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Golf auf den Bahamas : Die andere Rückkehr des Tiger Woods

  • -Aktualisiert am

Er ist wieder da: Tiger Woods kehrt auf den Golfplatz zurück. Bild: USA TODAY Sports

Zehnmal schon versuchte der Star des Golfs ein Comeback. Nun ist es wieder soweit. Auf den Bahamas kehrt Tiger Woods zurück. Und doch ist diesmal alles anders.

          Tiger Woods wagt auf den Bahamas wieder einmal ein Comeback – nichts Ungewöhnliches für einen Sportler, der sich im Laufe seiner grandiosen Karriere vier Operationen an seinem linken Knie und vier Eingriffen an der Lendenwirbelsäule unterziehen musste. Zehnmal versuchte der Golfprofi, der am 30. Dezember 42 Jahre alt wird, nach Verletzungen oder persönlichen Problemen einen Neuanfang. Nun kehrt der Amerikaner an diesem Donnerstag zum dritten Mal innerhalb der vergangenen vier Jahre nach einer Zwangspause ins Turniergolf zurück. Und zwar bei der Hero World Challenge, seinem Einladungsturnier für 18 Weltklassespieler ohne Cut. Und doch ist diesmal alles anders.

          Diesmal ist keine Rede davon, dass zweite Plätze nichts wert seien, dass nur der Sieg zähle: „Ich improvisiere. Ich weiß noch nicht, was mein Körper kann und was er nicht kann. Ich will nur diese vier Runden überstehen, um besser zu begreifen, wo ich stehe.“ Vor allem aber: Erstmals seit 2013, dem letzten Jahr, in dem Woods mit fünf Siegen seinen ersten Weltranglistenplatz zurückerobert hatte und im August jenes Jahres seine Leidensgeschichte mit dem lädierten Rücken begann, ist er nach der Versteifung zweier Wirbel im Frühjahr vollkommen schmerzfrei. „Meine Ärzte sagen, das wird mein ganzes Leben so bleiben. Aber das muss ich erst einmal begreifen“, sagte Woods und fügte hinzu: „Jetzt liebe ich das Leben wieder.“

          Offen wie nie zuvor erzählte der einstige Überflieger am Dienstag bei einer Pressekonferenz, wie sehr ihn sein Rücken in den vergangenen vier Jahren geplagt hatte, wie ihm die Höllenqualen den Schlaf raubten und er abhängig von Schmerz-, Schlaf- und Antidepressionsmitteln wurde. „Ich wollte einfach nur dem Schmerz davonlaufen“, erklärte Woods, warum er am 29. Mai um zwei Uhr morgens schlafend und orientierungslos in seinem Auto am Straßenrand 15 Meilen von seinem Wohnort Jupiter (Florida) entfernt von der Polizei aufgegriffen wurde.

          Das war für Woods eine Art Weckruf. Er zahlte 250 Dollar Strafe, verpflichtete sich zu 50 Stunden gemeinnütziger Tätigkeit und ließ sich in einer Spezialklinik gegen seine Medikamentensucht behandeln. „Endlich bin ich diesen fürchterlichen Nervenschmerz los, der übers Bein bis in den Fuß ging, verspüre nicht mehr dieses schreckliche, unwillkürliche Zucken meines Beins“, schilderte Woods sein neues Wohlbefinden. „Es war so schlimm, dass ich einen Eimer neben meinem Bett stehen hatte, weil ich den Weg auf die Toilette nicht mehr schaffte. Das ist jetzt vorbei. Statt Golfschläger als Krücke zu benutzen, kann ich ihn jetzt frei schwingen.“

          Wie gut er mit seinen Arbeitsgeräten umgehen kann, wird sich in den nächsten Tagen weisen. Wie es bei Woods nicht anders zu erwarten ist, traut man dem einstigen Dominator schon wieder viel zu – und das, obwohl er erst im Oktober von seinen Ärzten die Erlaubnis erhielt, wieder volle Golfschwünge auszuführen. Am vergangenen Wochenende spielte Woods gemeinsam mit dem amerikanischen Weltranglistenersten Dustin Johnson und dem ehemaligen Weltklasseprofi Brad Faxon mit Präsident Donald Trump eine Runde Golf in dessen Klub in Florida. Faxon schwärmte danach, wie gut Woods spiele. Er erzählte, dass mal Woods und mal Johnson die längeren Drives schlugen. Eine erstaunliche Aussage, denn Johnson gilt als einer der „Längsten“ im Profigolf. Auch das Video seines Schwungs, das Woods ins Netz stellte, ließ Experten schwärmen. „Wenn ich mir die Fernsehbilder von meinem Schwung im letzten Jahr bei diesem Turnier anschaue, kommt es mir vor, als hätte ich in Zeitlupe geschwungen, da war kein Speed“, sagte Woods. Den scheint er wiedergefunden zu haben, was auch Patrick Reed nach neun gemeinsamen Löchern am Montag bestätigte.

          Aber kann Woods mit jüngeren Kollegen mithalten? An diesem Donnerstag geht er gemeinsam mit Justin Thomas, dem amtierenden PGA Champion und Sieger der Jahreswertung FedExCup, auf die Runde. Woods spielt mit einem 24 Jahre alten Kollegen, der als sieben Jahre alter Knirps in seinem Wohnort Louisville (Kentucky) live miterlebte, wie Woods die PGA Championship im Jahr 2000 gewann, der neunte Sieg in jenem Jahr. Von da an kannte Thomas wie viele seiner Altersgenossen nur ein Ziel: Er wollte wie Woods große Profiturniere gewinnen. Derzeit wird Thomas in der Weltrangliste hinter Johnson und Jordan Spieth, die ebenfalls auf den Bahamas mitspielen, auf Rang drei geführt, Woods dagegen nur noch auf Platz 1199. „In einer idealen Welt würde ich diesen Jungs gerne zeigen, wie es früher meinen Konkurrenten ergangen ist“, sagte Woods mit Rückblick auf eine Zeit, in der er 683 Wochen lang die Weltrangliste anführte und als mit Abstand Bester der Zunft galt. Mit 79 Siegen auf der PGA Tour, drei weniger als der Rekord von Sam Snead, und 14 Erfolgen bei den vier Majors muss Woods eigentlich nichts mehr beweisen – so gerne er auch den jüngeren Konkurrenten zeigen möchte, dass seine Zeit als Weltklassespieler noch nicht abgelaufen ist.

          Woods hat einen weiteren Grund, sich noch einmal mit den Besten zu messen: „Meine Kinder kennen mich nur als Youtube-Golfer, die haben nur Zusammenfassungen meiner Erfolge angeschaut, aber mich noch nie live spielen und siegen sehen“, sagt Woods. Seine Tochter Sam Alexis ist zehn, sein Sohn Charlie Axel acht Jahre alt. Beide haben mit Golf wenig im Sinn. Sie sind begeisterte Fußballspieler, und Lionel Messi ist ihr großes Idol. Nach einem Testspiel zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid in Florida im Frühjahr lernten Woods und sein Nachwuchs den Argentinier kennen. „Ist es nicht toll, eine lebende Legende zu treffen?“, fragte Tiger Woods seine Kinder. Seine Tochter antwortete: „Wir leben mit einer.“

          Vor dem Turnier auf den Bahamas gibt sich der Star bestens gelaunt.
          Vor dem Turnier auf den Bahamas gibt sich der Star bestens gelaunt. : Bild: USA TODAY Sports

          Quelle: F.A.Z.

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