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Gewichthebertrainer Frank Mantek Die vergessenen Jahre

 ·  Frank Mantek ist der Trainer von Olympiasieger Matthias Steiner. Als aktiver Gewichtheber nahm er in der DDR ungeheuerliche Mengen Anabolika zu sich. Mit 36 erlitt er einen Herzinfarkt. Seinem Trainer von damals ist er trotzdem dankbar - für dessen großen Anteil an Manteks „Persönlichkeitsentwicklung“.

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Die Bilder gehören zur kollektiven deutschen Erinnerung: Zwei dicke Männer sausen wie Kanonenkugeln über die Gewichtheberbühne von Peking, wie von einem Freudenkatapult abgeschossen, hin und her, aneinander vorbei, dann treffen sie in der Mitte zusammen und umarmen einander. Sie sind außer sich, etwas scheint aufgesprungen zu sein, was sie vorher umschloss. Der eine, der Mann im schwarz-rot-goldenen Trikot, ist der Gewichtheber Matthias Steiner. Der andere ist Frank Mantek, sein Trainer und Mentor. Es ist der Abend des 19. August 2008. Steiner hat gerade durch eine übermenschlich scheinende Leistung die olympische Goldmedaille im Superschwergewicht gewonnen. Mantek hat ihn dorthin geführt.

Lang ist das schon wieder her. Nun haben wir Juni 2009, ein sonniger Mittag. Steiner ist irgendwo unterwegs in Sachen Popularität. Mantek hingegen sitzt im Stammlokal der Gewichtheber in der Nähe des Stützpunktes Leimen, und seine Gedanken springen unaufhaltsam vor und zurück. „Das waren die schönsten Momente meines Lebens“, sagt er und deutet auf sein Laptop, auf dessen Schirm wieder einmal die Bilder von Peking ablaufen. „Ich kann nicht genug davon bekommen.“

Ungeheuerliche Mengen Oral-Turinabol

Doch hinterm Horizont geht es weiter. Im Januar ist Mantek fünfzig geworden, bis heute ist er immer Vollgas gefahren und will das auch weiter tun. Leistung ist sein Prinzip. „Erfolg ist planbar“, sagt er. Das ist sein Credo. Doch ein paar Gedankensprünge weiter wird seine Miene düster. Über seine eigenen sportlichen Erfolge nämlich redet er fast nie. Immerhin war er selbst ein internationaler Gewichtheber und hat bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau eine Bronzemedaille gewonnen. „Mir bedeutet die Leistung von damals heute gar nichts mehr“, sagt Mantek mit hilflosem Schulterzucken. „Das Thema ist mir unangenehm.“

Mantek kam einst als Junge vom Dorf ins DDR-Trainingszentrum Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz. Er bekam Pillen, die er genommen hat, ohne zu fragen. Es waren die berühmten „Blauen Bohnen“, Anabolika, der gängige DDR-Starkmacher Oral-Turinabol. Bald merkte er, was er da bekam. „Da ging die Post ab.“ Er wurde immer stärker. „Es war unheimlich, was mit meinem Körper geschah“, sagt er. „Ich habe innerhalb von vier Wochen fast das gerissen, was ich vorher gestoßen habe.“ Es habe aber, sagt Mantek, für ihn keine Alternative gegeben, außer aufhören. „Ich wollte aber Leistungssport machen.“ Und die Mittel hätten ihn seinem sportlichen Ziel nähergebracht. „Das ist wie eine Droge, die du kriegst. Du wirst deutlich stärker. Und die Kraftfähigkeit ist es, was du sehr brauchst im Gewichtheben.“ Irgendwann kriege man mit, dass es nicht nur an der Trainingsmethodik liege. „Und dann bist du Teil des Systems.“ Mantek erhielt bis zu 7600 Milligramm Oral-Turinabol jährlich, eine ungeheuerliche Menge. Er könnte das in Brigitte Berendonks Buch „Doping Dokumente“ nachlesen, in dem viele Akten des DDR-Sports aufgeschlüsselt sind, aber das will er nicht. „Als Sportler wurdest du benutzt von einem System, für das Leistungssport eine dominante Rolle gespielt hat.“ Sieben Jahre lang war Mantek Leistungssportler, von 1976 bis 1983. Jahre, die er vergessen will. „Dann habe ich mich wieder verletzt, Gott sei Dank.“

Herzinfarkt mit 36

Als 1989 die Mauer fiel, war Mantek Stellvertretender Generalsekretär des DDR-Gewichtheber-Verbandes und bekam den Auftrag, diesen abzuwickeln. Dann fing er als Bundestrainer an. „Ich war nie Trainer in der DDR“, sagt er. „Ich bin Opfer, nicht Täter.“ Mit 36 Jahren erlitt Mantek einen Herzinfarkt, an dem er hätte sterben können. „Ich gehe davon aus, dass das mit dem Doping in Zusammenhang steht.“ Seinem Trainer macht er trotzdem keine Vorwürfe. „Ich gebe der Regierung und der Sportführung der DDR die Schuld.“ Den Namen seines Trainers, der mittlerweile nicht mehr aktiv ist, nannte Mantek nicht. Er sei diesem Mann für den großen Anteil daran dankbar, was aus ihm später in seiner Persönlichkeitsentwicklung geworden sei. „Ich definiere ihn nicht über das Thema Doping.“

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