07.09.2010 · Der Galoppsport in Deutschland kriselt und mit ihm der Standort Iffezheim. Doch die Große Woche liefert einen Hoffnungsschimmer. Die neuen Betreiber haben sich Gedanken gemacht und eine gute Strategie gewählt. Das zahlt sich aus.
Von Richard Becker, IffezheimAls der Internationale Club Baden-Baden im vergangenen Jahr Insolvenz anmelden musste, schien das Ende der traditionsreichen Pferderennen auf dem Iffezheimer Hippodrom besiegelt. Die allgemeine Krise des deutschen Galopprennsports hatte auch ihren renommiertesten Veranstalter in die Knie gezwungen.
Am 5. September aber hat die Zukunft begonnen, kann doch der neue Betreiber der Bahn am Ende der Großen Woche und am Beginn einer neuen Ära mit beeindruckenden Zahlen aufwarten. 68.000 Besucher an den sechs Renntagen, ein Wetteinsatz von 4,89 Millionen Euro, was eine Steigerung pro Rennen um 20,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet.
Innovationen am Wettschalter
Seit 1. Juni ist ein Konsortium mit der Schweizer Infront Sports & Media um Andreas Jacobs als Mehrheitsgesellschafter für die Rennen zuständig. Wegen langwieriger Vertragsverhandlungen mit den Gläubigern und auch mit der Gemeinde Iffezheim, die samt der Region wirtschaftlich von den Rennen abhängig ist, hatte das traditionelle Frühjahrsmeeting ausfallen müssen.
550.000 Euro nahm Jacobs in der Kürze der Zeit in die Hand, um das Bahngelände kundenfreundlicher zu gestalten. Zugute kam dem neuen Veranstalter der Emotionsstau bei den Fans des Galopprennsports wegen des ausgefallenen Frühjahrsmeetings. Zudem half er selbst kräftig nach mit Innovationen am Wettschalter, setzte mit immensen Garantiegewinnsummen bei Vierer- und auch Dreierwetten neue Maßstäbe am Wettmarkt.
Der Friede könnte vollkommen sein
Um in Iffezheim erfolgreich auf Kurs zu kommen, hat sich Jacobs Teilhaber ins Boot geholt, die noch vor wenigen Jahren mit dem Dachverband im Clinch lagen: eine Gruppe von Buchmachern. Denen hatte das Direktorium für Vollblutzucht und Rennen damals die Geschäftsgrundlage entzogen, als es die Bildübertragung in die Wettbüros kurzerhand unterbrach, weil die Buchmacher nicht mehr bereit waren, provisionsbelastete Wetten in den Totalisator der Bahn zu vermitteln.
Nun scheint zumindest etwas Ruhe eingekehrt, scheinen die Buchmacher durch ihre zumindest partielle Teilhabe am allgemeinen Geschäft sich daran erinnert zu haben, dass sie das Produkt unterstützen müssen, das ihre Geschäftsgrundlage bildet. Und wenn sie dann noch ihre Internet-Zentralen wieder aus den steuerbegünstigten Standorten wie Malta oder Gibraltar nach Deutschland verlegen sollten, wäre der Friede vollkommen.