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Golden League Diamanten statt Gold

04.09.2009 ·  Ein Trio hat den Jackpot der Golden League der Leichtathleten geknackt und darf sich die Dollar-Million teilen: Jelena Isinbajewa, Sanya Richards und Kenenisa Bekele gewannen auch in Brüssel. Vor allem für Isinbajewa ist das ein Trost für die WM-Pleite.

Von Christiane Moravetz, Brüssel
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Was für ein wunderbares Gefühl muss das sein: ein Scheck über eine Drittel Million Dollar in der Tasche der Trainingshose. Sanya Richards macht dieses Gefühl fröhlich, obwohl sie eigentlich viel zu müde ist, um noch groß an die Party zu denken, die ein Witzbold im Bus zum Hotel fordert. „Okay“, sagt sie gut gelaunt, „alle Getränke auf mich.“ In dieser Hochstimmung hat sie auch nicht den fragenden, bittenden Blicken vor dem Fenster widerstehen können, ist drei-, viermal noch ausgestiegen und hat sich mit Kindern im Arm den fotografierenden Eltern präsentiert. Die 400-Meter-Läuferin weiß: Noch eine Woche muss sie aushalten, noch einmal Rummel und Rennen beim Weltfinale der Leichtathleten in Thessaloniki, dann ist Schluss, Pause. Im Winter wird sie nicht starten, da hat Sanya Richards Besseres vor. Im Februar will sie heiraten, „das ist meine Hallen-Veranstaltung“.

Zum dritten Mal hat die Amerikanerin am Ende einer Saison das große Geld kassiert, zum dritten Mal in ihrer Karriere hat sie Anteil am Jackpot von einer Million Dollar. Sie ist damit Spitzenreiterin in der „ewigen“ Bestenliste der Golden League, ebenfalls dreimal ist das vor ihr nur dem marokkanischen 1500-Meter-Läufer Hicham El Guerrouj gelungen. Jedes 400-Meter-Rennen bei den sechs Meetings der Serie hat die Weltmeisterin gewonnen, beim letzten, in Brüssel am Freitagabend war sie in 48,83 Sekunden trotz der Kälte schneller als bei ihrem Titelgewinn in Berlin.

Bekeles Müdigkeit

Die Million muss sie sich teilen mit dem König der Langstrecken, dem Äthiopier Kenensia Bekele, und der Stabhochspringerin Jelena Isinbajewa. Beide haben, wie Sanya Richards, schon viel Geld verdient mit ihrem Sport, und doch erzählen sie davon, wie verlockend dieses Ziel Jackpot war, wie sehr es sie angestachelt hat zu den Leistungen, die der Körper eigentlich gar nicht mehr bringen will. „Sehr, sehr müde“ sei auch er, sagt Bekele nach dem 5000-Meter-Rennen, in dem ihm die Konkurrenz erstaunlich viel abverlangt; nur gut drei Zehntelsekunden Vorsprung hat er nach 12:55,31 Minuten und dem Zielsprint gegen seinen Landsmann Merga.

Die Weltmeisterschaft mit dem doppelten Triumph über 5000 und 10.000 Meter, die Meetings davor und danach: „Das war einfach zu viel in einem Monat“. Aber was tut man nicht alles für die Aussicht auf die Million - und für ein sattes Antrittsgeld zusätzlich. Da läuft ein Kenenisa Bekele als Training einfach rund ums Hotel mitten in Brüssel, da lässt er dutzendfach die gleichen Fragen über sich ergehen, und er tut für die Fotografen auch schon mal so, als nähme er vergoldete Pappe - die Attrappe der Goldbarren - für bare Münze. Er bleibt freundlich, auch wenn wieder einmal jemand wissen will, wie er es verkrafte, dass ihm der Jamaikaner Usain Bolt - der in Brüssel mal eben die 200 Meter in 19, 57 Sekunden lief, der viertbesten, jemals erzielten Zeit - regelmäßig die Show stehle. Und er lässt mit anscheinend stoischer Ruhe die beiden Frauen auf dem Podium der Sieger neben sich reden und reden und reden.

Bekele, an dessen Gesicht so wenig von seinen Gemütsregungen abzulesen ist, hat zum ersten Mal einen Teil dieses Jackpots gewonnen, Jelena Isinbajewa zum zweiten. Vor zwei Jahren musste sie ebenfalls mit Sanya Richards teilen, damals räumte sie immerhin die Hälfte ab. Diesmal habe er für sie eine noch größere Bedeutung, sagte die Russin, die in Brüssel nur einen Sprung über 4,70 Meter benötigte, um große Kasse zu machen. Sogar das Drama von Berlin sei damit wettgemacht, die Niederlage bei den Weltmeisterschaften, als sie ohne gültigen Versuch ausschied. Sie wisse in der Zwischenzeit, dass sie eben nicht in höheren Sphären schwebe, „irgendwo am Himmel“, sondern auf dem Boden der Tatsachen lebe, und gerade deshalb sei dieser Ansporn so wichtig gewesen. „Es ist ein gutes Gefühl, dass der Jackpot diesmal besonders ist“, sagt sie, „es ist mein zweiter und definitiv letzter.“

Für den guten Zweck

Denn die Golden League wird nach elf Jahren eingestellt, im nächsten Jahr folgt die Diamond League. Statt sechs Meetings in Europa kommen dann 32 Veranstaltungen rund um den Globus in die Wertung, jede ist mit gut 400 000 Dollar dotiert, für Sieger und Plazierte gibt es Punkte. Der Sieger der Gesamtwertung seiner Disziplin bekommt am Saisonende einen Diamanten, und der ist „nur“ 80 000 Dollar wert.

Den werden sie zu Geld machen müssen, sollten die drei von Brüssel dann wieder Sieger sein und ähnliches vorhaben wie in diesem Jahr. Bekele will nämlich unter anderem „einen Freund bedenken“. Jelena Isinbajewa, die von sich sagt, sie habe keine Ahnung von Geschäften und vertraue deshalb ihr Management, wird mit der Hälfte des Preises den Waisenkindern in ihrer Heimatstadt Wolgograd - die sie allerdings bestenfalls dreimal im Jahr besucht - eine Freude machen: „Jedes Kind bekommt ein Geschenk, jedes einzelne dieser Babys kann haben, was es will.“

Sanya Richards wird doch noch die rauschende Party damit veranstalten: „Ich nehme es für meine Hochzeit“, sagt sie, „die wird dann noch ein bisschen glamouröser“. Und das gibt ihr bestimmt wieder ein gutes Gefühl.

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