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Golf-Masters in Augusta : Willett gelingt die Sensation

  • -Aktualisiert am

„Vor zwölf Tagen bin ich Vater geworden und jetzt Masters-Sieger, einfach unglaublich“: Danny Willett. Bild: AFP

Danny Willett gewinnt völlig überraschend das Golf-Masters in Augusta. Doch der Sieg wird überstrahlt von einem der dramatischsten Einbrüche in der langen Geschichte des Turniers.

          Danny Willett im grünen Sieger-Jackett – das fühlte sich nicht nur für den Überraschungssieger aus Sheffield surreal und verrückt an. Der 28 Jahre alte Golfprofi gewann am Sonntag mit einer glänzenden bogeyfreien Schlussrunde von 67 Schlägen, der besten des gesamten Wochenendes, das 80. Masters in Augusta. Doch das eindrucksvolle Finale, das dem Weltranglistenzwölften am Schlusstag mit drei Birdies auf seinen letzten sechs Löchern gelang, wurde überstrahlt von einem der größten Einbrüche in der langen Geschichte des Turniers.

          Titelverteidiger Jordan Spieth, der vom ersten Tag an angeführt hatte, hatte nach den ersten neun Löchern der Schlussrunde und nach vier Birdies auf den Löchern sechs bis neun schon wie der sichere Sieger ausgesehen. Fünf Schläge Vorsprung vor Willett schienen für die zweiten neun Löcher ein sicheres Polster. Aber auf dem Platz in Augusta kann alles passieren, besonders am berühmt-berüchtigten Amen Corner, wo die drei Spielbahnen zusammenlaufen, die schon so oft über Sieg und Niederlage entschieden haben.

          Nach zwei Bogeys auf den Löcher 10 und 11 versenkte der 22 Jahre alte Texaner Spieth den Ball nach dem Abschlag am 12. Loch, mit 139 Meter das kürzeste des gesamten Platzes, in Rae’s Creek, dem kleinen Bach vor dem Grün. Dieses Missgeschick passiert ihm noch einmal von der sogenannten Drop Zone, aus rund 60 Metern. Nach sieben Schlägen, einem Quadruple-Bogey, war die Führung dahin – und der Weg für Willett zu seinem ersten Erfolg bei einem der vier Saisonhöhepunkte war frei. Willett benötigte für die vier Runden 283 (70+74+72+67) Schläge und kassierte dafür 1,8 Millionen Dollar Preisgeld. Der Weltranglistenzweite Jordan Spieth (286/66+74+73+73) teilte sich den zweiten Platz mit dem 42 Jahre alten Engländer Lee Westwood (286/71+75+71+69).

          Spieth, der traditionell seinem Nachfolger als Masters-Sieger in das begehrteste Kleidungsstück im Golf helfen musste, wirkte bei der Siegerehrung in der Butler Cabin noch immer geschockt: „Ich habe noch nie so eine grausame Zeremonie über mich ergehen lassen müssen“, sagte der Profi aus Dallas, „diese Niederlage wird noch lange schmerzen. Es wird ein paar Tage oder Wochen dauern, ehe ich darüber hinweg bin.“

          Jordan Spieth (links) wird von seinem Caddie Michael Greller getröstet. Bilderstrecke

          Willett dagegen konnte sein Glück kaum fassen. Er ist nach Sir Nick Faldo (1989, 1990 und 1996) erst der zweite Engländer in der Siegerliste des Turniers und beendete die lange Durststrecke der Europäer, die seit 1999, als der Spanier José-Maria Olazabal gewann, leer ausgegangen waren.. „In den letzten Tagen hat sich mein Leben gleich zwei Mal total verändert: Vor zwölf Tagen bin ich Vater geworden und jetzt Masters-Sieger, einfach unglaublich“, sagte Willett.

          Wie hart der hügelige Platz alle bestraft, die nicht ihren besten Tag erwischen, erlebte auch Bernhard Langer. „Wenn man nur einen halben Meter zu kurz oder lang ist, kann das schon Desaster bedeuten“, sagte der 58 Jahre alte Routinier. Mit nur zwei Schlägen Rückstand auf den Spitzenreiter Spieth war Langer als Dritter auf die letzten 18 Löcher gegangen, aber schon nach den ersten drei Spielbahnen war er aus dem Rennen: ein Bogey am ersten Loch, ein Doppelbogey am dritten Loch warfen ihn aus der Bahn.

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          „Dabei habe ich bis dahin keinen schlechten Schlag gemacht, immer nur die falsche Stelle auf dem Grün getroffen“, klagte der Masters-Champion von 1985 und 1993. Danach fehlte dem Altmeister bei den Abschlägen die Präzision und auf den Grüns brachte er den Ball nicht ins Loch – und das an einem fast perfekten Tag für Golf, an dem bei 16 Grad nur noch ein laues Lüftchen wehte und es nicht mehr wie an den ersten drei Tagen stürmte. Mit 79 Schlagen fiel Langer auf den geteilten 24. Platz (294/72+74+73+79 Schläge) zurück.

          Wenigstens am letzten Tag gelang Martin Kaymer mit 72 Schlägen eine ordentliche Runde, aber es reichte nicht um sich entscheidend zu verbessern. Er belegte mit 300 (74+75+79+72) Schlägen unter den 57 Spielern (55 Profis und zwei Amateure), die den Cut geschafft hatten, den geteilten 48. Platz.

          Siegerliste des Masters seit 2000

          2000 Vijay Singh (Fidschi)

          2001 Tiger Woods (USA)

          2002 Tiger Woods (USA)

          2003 Mike Weir (Kanada)

          2004 Phil Mickelson (USA)

          2005 Tiger Woods (USA)

          2006 Phil Mickelson (USA)

          2007 Zach Johnson (USA)

          2008 Trevor Immelman (Südafrika)

          2009 Ángel Cabrera (Argentinien)

          2010 Phil Mickelson (USA)

          2011 Charl Schwartzel (Südafrika)

          2012 Bubba Watson (USA)

          2013 Adam Scott (Australien)

          2014 Bubba Watson (USA)

          2015 Jordan Spieth (USA)

          2016 Danny Willett (England)

          Bernhard Langer (Anhausen) gewann das Major-Turnier 1985 und 1993 als einziger deutscher Golfer. (dpa)

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