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French Open: Safina gegen Kuznetsowa Gemeinsame Familiengeschichten

06.06.2009 ·  Dinara Safina und Swetlana Kuznetsowa stehen sich im Finale der French Open gegenüber. Ihr langer Weg nach Paris führte über Moskau und Valencia - und über ein Autogramm von Safinas Bruder Marat.

Von Wolfgang Scheffler, Paris
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Zumindest Dinara Safina zweifelt nicht, dass sie zu Recht ganz oben steht: „Nun, ich denke, seit ich die Nummer eins wurde, erreiche ich Endspiele und gewinne Turniere. Wie viele Beweise muss ich den Leuten liefern, ehe sie glauben, dass ich diesen Platz verdiene?“ Die 23 Jahre alte Russin wird auch nach diesen French Open die Weltrangliste anführen, egal ob sie am Samstag das Endspiel in Paris gegen ihre ein Jahr ältere Landsfrau Swetlana Kuznetsowa gewinnt oder verliert.

Aber für fast alle Tennisfans zählt ein Grand-Slam-Titel mehr als ein paar Wochen an der Spitze der Branchenhackordnung, zumal in den vergangenen zwölf Monaten auf der WTA Tour nichts beständiger war als der ständige Wechsel auf dem Tennisthron. Und einen Sieg bei einem der vier Eckpfeiler der Saison kann die Schwester des ehemaligen Weltranglistenersten Marat Safin eben nicht vorweisen, ein Makel, mit dem kein Branchenführer gerne lebt.

Auch ihre Vorgängerin an der Spitze, die Amerikanerin Serena Williams, hatte, als sie am 20. April verdrängt wurde, den Wechsel mehr der schwer nachvollziehbaren Arithmetik des Computers zugeschrieben als den Leistungen ihrer Kollegin. Immerhin: Nachdem die schwarze Powerfrau am Mittwoch im Viertelfinale Swetlana Kuznetsowa unterlegen war, konstatierte sie großzügig, Dinara Safina habe ihren Führungsanspruch in den letzten Wochen bestätigt. In der Tat: Die Ergebnisse der neuen Spitzenkraft können sich sehen lassen: Zwei Turniersiegen nacheinander in Rom (im Endspiel gegen Swetlana Kuznetsowa) und in Madrid (gegen die Dänin Caroline Wozniacki) steht nur eine einzige Niederlage gegenüber: im Finale des Porsche Grand Prix in Stuttgart – gegen Swetlana Kuznetsowa.

Aber Turniersiege auf der WTA Tour verblassen hinter den Grand-Slam-Turnieren. Und egal, was Dinara Safina auch sagen mag: Sie weiß genau, dass man bei den Fans, aber vor allem im Kreis der Kolleginnen als Führungsfigur nur ernst genommen wird, wenn man bei den Saisonhöhepunkten triumphiert. Nach ihrem glatten Halbfinalsieg am Donnerstag über die slowakische Außenseiterin Dominika Cibulkova (6:3, 6:3) nimmt sie an diesem Samstag nun den dritten Anlauf, ihrem sechs Jahre älteren Bruder nachzueifern, der 2000 die US Open und 2005 die Australian Open gewann.

Das Autogramm von Marat Safin

Zweimal hatte die 1,82 Meter große Spielerin bereits die Chance, sich einen Titel bei einem Grand-Slam-Turnier zu sichern. Zwei Mal versagte sie ziemlich kläglich. Im Vorjahr war sie im Finale der French Open gegen die Serbin Ana Ivanovic beim 4:6, 3:6 chancenlos. Anfang des Jahres brachte sie im Endspiel der Australian Open gegen die Amerikanerin Serena Williams vor lauter Nervosität kaum einen Ball ins Feld und ging mit 0:6, 3:6 förmlich unter. So macht sie sich mit einem alten Sprichwort Mut: „Aller guten Dinge sind drei.“

Vielleicht hilft es ja, dass sie im Endspiel auf eine alte Bekannte trifft, die sich mit mehr Mühe gegen die Australierin Sam Stosur im Halbfinale durchsetzte (6:4, 6:7, 6:3). Die beiden Endspielgegnerinnen kennen sich nicht nur aus den 13 Matches auf der WTA Tour – Dinara Safina führt in der internen Bilanz 8:5 –, sondern aus frühen Jugendtagen: „Ich war 12 oder 13, als ich das erste Mal gegen Dinara gespielt habe. Sie war hat mich 6:1, 6:0 geschlagen. Sie war aus Moskau, die Tochter einer berühmten Tenniscoaches, und ich aus St. Petersburg“, erinnert sich Swetlana Kuznetsowa an den Beginn ihrer Beziehung und fügt schnell noch eine weitere Anekdote an: „Als Marat in Russland ein Superstar war, habe ich ihn um ein Autogramm gebeten und gesagt, hallo, ich kenne deine kleine Schwester.“

Keine Favoritin

Marat Safin spielt in diesem Jahr seine letzte Saison, die Familienehre hält jetzt das Nesthäkchen der tatarischen Tennisfamilie aus Moskau hoch. Mutter Rauza Islanowa gehörte als Tennisspielerin zu den Top Ten der Sowjetunion, der Vater ist der Chef des Tennisklubs Spartak Moskau. Deshalb suchte Kuznetsowas Familie bei den berühmten Moskauern Rat, als es darum ging, für die Tochter bessere Trainingsbedingungen im Ausland zu finden. Wie Dinara und Marat Safin ging auch Swetlana Kuznetsowa nach Valencia – und allen ist die spanische Tennisschule bestens bekommen.

Und als Höhepunkt der gemeinsamen Familiengeschichte stehen sich die beiden Jugendfreundinnen nun zum ersten Mal im Endspiel eines Grand-Slam-Turniers gegenüber. Die Weltranglistensiebte, die US-Open-Siegerin von 2004, sieht die deutlich besseren Chancen bei der Jüngeren: „Sie ist die Nummer eins, sie hat mich im letzten Match in Rom geschlagen.“ Aber Swetlana Kuznetsowa weist auch darauf hin, dass sie in Stuttgart gewann, es auf Sand mithin in diesem Jahr 1:1 stehe. Oder anders ausgedrückt: In diesem zweiten rein russischen Finale in Paris nach 2004 gibt es keine Favoritin.

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Jahrgang 1948, Sportredakteur.

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