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Golf-Glosse Keine Lust auf Hawaii

 ·  Freie Kost und Logis auf Hawaii und die Aussicht auf ein üppiges Preisgeld? Die erfolgreichsten Golfprofis verzichten dennoch freiwillig auf das Turnier auf der Trauminsel. Das geringe Interesse der Stars zeigt zweierlei.

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© AFP Martin Kaymer ruht sich lieber zuhause aus als auf Hawaii um eine große Summe zu spielen

Angenommen Sie wären Freiberufler und hätten eine Einladung, bei freier Kost und Logis ihrem Job auf der Hawaii-Insel Maui nachzugehen und könnten dazu auch noch Ehefrau oder Lebensgefährtin samt Kindern in ein Luxus-Resort kostenfrei mitnehmen; auch der Lohn für eine Woche Mühe scheint mehr als angemessen: mindestens 59.000 Dollar (46.200 Euro), und wenn Sie Ihre Arbeit besser erledigen als die wenigen anderen Eingeladenen kann der Ertrag sogar auf 1,12 Millionen Dollar oder 780.000 Euro steigen. Sie würden das Angebot annehmen?

Die vier besten Golfer der Welt, Luke Donald, Lee Westwood (beide England), der US-Open-Sieger Rory McIlroy (Nordirland) und der Deutsche Martin Kaymer lehnten dankend ab. Auch zwei weitere Major-Sieger, der südafrikanische Masters-Champion Charl Schwartzel und der nordirische British-Open-Gewinner Darren Clarke verspürten keine Lust auf die Reise auf das Eiland im Pazifik.

Insgesamt glänzen elf der 39 durch einen Turniersieg auf der PGA Tour qualifizierten Profis (darunter drei, die nach Verletzungen und Operationen noch nicht wieder fit sind) durch Abwesenheit. Dem Tournament of Champions, das, um am Finaltag den Play-offs der Football-Liga NFL aus dem Weg zu gehen, von Freitag bis Montag ausgetragen wird, fehlen damit nicht nur die großen Namen; sondern dort versammelt sich mit nur 28 Spielern auch das kleinste Feld der Turniergeschichte im Kapalua Resort.

Das geringe Interesse der Stars zeigt zweierlei. Einmal: Der traditionelle Auftakt der PGA Tour verliert von Jahr zu Jahr mehr an Reiz. Die großen Zugnummern im amerikanischen Golf zeigen dem Turnier schon seit vielen Jahren die kalte Schulter. Phil Mickelson hat seit 2001 nicht mehr teilgenommen, Tiger Woods, der in diesem Jahr nicht qualifiziert ist, trat letztmals 2005 an.

Für die Stars beginnt das Golfjahr in Abu Dhabi

Zum zweiten: Auch die Saison im Golf ist mittlerweile viel zu lang. Viele Spitzenspieler beendeten sie erst kurz vor Weihnachten. Nach der Tingelei legten sie erst einmal die Schläger für ein paar Wochen Urlaub zur Seite, ehe sie sich in Ruhe auf die neue Saison vorbereiten. Für Donald, Westwood, McIlroy, Kaymer und auch für Woods, der angeblich mit drei Millionen Dollar Antrittsgeld in die Wüste gelockt wird, beginnt das neue Golfjahr erst Ende Januar in Abu Dhabi.

Die Geschichte vom Verfall eines einst bei den Spielern als Verlängerung des Weihnachtsurlaubs und als Belohnung für Erfolge im vergangenen Jahr geschätzten Turniers vermittelt uns noch etwas anderes: Erfolgreiche und millionenschwere Golfprofis leben in einer anderen Welt. Im Gegensatz zu unsereins können sie es sich locker leisten, auf leicht verdientes Geld und Einladungen auf Trauminseln zu verzichten.

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Jahrgang 1948, Sportredakteur.

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