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French Open : Rafael Nadal holt Björn Borg ein

Nach 3:40 Stunden verwandelte Nadal seinen ersten Matchball Bild: dapd

Rafael Nadal bleibt der Sandplatzkönig: Im Finale der French Open zeigt er Roger Federer die Grenzen auf. Der Spanier bleibt somit Weltranglistenerster und schließt mit dem sechsten Titel in Paris zu Björn Borg auf.

          In den vergangenen Tagen hatte die spanische Tourismusagentur rund um Roland Garros für die eigene Sportnation Stimmung gemacht. „Teilen Sie unsere Freude und kommen sie zu unserem Fest“, stand auf bunten Blättern, die von jungen Damen dargereicht wurden. Auf den Handzetteln abgebildet war die spanische Fußballnationalmannschaft mit dem WM-Pokal. Bei der nächsten Auflage könnten die iberischen Promoter vielleicht einmal darüber nachdenken, ob sie nicht mit einem anderen Landsmann im Augenblick des Triumphs werben sollten, vor allem in Paris, vor allem am Bois de Boulogne. Rafael Nadal drängt sich seit Jahren geradezu auf, vor allem aber seit Sonntag, als er zum sechsten Mal die French Open gewann und damit zum Rekordtitelträger Björn Borg aufschloss.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auf dem Weg zu seinem insgesamt zehnten Grand-Slam-Turniersieg ließ sich der Mallorquiner auch von Roger Federer nicht stoppen, sondern siegte nach einigen Anlaufschwierigkeiten am Ende überzeugend 7:5, 7:6 (7:3), 5:7 und 6:1. Durch seine Titelverteidigung bleibt Nadal, der in Paris nun 45 Matches gewonnen und nur im Jahr 2009 einmal als Angeschlagener gegen Robin Söderling verloren hat, nicht nur der Sandplatzkönig von Roland Garros, sondern auch Weltranglistenerster.

          Im Falle einer Niederlage hätte er die Spitzenposition an Novak Djokovic verloren, den serbischen Seriensieger, der nach 41 Erfolgen in dieser Saison in einem phantastischen Halbfinale an Federer gescheitert war. „Es ist ein Traum, was hier passiert ist“, sagte der 25 Jahre alte Spanier, der nach 2006, 2007 und 2008 auch das vierte Pariser Endspiel gegen Federer gewann und anschließend auf dem Court Philippe Chatrier auf die Knie sank: „Ich danke dem Leben, das mir die Chance gegeben hat, hier an dieser Stelle zu sein.“

          „Ich danke dem Leben, das mir die Chance gegeben hat, hier an dieser Stelle zu sein”, sagte Nadal
          „Ich danke dem Leben, das mir die Chance gegeben hat, hier an dieser Stelle zu sein”, sagte Nadal : Bild: REUTERS

          Für den Lohn eines dramatischen Endes nach einem Turnier, in das er schwach gestartet war und sich stark verbessert hatte, bekam Nadal wie gewohnt den „Coupe des Mousquetaires“ überreicht; diesmal vom Amerikaner Jim Courier, der 1991 und 1992 die French Open gewonnen hatte. Daneben strich Nadal noch 1,2 Millionen Euro Siegprämie und reichlich Komplimente seines Finalgegners ein. „Rafa hat ein super Match gespielt“, sagte Federer, der seine 17. Niederlage im 25. Spiel gegen den Spanier so gelassen nahm wie selten eine zuvor: „Ich bin mit meinen zwei Turnierwochen sehr zufrieden, war aber nicht stark genug, um Rafa zu schlagen.“ Nicht einmal die lautstarke Unterstützung des Pariser Publikums, das seinen Liebling zum zweiten Mal nach 2009 siegen sehen wollte, konnte ihm gegen den am Ende hochkonzentrierten und bärenstarken Spanier helfen.

          Vor dem Turnierhöhepunkt hatte Nadal nicht nur nach vorne geschaut, sondern auch bangend nach oben. Am Vorabend hatte es kräftig geregnet, für den Finalsonntag war eine Schauerwahrscheinlichkeit von siebzig Prozent vorhergesagt. Das Wetter, hatte der Spanier befürchtet, könnte ihn gegenüber seinem alten Rivalen benachteiligen, weil seine Topspinschläge womöglich weniger gefährlich ausfielen. „Ich bevorzuge Sonnenschein, weil die Bälle dann schneller sind und höher abspringen“, sagte Nadal, „wenn es regnerisch oder bewölkt ist, werden sie langsamer.“ Bis auf eine zwölfminütige Regenpause hielt das Wetter, und der Mallorquiner konnte sein gewohnt aggressives Grundlinienspiel aufziehen - wenn auch mit Verspätung.

          Beim ersten Grand-Slam-Endspiel der beiden Rivalen seit den Australian Open 2009 bestimmte Federer am Anfang Taktik und Tempo, während der überrumpelte Spanier genug damit zu tun hatte, sich laufend zu wehren und sich irgendwie ins Match zu kämpfen. Als der Schweizer bei 5:2-Führung einen Satzball hatte, folgte jedoch eine jener Kleinigkeiten, die eine Partie maßgeblich beeinflussen können. Federer riskierte bei einem Stopp alles, doch landete der für Nadal unerreichbare Ball knapp neben der Seitenlinie. Plötzlich spielte der Favorit mutiger, nutzte selbst die kleinsten Schwächen des Schweizers aus und gewann sieben Spiele nacheinander - bis zu einer 2:0-Führung im zweiten Satz.

          Nun waren die Rollen komplett anders verteilt, nun musste Federer verhindern, dass er vom spanischen Topspin-Express überrollt würde. Unmittelbar vor der Regenpause wehrte er beim Stand von 4:5 seinerseits erst einen Satzball ab, direkt nach der Fortsetzung durchbrach er Nadals Service und zögerte die Entscheidung des zweiten Durchgangs ein wenig hinaus. Den Tiebreak entschied der Sandplatzkönig dann aber deutlich für sich, auch weil er Federer unter Druck setzte und zu Fehlern zwang.

          Als Nadal seinem alten Rivalen im dritten Satz den Aufschlag zum 4:2 abnahm, schien alles auf ein flottes Ende zuzulaufen. Doch wieder konnte der Grand-Slam-Rekordsieger kontern, holte sich seinerseits zwei Breaks und rettete sich in den vierten Satz. Nadal wirkte zunehmend müder, zermürbte seinen sportlichen Wegbegleiter in einem hochklassigen Spiel voller spektakulärer Wendungen aber mit Konstanz und beendete das Finale nach 3:40 Stunden mit seinem ersten Matchball. Für den Spanier war es zwar der sechste Sieg von Roland Garros, aber dennoch eine Premiere: Zum ersten Mal gewann Nadal das Turnier auch als topgesetzter Spieler.

          Quelle: F.A.Z.

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