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Gay Games „Wir wollen unser Land toleranter machen“

08.08.2010 ·  Der Eiskunstläufer Konstantin Yablotskiy startet bei den Gay Games in Köln. Im Interview spricht er über die Situation homosexueller Sportler in Russland.

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Wie schwierig ist es in Russland, als schwuler Eiskunstläufer Trainingszeiten auf dem Eis zu bekommen?

Bei mir geht es, weil ich Einzelläufer bin. Aber es gibt in Russland viele gleichgeschlechtliche Paare, die Eistanz oder Paarlauf üben wollen und keine Zeit bekommen. Es würde einfach nicht akzeptiert werden von den anderen Sportlern und Trainern, die zur gleichen Zeit das Eis benutzen. Wenn du als gleichgeschlechtliches Paar trainieren willst, dann ruft das überall abweisende Reaktionen hervor - besonders wenn es sich um zwei Männer handelt.

Welche Bedeutung haben die Gay Games in Köln für Sportler aus einem Land, in dem Homosexuelle ausgegrenzt und sogar unterdrückt werden?

Diese Spiele sind für uns 49 russische Sportler sehr wichtig. Das hat man schon gemerkt, als wir bei der Eröffnungsfeier ins Stadion einliefen: Wir waren zwar völlig unorganisiert, weil normalerweise jeder schwule Sportler in Russland für sich allein ist. Aber dann waren wir einfach nur froh und stolz, als wir uns vor dem Stadion trafen und unsere Flagge und das Schild mit der Aufschrift „Russia“ hineintragen konnten. Ich persönlich habe für mich realisiert, dass ich etwas tun sollte, um die Menschen in meinem Land toleranter und offener zu machen.

Haben Sie dafür Pläne?

Wir vier Männer im russischen Team haben uns entschieden, zumindest eine Art Vereinigung für schwule und lesbische Sportler zu gründen. Wir wollen unsere eigene Situation verbessern. Wir wollen aber auch alle anderen Homosexuellen in den russischen Regionen ermutigen und sie darüber informieren, welche Möglichkeiten sie haben, um zu trainieren, um Sportpartner zu finden oder um an solchen Spielen wie hier teilzunehmen. Wir wollen Russland weiterentwickeln in Fragen der Akzeptanz von Schwulen und Lesben.

Haben Sie die Hoffnung, dass Ihr Engagement helfen kann, homophobe Tendenzen in Russland zu verringern?

Wir werden versuchen, „persönlich unser Bestes zu geben“ – so wie es auch im Motto der Gay Games steht. Aber es ist eine schwierige Aufgabe: Unser Land ist riesig, wir haben 89 Regionen, und viele sind fast so groß wie ein europäisches Land. Wir werden wohl einen großen Stab an Leuten brauchen und hart arbeiten müssen, um etwas zu erreichen.

Sie sind jetzt erst einmal nur zu viert. Werden Sie die Leute finden, die Sie brauchen?

Ich hoffe es! Ich habe einen Teamkollegen, der hier bei den Gay Games in Köln im Badminton angetreten ist, und der auch sehr ernsthaft mit dabei ist. Wir sind so etwas wie Pioniere, aber wir werden es schaffen.

Wie sind Sie eigentlich zum Eiskunstlauf gekommen? Sie sind ein Spätberufener, oder?

Ja, ich habe als Erwachsener ziemlich plötzlich mit dem Eiskunstlaufen begonnen. Vor gut acht Jahren, mit 19, entdeckte ich, dass mir das gefallen könnte, und ich machte weiter. Aber im Grunde war es keine große Überraschung: Mein Vater und mein älterer Bruder sind Eishockeyspieler, das Laufen auf Kufen steckte wohl in meinen Genen.

Obwohl Sie spät anfingen, haben Sie bei Ihren ersten Gay Games gleich zwei Medaillen gewonnen. Einmal Gold, einmal Silber. Hat Sie Ihr Erfolg überrascht?

Nun, ich hatte schon etwas Erfahrung gesammelt auf internationalen Wettbewerben. Zum Beispiel hier in Köln im letzten Jahr, beim „Fabulous Cup“, einem Eiskunstlaufwettbewerb von und für Lesben und Schwule. Aber bei diesen Spielen war der Wettbewerb zwischen den Männern viel anspruchsvoller als anderswo, weil mehr Starter angetreten sind.

Hätten Sie bei den Gay Games in Köln auch an den Start gehen können, wenn Sie nicht besonders gefördert worden wären?

Nein. Ohne das sogenannte „Outreach-Stipendium“ der Kölner Organisatoren hätte ich mir wie viele meiner russischen Teamkollegen eine Teilnahme nicht leisten können. Mein Gehalt als Chemielehrer in Moskau ist nicht besonders hoch, die Unterkunft hier ist teuer, ebenso die Registrierungsgebühr von 250 Euro für den Eiskunstlauf. Im Vergleich zu anderen Sportarten liegt sie höher, weil wir für die Zeit auf dem Eis bezahlen müssen. Deshalb war ich sehr dankbar, als ich für das Stipendium ausgewählt worden bin.

Das Gespräch führt Martin Gropp.

Quelle: F.A.Z.
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