31.05.2009 · Hundert Jahre ist der Giro d'Italia in diesem Jahr alt geworden. An diesem Sonntag entscheidet sich nun, wer die Jubiläumsausgabe gewinnt. Wer immer die Siegerküsschen bekommt, er wird - wieder einmal - der falsche Triumphator sein.
Von Michael EderEs geht rund in Italien. Hundert Jahre ist der Giro d'Italia alt geworden, und dem Anlass entsprechend wird seit drei Wochen geradelt und geklettert, was Waden und Lungen hergeben. Wer gewinnt, entscheidet sich an diesem Sonntag bei einem Einzelzeitfahren in Rom. Wahrscheinlich wird es der Russe Denis Mentschow sein.
Und wenn nicht er, dann wohl einer der italienischen Heroen Danilo Di Luca oder Ivan Basso – wahlweise der Amerikaner Levi Leipheimer oder der Spanier Carlos Sastre. Das ist eine großartige Auswahl. Wer immer die Siegerküsschen bekommt, er wird – wieder einmal – der falsche Triumphator sein, keiner, der dem Radsport ein wenig Glaubwürdigkeit zurückgeben könnte.
Mentschow: steht im Verdacht, zu den Kunden der Wiener Blutbank gezählt zu haben. Di Luca: wurde 2007 für sechs Monate gesperrt, pflegte Kontakte zum Sportmediziner Carlo Santuccione, der als Vertrauter des spanischen Doping-Arztes Eufemiano Fuentes gilt. Basso: Zweijahressperre wegen (angeblich nur versuchten) Dopings, die im Oktober 2008 abgelaufen ist.
Leipheimer: Mitglied der berüchtigten Astana-Mannschaft, im Verdacht, mit „Dottore Epo“, dem Italiener Michele Ferrari, zusammengearbeitet zu haben – wie sein aktueller Mannschaftskamerad Lance Armstrong, der den Giro als Vorbereitung für die Tour de France nutzt. Sastre: Tour-Sieger, groß geworden im Once-Team des skrupellosen Dopers Manolo Saiz und später bei CSC, einer weiteren hochverdächtigen Adresse. Man sieht: Die Alten geben den Ton an bei diesem Giro – man könnte auch sagen: die Altlasten.