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PGA Championship : Spieth und die Chance seines Lebens

  • -Aktualisiert am

Hoffen auf den „großen Schlag“: Jordan Spieth. Bild: AFP

Schafft er es oder schafft er es nicht? Bei der 99. PGA Championship dreht sich alles nur um Jordan Spieth. Dem Golf-Profi bietet sich eine einmalige Möglichkeit.

          Auf Jordan Spieth lastet von Donnerstag bis Sonntag bei der 99. PGA Championship ein ganz besonderer Druck, einer, dem bisher nur fünf Golfprofis standhielten: Gene Sarazen, Ben Hogan, Jack Nicklaus, Gary Player und Tiger Woods – fünf Legenden des Spiels, die im Laufe ihrer Karriere nach Erfolgen bei drei der vier modernen Majors (Masters, British und US Open, PGA Championship) den „großen Schlag“ mit dem vierten Triumph vollendeten. Wie schwer dieser sogenannte Karriere-Grand-Slam zu schaffen ist, zeigt eine weitere Zahl: Bisher gewannen überhaupt nur 13 Profis drei der vier Majors.

          Dem 24 Jahre alten Texaner bietet sich die Gelegenheit, sich mit einem Sieg im Quail Hollow Country Club in Charlotte (North Carolina) in den exklusivsten Kreis im Golf einzureihen – und mehr noch: Spieth könnte dieser seltene Coup als bisher Jüngstem gelingen, damit würde er Woods aus den Rekordbüchern verdrängen. Sollte der Weltranglistenzweite aus Dallas am Sonntag die Wannamaker Trophy hochhalten, wäre er mit 24 Jahren und 17 Tagen rund ein halbes Jahr jünger als Woods, der bei der British Open in St. Andrews (Schottland) im Jahre 2000 seine Trophäen-Sammlung komplettiert hatte.

          Eine Chance also, die sich Spieth nur einmal im Leben bietet. Und natürlich drehte sich, bevor die drei Major-Champions dieses Jahres, neben Spieth noch der spanische Masters-Sieger Sergio Garcia und der amerikanische US-Open-Gewinner Brooks Koepka, gemeinsam auf die ersten beiden Runden gingen, alles nur um diese eine Frage: Schafft es Spieth? Immer wieder wurde Spieth mit diesem beherrschenden Thema gelöchert – und er wehrte alle ab, die ihn nach seinem Triumph bei der British Open vor drei Wochen in Charlotte unter Zugzwang sehen: „Ich muss nicht der Jüngste sein. Wenn es passiert, ist es schön. Wenn nicht, auch nicht schlimm. Ich will mindestens einmal alle vier Majors gewinnen, das ist mein großes Ziel als Profi. Aber wenn ich gesund bleibe, habe ich noch etwa weitere dreißig Chancen auf den Karriere-Grand-Slam.“

          Rein rechnerisch mag es stimmen, doch ein Blick auf die Geschichte zeigt: Je schneller man nach Erfolg Nummer drei das Quartett vollmacht, umso größer sind die Chancen. Keiner aus diesem exklusiven Zirkel benötigte mehr als drei Anläufe, um dieses Ziel zu erreichen. Sarazen, Hogan und Woods schafften es gar auf Anhieb. Besonders eindrucksvoll war die Vorstellung von Woods. Nur 56 Tage nachdem er bei der US Open die Konkurrenz mit 15 Schlägen Vorsprung weit hinter sich gelassen hatte, dominierte der langjährige Primus im Jahr 2000 auch in St. Andrews.

          Er benötigte acht Schläge weniger als sein nächster Verfolger. Von solcher Dominanz ist Spieth ein ganzes Stück entfernt, auch wenn sein Erfolg im Royal Birkdale Golf Club nach einer wahren Achterbahnfahrt nicht minder eindrucksvoll war. „Das Wichtigste ist, dass man in Form ist. Und das bin ich“, behauptet Spieth. Beim letzten Turnier der World Golf Championship (WGC) in Akron (Ohio) hatte er beim souveränen Erfolg des Japaners Hideki Matsuyama in der vorigen Woche den 13. Platz belegt, für den Amerikaner eine gelungene Generalprobe.

          Wie schwer es ist, den Karriere-Grand-Slam zu erringen, davon kann vor allem Phil Mickelson ein Lied singen. Der 47 Jahre alte Amerikaner, der wie der Südafrikaner Ernie Els in dieser Woche sein 100. Major bestreitet, fehlt nur noch der Erfolg bei der US Open, doch mehr als sechs zweite Plätze sprangen für den Publikumsliebling nicht heraus – und die Chance, als bisher Ältester zu gewinnen, schwindet mit zunehmendem Lebensalter. Ihm droht das Schicksal eines „Unvollendeten“ – Spieler, die wie der große Arnold Palmer, Tom Watson, Sam Snead, Byron Nelson, Lee Trevino und Raymond Floyd immer wieder an der letzten Hürde scheiterten.

          Alle Augen – und Smartphones – sind auf den Texaner gerichtet.
          Alle Augen – und Smartphones – sind auf den Texaner gerichtet. : Bild: AFP

          Wie diesen Größen der Vergangenheit fehlt von den derzeit noch aktiven Profis neben Spieth und Mickelson nur noch Rory McIlroy der letzte Mosaikstein. „Ich hatte nach dem Sieg bei der PGA Championship 2014 acht Monate Zeit, bis zum Masters über den Karriere-Grand-Slam nachzudenken“, erinnert sich der 28 Jahre alte Nordire, „das war vielleicht zu lang, es geht einem ständig durch den Kopf.“ Weder 2015 noch in den vergangenen beiden Jahren mischte McIlroy beim Kampf um das grüne Jackett mit.

          Im Quail Hollow Country Club gilt McIlroy neben Spieth als der große Favorit, auch wenn er in diesem Jahr im Gegensatz zu dem Amerikaner, der bereits drei Siege holte, noch auf den ersten Erfolg wartet. Auf diesem Platz gewann McIlroy als 22 Jahre alter Jungspund mit einer Platzrekordrunde von 62 Schlägen sein erstes Turnier auf der PGA Tour, drückte den Platzrekord bei seinem zweiten Erfolg in Charlotte im Jahre 2015 auf 61 Schläge. Doch McIlroy favorisiert den British-Open-Champion, zumal der Platz stark verändert wurde: „Jordan reitet derzeit auf einer Erfolgswelle“, sagt McIlroy. Mal sehen, wie weit sie ihn trägt.

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          Quelle: F.A.Z.

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