Home
http://www.faz.net/-gub-733ba
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Golf Papa hat ausgesorgt

 ·  Der Amerikaner Brandt Snedeker triumphiert bei der Tour Championship in Atlanta und sichert sich durch den Gewinn des FedExCups die Rekordprämie von zehn Millionen Dollar.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (2)
© REUTERS „Ich bin einer der besten Spieler der Welt“: Bescheidenheit ist nicht die Sache von Brandt Snedeker

Das Leben meint es derzeit ausgesprochen gut mit Brandt Snedeker, privat wie beruflich. Der Amerikaner sieht in drei Wochen zum zweiten Mal Vaterfreuden entgegen. Am Sonntag sorgte der 31-jährige Golfprofi dafür, dass die junge Familie wohl nie mehr Geldsorgen plagen werden: „Wenn ich kein Idiot bin, sollte ich für den Rest meines Lebens ausgesorgt haben.“

Denn dem Country-Musik-Fan aus Nashville in Tennessee gelang am Sonntag in Atlanta der lukrativste Doppelerfolg im Sport. Der Amerikaner gewann nicht nur die Tour Championship mit drei Schlägen Vorsprung vor dem Engländer Justin Rose, sondern er verdrängte mit seinem vierten Erfolg auf der PGA Tour auch noch die beiden besten Golfer der Welt, den Nordiren Rory McIlroy und seinen Landsmann Tiger Woods, von der Spitze dieser Saisonwertung der amerikanischen Turnierserie. Der Lohn: 11,44 Millionen Dollar, umgerechnet 8,85 Millionen Euro – zehn Millionen Dollar für den Sieg im FedEx Cup und noch einmal 1,44 Millionen Dollar für den Erfolg beim letzten der vier Play-off-Turniere. „Das richtige Timing ist alles im Leben“, sagte Snedeker grinsend.

In der Tat, Snedeker hätte sich für seinen Coup keinen besseren Zeitpunkt aussuchen können. Er war zwar nur als Fünfter des FedEx Cup ins letzte Turnier gegangen, aber damit hatte er zu einem Spitzenquintett gehört, von denen jeder mit einem Sieg in Atlanta das größte Stück aus dem Preisgeldkuchen von 30 Millionen Dollar hätte schneiden können – neben McIlroy und Woods noch die Amerikaner Nick Watney und Phil Mickelson.

Während Watney und Mickelson im East Lake Golf Club nie eine Rolle spielten, hatten McIlroy und Woods vor dem Schlusstag noch aussichtsreich mit drei und vier Schlägen Rückstand im Rennen gelegen. Aber sowohl McIlroy als auch Woods waren schon nach wenigen Löchern am Sonntag nur noch Randfiguren. Woods belegte nach einer schwachen Schlussrunde von 72 Schlägen am Ende den geteilten achten Rang, McIlroy fiel gar nach 74 Schlägen am Sonntag auf den geteilten zehnten Rang zurück. Beide wurden als Zweiter und Dritter der Saisonwertung dennoch fürstlich entlohnt: drei Millionen Dollar für den 23-jährigen Nordiren und zwei Millionen für den 13 Jahre älteren Amerikaner.

Aber der alte und der neue Publikumsliebling standen an diesem Sonntag im Schatten eines Mannes, dem bisher das Stigma anhaftete, nur als Jäger, aber nicht als Gejagter gewinnen zu können. Seine drei Siege auf der PGA Tour hatte er gefeiert, als er mit fünf, sechs und sieben Schlägen Rückstand auf die Schlussrunde gegangen war. Bei der British Open im Juli hatte Snedeker bei Halbzeit geführt, musste sich damals aber mit Platz drei zufrieden geben. „Ich bin unter Druck viel besser, als ich es mir bisher zugebilligt habe“, sagte Snedeker.

Die Zeit mangelnden Selbstvertrauens ist seit Sonntag vorbei: „Dieser Sieg bestätigt, was ich schon wusste: Wenn ich mein bestes Golf spiele, ist es eines der besten der Welt.“ Die Weltrangliste sieht es genauso: Sie führt Snedeker erstmals in seiner Karriere unter den Top Ten – er kletterte von Platz achtzehn auf Position zehn.

Wildcard für den Ryder Cup

Von Freitag bis Sonntag dieser Woche steht für den Großverdiener noch eine Premiere an. Dank einer Wildcard des amerikanischen Kapitäns Davis Love III spielt er erstmals im Ryder Cup in Medinah nahe Chicago gegen die Europa-Auswahl mit. Während Snedeker mit breitem Rücken zum spektakulärsten Golf-Ereignis der Welt reist, war die Ausbeute der fünf europäischen Ryder-Cup-Spieler, die sich für die Tour Championship qualifiziert hatten, durchwachsen. Der Engländer Rose, der nach drei Runden gemeinsam mit Snedeker das Feld angeführt hatte, war mit 71 Schlägen im direkten Wettstreit gegen Snedeker (68) chancenlos.

Rose gelang aber mit Platz zwei ein Achtungserfolg. Sein Landsmann Luke Donald verbesserte sich am Schlusstag mit einer Runde von 67 Schlägen noch auf den dritten Platz, den er sich mit dem Amerikaner Ryan Moore teilte. McIlroy, der die letzten beiden Play-off-Turniere und drei seiner letzten vier Turniere gewonnen hatte, wirkte am Sonntag müde und traf mit seinen Abschlägen wie Woods kaum ein Fairway. Der Spanier Sergio García landete auf dem geteilten 15. Platz. Dagegen sorgte der englische Weltranglistenvierte Lee Westwood für eine bittere Enttäuschung: Er belegte den letzten Platz im nur dreißig Profis starken Feld.

Für McIlroy war das Turnier dennoch der ideale Appetithappen für das größte Spektakel im Golf. „Fast alle, die beim Ryder Cup mitspielen, waren in den letzten Wochen in der Spitzengruppe. Sie haben gewonnen oder um den Sieg mitgespielt. Ich hoffe nur, dass alle für diese Woche frisch sind.“ Zumindest Martin Kaymer kam am Montag ausgeruht nach Medinah. Er hatte in der Woche zuvor pausiert.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Lesermeinungen zu diesem Artikel (2)
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1948, Sportredakteur.

Jüngste Beiträge

Jubiläumsgeschenk als Verpflichtung

Von Daniel Meuren

Die Jubiläums-Saison ist vorbei. Das Geschenk für 50 Jahre Bundesliga gibt es aber erst in Wembley. Nun muss die Liga ihr gewachsenes Ansehen nutzen, um auf die Chancengleichheit zu achten. Mehr 1

Ergebnisse, Tabellen und Statistik