Home
http://www.faz.net/-gub-7237n
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Golf Spielerei in Rot mit Tiger Woods

Rory McIlroy ist nach dem Gewinn der PGA-Championship die neue Nummer 1 im Golfsport. Der Nordire unterstreicht seine Stellung mit dem Tragen eines tiefroten Polohemdes auf der letzten Runde - dem Markenzeichen von Tiger Woods.

© AFP Vergrößern Sieger in Tiger-Rot: Rory McIlroy

Der nordirische Golfprofi Rory McIlroy hat eine Saison voller Enttäuschungen mit einem überragenden Ergebnis gekrönt. Der 23-Jährige, der in diesem Jahr in bedeutenden Turnieren mehrmals den Cut verpasste, gewann am Sonntag in Kiawah Island im amerikanischen Bundesstaat South Carolina überlegen die 94. PGA Championship und beruhigte anschließend sich und seine Zweifler. „Ich war ein bisschen frustriert mit meinem Spiel“, gab er zu. „Aber ein paar Leute haben vermutlich ohne Grund den Panik-Knopf gedrückt.“

McIlroy, der schon als Teenager als der kommende starke Mann im internationalen Golfsport gehandelt wurde und 2011 mit dem Gewinn der US Open sein erstes Major gewann, schob sich mit dem Erfolg auf Platz eins der Weltrangliste. Zwar hatte es zwei Tage lang so ausgesehen, als habe der wiedererstarkte Tiger Woods auf dem schweren Ocean Course ein Wort mitzureden, doch in der dritten Runde, die von den Bestplazierten wegen eines schweren Gewitters erst am Sonntagmorgen zu Ende gespielt werden konnte, wirkte er ohne Energie. Während McIlroy mit einer 67er Runde die Führung übernahm, rutschte Woods mit einer 74 ab und landete auf dem geteilten elften Platz.

Mehr zum Thema

Der Nordire McIlroy, der am Abend zuvor bis zu später Stunde im Fernsehen das Tennis-Match seiner Freundin Caroline Wozniacki in Toronto verfolgt hatte, brauchte auf dem 7257 Meter langen Par-72-Platz nur 275 Schläge, acht weniger als der Engländer David Lynn, der Zweiter wurde. Es entsprach der Leistung eines Mittelstreckenläufers, der die gesamte Konkurrenz überrundet hatte. Mit 284 Schlägen erkämpften sich neben dem amerikanischen Titelverteidiger Keegan Bradley zwei Engländer den dritten Platz: Justin Rose und Ian Poulter. Sie rundeten ein Turnier ab, das die Stimmung des europäischen Ryder-Cup-Captain José María Olazábal vor dem Kontinental-Wettkampf Ende September in Chicago stark verbessert haben dürfte.

Das größte Fragezeichen dürfte er hinter den Namen von Martin Kaymer setzen, der zwar trotz seines vorzeitigen Ausscheidens in Kiawah Island seinen neunten Platz von zehn automatischen Ryder-Cup-Qualifikanten behaupten konnte, der aber in einem Formtief steckt. Ansprechender waren die Leistungen von Marcel Siem, der mit 291 Schlägen auf dem geteilten 36. Platz landete.

PGA Championship - Final Round © AFP Vergrößern Großer Pokal für großen Sieg: Acht Schläge Vorspung

McIlroys jüngster Triumph hat historische Züge. Der Nordire, der schon mehrmals nur knapp den Erfolg bei bedeutenden Terminen verpasste - darunter bei Kaymers PGA-Championship-Sieg 2010, als er um ein paar Zentimeter die Teilnahme am Stechen verschenkte -, ist der jüngste Spieler in der Golf-Geschichte mit zwei Majors-Siegen. Der Acht-Schläge-Vorsprung radierte obendrein eine Bestmarke aus, die Jack Nicklaus, der erfolgreichste Profi der Golf-Geschichte, 1980 aufgestellt hatte. Das 23-jährige Ausnahmetalent hatte schon einmal die versammelte Weltelite derart deutlich mit acht Schlägen deklassiert, bei den US Open 2011.

Zumindest in einem Punkt unterstrich er den Generationenwechsel am Sonntag, als er für die letzte Runde ein tiefrotes Polohemd aus dem Koffer holte und damit bewusst darauf anspielte, dass dies das Markenzeichen von Tiger Woods ist. „Ich werde es vielleicht von jetzt an immer tun“, sagte er.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Proteste gegen Golf in Rio Lieber Tiere als Tiger Woods

2016 wird Golf in Rio eine olympische Disziplin sein. Der Sport ist als elitär verrufen, die Golfplätze als Umweltsünde. Die Organisation Golf für wen? protestiert in Rio gegen den Bau der Anlage. Mehr Von Tobias Käufer, Rio de Janeiro

31.10.2014, 08:43 Uhr | Sport
Baldiger Finanzmarkt-Kommissar muss nachsitzen

Der designierte EU-Finanzmarktkommissar Jonathan Hill schlägt sich bei der Anhörung im EU-Parlament gut – und dennoch muss er in eine zweite Runde. Fachfragen habe er zu allgemein beantwortet, hieß es. Mehr

02.10.2014, 14:12 Uhr | Wirtschaft
Debatte um Turnier in Qatar Klubs wollen WM-Finale am 29. Mai 2022

In der Debatte um die umstrittene Fußball-WM 2022 in Qatar gibt es nun erstmals einen konkreten Terminvorschlag zur Vermeidung der Hitze im Emirat im Sommer. Die europäischen Spitzenklubs haben eine detaillierte Lösung ausgearbeitet. Mehr

30.10.2014, 09:19 Uhr | Sport
Gerry Adams wieder frei

Der Nordire Gerry Adams ist wieder frei. Er wurde im Zusammenhang mit einem Mord aus dem Jahr 1972 festgenommen. Der Chef der Partei Sinn-Fein weist den Mord-Vorwurf weiterhin zurück. Mehr

05.05.2014, 09:07 Uhr | Politik
Nadal beendet seine Saison Blinddarm-Operation statt Tennis-WM

Nachdem Rafael Nadal in zwei Sätzen gegen den 17 Jahre alten Borna Coric verloren hatte, erklärte er seine Saison für beendet. Er fühle sich müde, bekannte der Spanier. Mehr

24.10.2014, 21:59 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 14.08.2012, 10:27 Uhr

Blatters Spiel

Von Michael Ashelm

Unter Sepp Blatter ist die Fifa zu einer mächtigen und reichen Organisation gewachsen. Doch solange dieser Präsident im Amt ist, wird der Fußball-Weltverband weiter an einem Vertrauensdefizit leiden. Ein Kommentar. Mehr 6 6