mit einem Lächeln nach - ein Gesichtsausdruck, den die englische Zeitung „Guardian“ als so gewinnend beschrieb, dass man damit Eiskrem an Eskimos verkaufen könnte. Die gute Laune lässt sich der Sunnyboy auch nicht verderben, wenn er wie am vergangenen Sonntag in Hongkong mit einer Schlussrunde von 73 Schlägen einbricht und den Sieg verspielt, den er dem Nordiren Rory McIlroy überlassen musste.

An diesem Wochenende winkt Quiros die Chance, sich zu revanchieren. Am Freitag beschloss der Spanier die zweite Runde der Dubai World Championship stilvoll mit einem Eagle auf dem 567 Meter langen 18. Loch: Mit 64 Schlägen stellte er den Platzrekord ein und geht am Samstag mit vier Schlägen Vorsprung vor dem Schweden Peter Hanson und gar fünf vor McIlroy und dem Engländer Robert Rock auf die dritte Runde.

Fast eine Parallele zum vergangenen Sonntag. Da hatte Spitzenreiter Quiros die Schlussrunde mit drei Schlägen Vorsprung vor McIlroy begonnen. McIlroy muss wie in Hongkong auch in Dubai gewinnen, um in der europäischen Geldrangliste noch an Luke Donald vorbei zu ziehen. Der Engländer, der sich am Freitag mit 68 Schlägen auf den geteilten zehnten Platz vorschob, ist allerdings nur noch einen Rang von jener Position entfernt, die ihm auf jeden Fall den Bonus von 922.000 Euro für den Sieger im Race to Dubai bescheren würde. Quiros, derzeit in der Weltrangliste nur auf Platz 52 geführt, benötigte eine erstklassige Plazierung, um wieder unter die besten 50 der Hackordnung zu rücken, die für alle großen Turniere qualifiziert sind.

Es gibt kaum einen, der dem sympathischen Spanier das nicht gönnen würde. Der Spanier ist auch unter den Kollegen - einer seiner besten Kumpels ist der Deutsche Martin Kaymer, der am Freitag 71 Schläge benötigte und nun auf Rang 36 liegt - ausgesprochen beliebt. Sein sonniges Gemüt, seine Bescheidenheit und auch die Selbstironie, mit der er sein kraftvolles Spiel beschreibt, sind entwaffnend: „Severiano Ballesteros hat in den Händen das Feingefühl eines Künstler, bei mir ist es das eines Maurers“, beschreibt er den Unterschied zum bisher größten Golfer Spaniens.

Im Vorjahr verfehlte er das Stechen um einen Schlag

Dass Quiros überhaupt Golf spielt, hat auch ein bisschen damit zu tun, dass dank der Popularität und der Verdienste von Ballesteros der Ryder Cup 1997 unweit von Quiros’ Heimatort Guadiaro ausgetragen wurde. Der bolivianische Zinn-Milliardär Jaime Ortiz-Patiño, der ein paar Jahre zuvor den Platz von Las Aves gekauft hatte und ihn umbauen und in Valderrama umbenennen ließ, wollte auch der lokalen Bevölkerung etwas Gutes tun und ließ im Heimatort von Quiros einen Platz bauen: „El Canada“. Niemand in der Familie von Quiros hatte jemals mit Golf Bekanntschaft gemacht, aber der kleine Alvaro konnte dem Reiz des Spiels nicht widerstehen. Jugendfreunde berichten, dass er schon als Knirps gewaltig auf den Ball einprügelte.

Aber natürlich schafft man es nicht auf die European Tour, natürlich gewinnt man nicht wie Quiros fünf Veranstaltungen auf dieser Turnierserie, wenn man nicht auch über ein feines Händchen auf und rund um das Grün verfügt. „Ich bin zwar der Längste, aber die guten Spieler wie Rory, Sergio Garcia oder Martin Kaymer sind alle lang. Es kommt darauf an, den Ball nahe an die Fahne zu schlagen und die Putts zu lochen“, sagt Quiros. In Dubai ist ihm dies bisher immer gut gelungen. Im Vorjahr verfehlte er das Stechen um den Sieg der Dubai World Championship um einen Schlag, im Februar siegte er bei der Dubai Classic. Gute Aussichten fürs Wochenende? „Zwei Runden sind noch viel Golf“, entgegnet Quiros. Lange Drives sind seine Sache, große Sprüche nicht.

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Jahrgang 1948, Sportredakteur.

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