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French Open : Nadal stürmt gegen Söderling zum fünften Titel

  • -Aktualisiert am

Alles muss raus: Rafael Nadal holte sich den Titel der French Open zurück Bild: AFP

Ein Sieg im Stil eines großen Champions: Rafael Nadal holt sich im Pariser Finale gegen Robin Söderling den wichtigsten Sandplatz-Titel im Tennis zurück - der Spanier übernimmt wieder den ersten Weltranglistenplatz von Roger Federer.

          Als der Sandplatz-König triumphal seinen Thron zurückerobert hatte, vergaß eine wahre Königin die gebotene Distanz zu ihrem Untertan. Die spanische Königin Sofia drückte als erste Gratulantin Rafael Nadal ein Küsschen auf die Wange. Hoheiten unter sich nehmen sich halt so manche Freiheit heraus.

          Dass der Spanier im Hochadel seines Sports angekommen ist, darüber herrscht spätestens seit diesem Sonntag in Paris nicht mehr der geringste Zweifel. Mit einer eindrucksvollen Demonstration seiner grandiose Tenniskunst gewann Rafael Nadal in Paris durch einen 6:4-, 6:2-, 6:4-Sieg nach 2:18 Stunden gegen Robin Söderling zum fünften Mal die French Open. Nur der Schwede Björn Borg war mit sechs Erfolgen im Stade Roland Garros erfolgreicher.

          Nadal holte sich den wichtigsten Sandplatz-Titel im Stil eines großen Champions zurück - gegen jenen Mann, der im Vorjahr im Stade Roland Garros die lange Siegesserie des Linkshänders aus Mallorca überraschend im Achtelfinale beendet hatte. Der Spanier gewann nach 2008 zum zweiten Mal das wichtigste Sandplatz-Turnier der Welt, ohne auch nur einen einzigen Satz abzugeben.

          Sieg beim Lieblingsturnier auf dem Lieblingsbelag: Rafael Nadal gewann wieder die French Open
          Sieg beim Lieblingsturnier auf dem Lieblingsbelag: Rafael Nadal gewann wieder die French Open : Bild: REUTERS

          Federer wird von Nadal von Platz eins verdrängt

          Nadal schraubte bei den French Open seine Bilanz bei sechs Gastspielen auf 38:1-Siege. Er hat in der europäischen Saison auf roten Aschenplätzen jetzt 22 Matches in Folge gewonnen. Als erster Profi siegte er nicht nur bei allen drei Masters-Turnieren in Monte Carlo, Rom und Madrid, sondern krönte diese Serie auch mit einem Erfolg in Paris - ein Novum, für das eigens ein neues Wort kreiert werden musste: „Sand-Slam“. Aber der Sandmann Nadal, der mittlerweile sieben Grand-Slam-Titel sein eigen nennt (neben den French-Open-Titeln noch Wimbledon 2008 und die Australian Open 2009), ist jetzt nicht nur unumstritten der Herrscher auf dem seinem „langsamen“ Lieblingsboden.

          An diesem Montag wird er zum zweiten Mal nach dem 18. August 2008 Roger Federer vom ersten Weltranglistenplatz verdrängen. 46 Wochen hielt er bis zum Sommer 2009 diesen Spitzenplatz, ehe ihn erst Söderling in Paris besiegte und ihn dann seine ramponierten Kniegelenke zu längerer Untätigkeit zwangen. Er konnte seinen Wimbledon-Titel nicht verteidigen und musste dem Schweizer Federer wieder den Spitzenplatz überlassen.

          Die Knie schmerzen ganz offensichtlich nicht mehr - und Nadal spielte in Paris in diesem Jahr besser als je zuvor. Federer hatte vor dem Turnier in einem Interview mit einer englischen Zeitung davon gesprochen, dass Sandplatz-Tennis nicht den kompletten Tennisspieler erfordere, man könne Erfolge auf diesem Boden auch ohne Aufschlag und Volley Erfolge feiern. Es genügten, so der Schweizer Vorjahressieger, eine gute Rückhand, eine gute Vorhand und schnelle Beine.

          Söderlings „Vorschlaghammer-Tennis“ kein Rezept

          Während des Turniers relativierte der von Söderling am Dienstag im Viertelfinale entthronte Meastro seine Aussage: Vor- und Rückhand sowie Beine müssten außergewöhnlich gut sein. Das alles trifft auf Nadal zu - und doch sagt es nicht alles über den Tennisspieler von der Mittelmeerinsel aus. Sein Service, obwohl sein härtester Aufschlag im Finale „nur“ mit 197 Kilometern in der Stunde gemessen wurde - zum Vergleich: Söderling servierte einen zweiten Aufschlag mit 191 Kilometern und den ersten mit einer Spitzengeschwindigkeit von 229 Kilometern - ist längst eine formidable Waffe. Nadal gab im Endspiel kein einziges Mal seinen Aufschlag ab, auch wenn er insgesamt acht Breakbälle abwehren musste. Und auch sein Volley kann sich sehen lassen.

