Freddie Couples ist mittlerweile 52 Jahre alt. Er verdient normalerweise spielend seinen Lebensunterhalt auf der Champions Tours für Golfprofis, die das 50. Lebensjahr vollendet haben. Noch vor zwei Wochen gewann er auf dieser Turnierserie für die „Best Agers“ ein Turnier, auf der regulären PGA Tour liegt Couples 15. und letzter Sieg allerdings schon neun Jahre zurück (Shell Houston Open). Doch wenn der Masters-Champion von 1992 nach Augusta kommt, dann fühlt er sich wie einem Jungbrunnen entstiegen. Vergessen, dass man in diesem Alter auf einem 6800 Meter langen Golfplatz eigentlich gegen die jungen Männer als chancenlos gilt.
Bei Halbzeit des 76. Masters führt der Altmeister das Feld gemeinsam seinem 35 Jahre alten Landsmann Jason Dufner an, der im Vorjahr erst im Stechen der PGA Championship seinem Landsmann Keegan Bradley unterlegen war. Die beiden weisen mit 139 Schlägen (5 unter Par) einen Schlag Vorsprung vor einer Fünfergruppe auf. Zu dieser Gruppe gehören der Nordire Rory McIlroy und der Engländer Lee Westwood, die Nummern zwei und drei der Weltrangliste. Zu diesen hoch gehandelten Favoriten gesellen sich der Spanier Sergio Garcia, der Amerikaner Bubba Watson und der Südafrikaner Louis Oosthuizen, der British-Open-Sieger von 2010.
Viele Chancen auf dem Grün vergeben
„Wenn ich in Augusta ankomme, fühle ich mich wieder jung“, sagte Couples, der schon vor zwei Jahren nach der ersten Runde an der Spitze gelegen hatte und am Ende beim dritten Sieg von Phil Mickelson auf Platz sechs gelandet war. „Ich kann das Turnier gewinnen“, behauptet der Publikumsliebling, der ob seines so mühelos wirkenden Golfschwungs bewundert wird. Auch Mickelson meldete sich zurück. Nach 74 Schlägen zum Auftakt verbessert er sich auf 68 Schläge und liegt auf Rang elf mit drei Schlägen Rückstand in Lauerstellung.
Auch Tiger Woods behauptete, er könne das erste Major des Jahres noch gewinnen, aber seine Ausgangsposition ist viel schlechter. Er liegt wie Martin Kaymer mit acht Schlägen Rückstand auf dem 40. Platz. Der Deutsche und der Amerikaner, in der Weltrangliste auf den Plätzen sechs und sieben Nachbarn, spielten beide Runden von 72 und 75 Schlägen, zwei Runden, die außer dem Endergebnis wenig gemeinsam hatten. Der Rheinländer spielte vom Abschlag bis Grün brillant, traf 16 von 18 Grüns, brachte sich aber auf den den letzten Metern um den verdienten Lohn: Sechs Mal benötigte er drei Putts – eine Todsünde im Profigolf. „Ich habe extrem gut gespielt, aber viele Chancen auf den Grüns vergeben. Das ist extrem frustrierend“, sagte Kaymer. Deshalb fiel die Freude im fünften Versuch erstmals beim Masters den Cut geschafft zu haben, auch verhalten aus.
Tiger Woods dagegen gab sich kämpferisch: „Ich muss am Samstag nur meinen Rückstand mit einer guten Runde verringern und dann man Sonntag einen Blitzstart hinlegen – und dann mal sehen, wo ich dann liege. Hier haben schon Leute gewonnen, die mit sechs Schlägen Rückstand auf die letzten neun Löcher gegangen sind.“ Nach den Eindrücken vom Freitag scheint dieses Szenario unwahrscheinlich. Woods streute bei den langen Schlägen gewaltig und auch auf den Grüns schob er viele Putts aus kurzer Entfernung vorbei – ein Schicksal, das er mit Kaymer und Bernhard Langer teilte.
Langer, der Masters-Champion von 1985 und 1993, hatte zuletzt 2005 den Cut überstanden. Diese Durststrecke geht weiter. Der 54-jährige Altmeister, der sich auf der Champions Tour mit Couples viele erbitterte Duell lieferte, brach nach einem guten Auftakt von 72 Schlägen am Freitag ein. Nach 80 Schlägen ist das Turnier für ihn beendet. „Ich habe einfach keinen Putt ins Loch bekommen“, klagte Langer.