Wirklich schöne Zeiten für den Radsport, für den Giro d’Italia vor allem, wo es kunterbunt zugeht. Es hat sich ein abwechslungsreiches, ein spannendes Rennen entwickelt, nur heißblütige italienische Fans mögen daran vielleicht keinen allzu großen Gefallen finden. Schließlich bläst ihren Stars, Ivan Basso oder Michele Scarponi, der Wind kräftig ins Gesicht. Das heißt: Sie haben harte Konkurrenz, die ihnen letztlich vielleicht sogar ganz die Schau stehlen wird. Basso und Scarponi strampeln jedenfalls schon ein bisschen hinterher.
Mit Joaquim Rodriguez als ernstzunehmendem Widersacher hatten sie ja rechnen müssen, der Mann stammt schließlich aus Spanien, einer traditionellen Hochburg des Radsports. Aber dass ein Kanadier zu einer Gefahr werden würde? Ein Radrennfahrer aus einem Land, dessen Helden sich vorwiegend auf Eis und Schnee bewegen? Doch plötzlich war er da: Ryder Hesjedal, der große Favoritenschreck aus Übersee mit der Trikotnummer 95. Eroberte zwischendurch schon mal das Rosa Trikot, als erster Kanadier überhaupt, gilt jetzt auch als möglicher Sieger der 95. Italien-Rundfahrt. Weil er sich als schrecklich zäh entpuppt hat, zumindest aus der Sicht seiner namhaften Gegner. „Man wird ihn einfach nicht los“, lamentieren Basso und Co.
Man könnte nun auf die Idee kommen, dem Profiradsport einfach zu gratulieren. Wieder offener und fairer geworden - zum Glück. Außenseiter können es mit den Arrivierten aufnehmen - eine saubere Sache. Fortschritte also auf der ganzen Linie? Dank Hesjedal als Galionsfigur einer neuen Bewegung? Gemach allerdings! Und nicht gleich romantischen Vorstellungen verfallen. Ohne die jüngsten Leistungen des gereiften kanadischen Aufsteigers vom amerikanischen Rennstall Barracuda-Garmin in irgendeiner Form schmälern zu wollen: Eine allgemeine Trendwende in der Branche daraus abzuleiten wäre voreilig.
Hesjedal hatte sich bisher zwar nicht als Gewinnertyp auf der Straße hervorgetan, allerdings ist er - 31 Jahre alt - schon einige Zeit im Geschäft. Mit Erfahrungen auch als Mountainbiker, was keinesfalls schaden kann, wie das Beispiel Cadel Evans zeigt. Der Australier hatte sich einst ebenfalls auf dem Rad durch das Gelände geschlagen - und gewann im Vorjahr die Tour de France. Alles in allem verfügt Hesjedal, beim Giro jetzt in später Blüte, doch über eine Menge Knowhow und Routine; er wird inzwischen genau wissen, wie er als Athlet mit seinem Körper umzugehen hat. Und er hatte sich ja auch, als er 2004 seine Straßenkarriere begann, sofort in einer in vielerlei Hinsicht hochprofessionellen Umgebung befunden: Hesjedal stieg beim US-Postal-Team ein, der Equipe des Texaners Lance Armstrong. Hätte es einen besseren Lehrmeister geben können?
Gesamtwertung, nach der 18. Etappe:
1. Joaquin Rodriguez (Spanien) - Katusha 77:47:38 Std.;
2. Ryder Hesjedal (Kanada) - Garmin-Barracuda + 0:30 Min.;
3. Ivan Basso (Italien) - Liquigas-Cannondale + 1:22;
4. Michele Scarponi (Italien) - Lampre-ISD + 1:36;
5. Rigoberto Urán (Kolumbien) - Sky + 2:56;
6. Benat Intxausti Elorriaga (Spanien) - Movistar + 3:04;
7. Domenico Pozzovivo (Italien) - Colnago-CSF Inox + 3:19;
8. Paolo Tiralongo (Italien) - Astana + 4:13
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53. Grischa Niermann (Hannover) - Rabobank + 1:19:31 Std.;
160. Timon Seubert (Kelmis/Belgien) - NetApp + 3:42:03;
162. Andreas Schillinger (Amberg) - NetApp + 3:46:42