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Gewichtheben Nachlässige Kontrollen schockieren Ronny Weller

12.11.2003 ·  Alarm in der deutschen Gewichtheber-Zentrale: Ronny Weller, der Stolz der deutschen Stemmer, der in Kanada Weltmeister werden will, hat mit markanten Äußerungen zum Thema Doping für Aufsehen gesorgt.

Von Evi Simeoni
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Alarm in der deutschen Gewichtheber-Zentrale in Leimen. Ronny Weller, der Stolz der deutschen Stemmer, der Superschwergewichtler, der mit dem festen Vorhaben nach Kanada zu den Weltmeisterschaften fliegen wird, sich dort den Titel zu holen, ist in der Tageszeitung "Welt" am Mittwoch mit Äußerungen zitiert worden, die nicht nur seinem eigenen Ansehen schaden können. Das Thema ist heikel: Doping, wie fast immer, wenn die Öffentlichkeit sich dem Gewichtheben zuwendet. Über seine Konkurrenten soll Weller gesagt haben, es handele sich um Mafiosi. "Die bescheißen doch alle." Und der Welt-Antidopingagentur (Wada) soll er vorgeworfen haben, sie sei sinnlos und auch schon bestochen worden.

Weller fühlt sich hintergangen

Als Cheftrainer Frank Mantek Weller anrief und ihn mit den Zitaten konfrontierte, habe er, behauptet der Heber, seinen Ohren nicht getraut. Am Mittwoch wollte der 34 Jahre alte Silbermedaillengewinner von Sydney nicht zu den Äußerungen stehen. Er habe zweimal, am vergangenen Donnerstag und am Dienstag, um den Text des Interviews gebeten, er sei aber damit vertröstet worden, daß es erst im Verlauf der WM erscheinen werde, die am Freitag beginnt. Er fühle sich hintergangen. Die "Welt" hingegen gab gegenüber der Deutschen Presse-Agentur an, Weller habe auf Anfrage eine Autorisierung nicht für nötig gehalten.

Der Gewichtheber, der in Athen 2004 seine fünfte Olympiamedaille in Serie gewinnen will, distanziert sich vor allem von den Bemerkungen über die Wada. "Von Bestechen habe ich nichts gesagt", gibt Weller an. "Ich habe die Wada nicht angegriffen. Im Gegenteil. Als die Wada eingeführt wurde, haben wir neue Hoffnung geschöpft, daß es nun endlich Chancengleichheit auf der Heberbühne geben würde."

Allerdings hatte ein Erlebnis mit der Wada vor zwei Monaten den Gewichtheber tatsächlich schockiert. Eine Trainingskontrolle in Leimen wurde viel zu nachlässig vorgenommen; die Athleten wurden beim Abgeben der Probe nicht beobachtet, hätten also leicht manipulieren können. "Wenn das in anderen Ländern auch so gehandhabt wird", kritisiert Weller, "dann können die Athleten ja wer weiß was machen." Weller legt immer wieder zum Beweis seiner sauberen Leistungen seine Trainingskontrollen offen und zeigt bei Olympischen Spielen gewohnheitsmäßig seinen Antidoping-Paß. Verbandsarzt Bernd Dörr hat den Internationalen Gewichtheberverband schriftlich von der unkorrekten Trainingskontrolle informiert.

„Natürlich kann man nicht sagen, die bescheißen alle“

Auch die Äußerungen über seine Konkurrenten hat er, wie Weller beteuert, so pauschal nicht gemeint. "Natürlich gibt es schwarze Schafe", sagt er. "Aber natürlich kann man nicht sagen, die bescheißen alle." Auch hier hat die frustrierte Kanonade einen wahren Hintergrund. So sind von Hossein Rezazadeh, dem iranischen Olympiasieger im Superschwergewicht, der Weller auch seine Weltrekorde wegnahm, verblüffende Zahlen im Umlauf. 1998 bei den Juniorenweltmeisterschaften scheiterte dieser Mann im Stoßen an 205 Kilogramm, mit denen er im Zweikampf ein Ergebnis von 375 erreicht hätte. Ein Jahr später schaffte er bei der Weltmeisterschaft 447,5 Kilogramm im Zweikampf, wiederum ein Jahr später, bei den Olympischen Spielen, 472,5. Eine Steigerung von hundert Kilogramm in zwei Jahren ohne Dopingmittel wird in Fachkreisen für unmöglich gehalten.

Auch der Verlauf der Pressekonferenz nach dem olympischen Wettkampf in Sydney veranlaßte Weller zu Mißtrauen. Rezazadeh erschien nur widerwillig auf dem Podium und berief sich auf Allahs Hilfe beim Heben. Der Drittplazierte, der Armenier Ashot Danielyan, verließ bei der ersten Frage nach den vielen Dopingfällen des olympischen Turniers fluchtartig den Raum. Zwei Tage später wurde bekanntgegeben, daß seine Dopingprobe positiv war. "Er wurde zwei Jahre gesperrt. Und jetzt ist er wieder da - noch stärker als vorher", sagt Weller.

Im deutschen Verband ist man nach schlechten Erfahrungen dazu übergegangen, weniger das Frustrierende als die Fortschritte im Antidoping-Kampf zu betonen. Bei den Weltmeisterschaften in Vancouver werden erstmals Blutkontrollen vorgenommen. Die deutschen Athleten begrüßen solche Maßnahmen. Obwohl sie sich für sauberen Sport stark machen, gibt es allerdings auch für sie viel zu schlucken: ihren Frust, ihr Mißtrauen und die öffentlichen Zweifel auch an ihrer Leistung.

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Jahrgang 1958, Sportredakteurin.

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