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Fußball und Börse Beim Todeskreislauf der Klubs wird niemand reich

31.10.2005 ·  Fünf Jahre nach dem Börsengang der Dortmunder Borussia: Das spektakuläre Scheitern des Reviervereins ist kein Einzelfall. Lehren aus dem Handel mit Fußballaktien.

Von Henning Peitsmeier
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Die Stimmung hätte kaum besser sein können, an jenem Dienstag vor genau fünf Jahren, als Borussia Dortmund an die Börse ging. Die Bronzeplastik des Bullen vor dem Frankfurter Handelssaal, Symbol für steigende Kurse, trug Schwarz-Gelb, Aktienhändler versuchten sich an der Abseitsregel, und überhaupt sprachen viele voll Bewunderung über den Mut der BVB-Geschäftsführer Gerd Niebaum und Michael Meier, die sich als erste mit einem Fußballverein auf das Börsenparkett wagten.

Fünf Jahre später hat sich die Geschichte von der Borussia an der Börse als ein einziges Mißverständnis entpuppt. Die BVB-Aktie ist abgestürzt, Niebaum und Meier sind nicht mehr im Amt. Trotzdem: "Die Entscheidung für den Kapitalmarkt war richtig", sagt Meier in einem für ihn persönlich schmerzhaften Rückblick. "Der Börsengang ist eine klassische Form der Finanzierung, er ist aber auch bestimmt die schwierigste." Was er gelernt hat? Daß das Eigenkapital "das scheueste Kapital" sei und das damals gesteckte Ziel wohl doch zu ambitioniert: "Wir haben in der Erwartung der Champions League investiert, und der Spagat zwischen Risiko und Sicherheit ist nicht aufgegangen." Schnell waren die Börsenmillionen futsch, im März dieses Jahres stand die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA gar vor der Insolvenz.

Ein einziges Mißverständnis

Das spektakuläre Scheitern des Reviervereins ist kein Einzelfall. Ob in England, Italien, in Dänemark, den Niederlanden oder der Schweiz - mit Fußballaktien ist noch kein Kleinanleger reich geworden. Eher im Gegenteil. "Es gibt eigentlich nur ein Beispiel, in dem Aktionäre über einen langjährigen Zeitraum von steigenden Kursen profitiert haben", sagt Arnd Hovemann von der Unternehmensberatung Ernst & Young. Der Sportökonom verweist auf den britischen Vorzeigeklub Manchester United. Doch der ist inzwischen gar nicht mehr notiert. Amerikanische Investoren um den schillernden Malcolm Glazer haben ManU geschluckt, vergeblich wehrten sich die Fans gegen die Übernahme. Immerhin haben sie Geld verdient: 19,25 Pence kostete die ManU-Aktie bei Ausgabe, 300 Pence zahlte Glazer schließlich.

Solch eine Rendite ist einzigartig in der Fußballwelt. Nur ganz wenige Fußballaktien notieren auch nur in der Nähe ihres Emissionspreises, und wenn, dann sind es international eher unscheinbare Vereine wie Bröndby Kopenhagen an ebenso unbedeutenden Finanzplätzen. Im fußballverrückten wie finanzstarken England dagegen sind von den einstmals 13 Klubs, deren Aktien gehandelt wurden, einige schon wieder verschwunden.

Ein verschossener Elfmeter kostet Millionen

Für Fachmann Hovemann liegt der mangelnde Erfolg von Fußballvereinen am Kapitalmarkt in der Natur der Sache: "Die meisten Vereine hängen viel zu sehr vom sportlichen Erfolg ab." Ein verschossener Elfmeter in der Nachspielzeit entscheidet oft darüber, daß im kommenden Geschäftsjahr keine Millioneneinnahmen aus einem lukrativen internationalen Wettbewerb fließen. Niederlagen auf dem grünen Rasen ziehen Kursverluste auf dem Parkett nach sich. Und deshalb scheuen Fußballvereine inzwischen die Börse. Ernst & Young hat 24 Manager der ersten und zweiten Bundesliga nach Finanzierungsformen befragt, und kein einziger gab einen Börsengang als Alternative zu Anleihen, Leasing oder Bankkredit an.

Lutz Meyer von der Beratungsgesellschaft Deloitte & Touche bringt das Mißverhältnis auf eine einfache Formel: "Gewinnen statt Gewinne erzielen" nennt Meyer die Zielsetzung von Fußballvereinen, denen die Meisterschale wichtiger ist als eine Dividende. Er spricht von einem Todeskreislauf, weil Vereine zu schnell der Versuchung erliegen, den wirtschaftlichen Erfolg sofort in neue Spieler zu investieren - und sich dafür auch noch hoch verschulden.

Schuldenberge auf Milliardenhöhe

Immerhin: Im Schuldenmachen nimmt sich die Bundesliga international gesehen geradezu bescheiden aus, während in der italienischen Serie A und der spanischen Primera Division die Schuldenberge auf Milliardenhöhe gewachsen sind. Geradezu vorbildlich ist Werder Bremen, ein Verein, der mit Augenmaß wirtschaftet, hin und wieder dem FC Bayern München Paroli bietet und offenbar gut damit lebt, in Begegnungen mit den internationalen Spitzenklubs nicht mithalten zu können.

Und daß Geld nicht zwangsläufig Tore schießt, hat ausgerechnet Borussia Dortmund vorgemacht. Seit jenem so verhängnisvollen Börsengang zu Zeiten, als die Kirch-Gelder sprudelten und der Spielertransfermarkt boomte, investierten die Geschäftsführer Niebaum und Meier mehr als 120 Millionen Euro in teure Stars wie Rosicky, Koller oder Ewerthon. Und der glamouröseste unter ihnen, der Brasilianer Amoroso, wurde mit Totalverlust abgeschoben und von der Sportpresse als "teuerster Fehleinkauf in 40 Jahren Bundesliga" tituliert. 25 Millionen Euro hatte der BVB unmittelbar nach dem Börsengang für Amoroso bezahlt. Niebaum und Meier steuerten auch dann noch einen riskanten Expansionskurs, als der Fußballboom zu Ende war. Geld spielte bei dem Champions-League-Sieger von 1997 lange keine Rolle.

Von den Folgen hat sich der BVB bis heute nicht erholt. Das vergangene Geschäftsjahr schloß Borussia Dortmund mit einem Verlust ab, der so hoch war wie der Umsatz.

Quelle: F.A.Z. vom 31. Oktober 2005
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Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent in München.

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