          Aber in erster Linie lebt Nadal von seiner schier unglaublichen Fähigkeit, nicht nur schon immer dort zu sein, wo der Gegner den Ball hinschlägt, sondern vor allem davon, dass er der Ball selbst aus höchster Bedrängnis mit Präzision und ungeheurem Spin zurückschlägt. Söderlings „Vorschlaghammer-Tennis“, der Versuch auf fast jeden Ball mit Urgewalt einzuprügeln, ist gegen einen Nadal in Bestform kein Erfolg versprechendes Rezept. So gelangen dem 25-jährigen Schweden zwar 32 Gewinnschläge, aber er bezahlte das hohe Risiko mit 45 „unerzwungenen Fehlern“. Nadals Gewinn-Verlust-Rechnung dagegen fiel positiv aus: 28 „Winner“ und nur 16 „unforced errors.“

          „Deine Siegesserie hier ist wirklich eindrucksvoll“

          In den wenigen Augenblicken, in denen Nadal in Gefahr lief, dass ihm sein Gegner aus seinem Würgegriff entweichen könne, wagte Söderling einfach zu viel - oder Nadal spielte schlichtweg brillant. Auch Söderling musste eine Erfahrung machen: Von der Grundlinie, ohne entschlossen ans Netz vorzurücken, kann man Nadal - egal auf welchem Boden - nicht schlagen. So genügten dem Sieger Breaks zum 2:3 im ersten, zum 3:2 und 5:2 im zweiten und zum 1:0 im dritten Satz, um die Partie ganz sicher nach Hause zu bringen, auch wenn die knapp 15 000 Zuschauer auf dem Court Philippe Chatrier den Skandinavier mit „Robin, Robin“-Sprechchören antrieben.

          „Ich habe sicherlich mein beste Match bei diesem Turnier gespielt“, sagte Nadal, als die Freudentränen getrocknet waren. Wie bei fast allen seinen großen Triumphen warf er sich, diesmal sogar zweimal, rücklings auf den Boden, ehe er wie ein Schlosshund in sein Handtuch schluchzte. Söderling sprach als fairer Verlierer bei der Siegerehrung allen aus der Seele: „Deine Siegesserie hier ist wirklich eindrucksvoll. Du hast die Chance, hier noch viel öfter zu gewinnen.“ Zur Erinnerung: Nadal wurde am vergangenen Donnerstag erst 24 Jahre alt.

          Die French Open Sieger von 1968 - 2010:

          1968: Ken Rosewall (Australien)
          1969: Rod Laver (Australien)
          1970: Jan Kodes (Tschechien)
          1971: Jan Kodes (Tschechien)
          1972: Andres Gimeno (Spanien)
          1973: Ilie Nastase (Rumänien)
          1974: Björn Borg (Schweden)
          1975: Björn Borg (Schweden)
          1976: Adriano Panatta (Italien)
          1977: Guillermo Vilas (Argentinien)
          1978: Björn Borg (Schweden)
          1979: Björn Borg (Schweden)
          1980: Björn Borg (Schweden)
          1981: Björn Borg (Schweden)
          1982: Mats Wilander (Schweden)
          1983: Yannick Noah (Frankreich)
          1984: Ivan Lendl (Tschechien)
          1985: Mats Wilander (Schweden)
          1986: Ivan Lendl (Tschechien)
          1987: Ivan Lendl (Tschechien)
          1988: Mats Wilander (Schweden)
          1989: Michael Chang (USA)
          1990: Andres Gomez (Equador)
          1991: Jim Courier (USA)
          1992: Jim Courier (USA)
          1993: Sergi Bruguera (Spanien)
          1994: Sergi Bruguera (Spanien)
          1995: Thomas Muster (Österreich)
          1996: Jewgeni Kafelnikow (Russland)
          1997: Gustavo Kuerten (Brasilien)
          1998: Carlos Moya (Spanien)
          1999: Andre Agassi (USA)
          2000: Gustavo Kuerten (Brasilien)
          2001: Gustavo Kuerten (Brasilien)
          2002: Albert Costa (Spanien)
          2003: Juan Carlos Ferrero (Spanien)
          2004: Gaston Gaudio (Argentinien)
          2005: Rafael Nadal (Spanien)
          2006: Rafael Nadal (Spanien)
          2007: Rafael Nadal (Spanien)
          2008: Rafael Nadal (Spanien)
          2009: Roger Federer (Schweiz)
          2010: Rafael Nadal (Spanien)

          Quelle: FAZ.NET

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