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French Open Die Wand auf der anderen Seite

 ·  Angelique Kerber scheitert im Viertelfinale von Paris an Sara Errani. Die zähe Italienerin bezwingt die keineswegs enttäuschende Deutsche mit deren eigenen Waffen.

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© dapd Draußen und dennoch nicht unzufrieden: Angelique Kerber in Paris

Am Ende fehlten ihr ein wenig Kraft, ein besserer Aufschlag und vielleicht ein bisschen Glück, aber Angelique Kerber hatte sich nichts vorzuwerfen. Trotz der 3:6, 6:7-Niederlage an diesem Dienstag im Viertelfinale der French Open gegen Sara Errani aus Italien bestätigte die Kielerin den Eindruck, dass sie mittendrin in einer höchst interessanten, hoffnungsvollen Entwicklung ist.

Dass es an diesem Tag nicht reichte, lag vor allem auch an der erstklassigen Vorstellung der kleinen Italienerin auf der anderen Seite des Netzes. Nach dem Spiel in der Runde zuvor hatte die Kroatin Petra Martic über Kerber gesagt: „Sie kriegt so viele Bälle zurück. Und je schneller du spielst, desto schneller spielt sie auch. Als würdest du gegen eine Wand spielen.“ Nun, die Wand stand diesmal auf der anderen Seite, gab merkwürdige Geräusche von sich und kontrollierte die Dinge mit unbewegter Miene.

Errani: druckvoll, zäh, taktisch intelligent

Es war nicht schwer zu erkennen, wie und warum Sara Errani in diesem Jahr bereits drei Titel auf Sand gewonnen hatte, und warum sie auch zu den derzeit erfolgreichsten Doppelspielerinnen des Frauentennis gehört. Druckvolle Grundlinienschläge, kombiniert mit intelligenten taktischen Varianten und einer Zähigkeit, die an Francesca Schiavone erinnerte, die vor zwei Jahren den Titel im Stade Roland gewonnen und im vergangenen Jahr im Finale gespielt hatte.

Sara Errani erwischte auch den besseren Start, nahm Angelique Kerber gleich das erste Aufschlagspiel ab, und die rannte diesem Rückstand in der restlichen halben Stunde des ersten Satzes vergeblich hinterher. Sie wirkte in dieser Phase nicht ganz so dynamisch wie beim Sieg gegen Flavia Pennetta ein paar Tage zuvor, und mit dem zweiten Aufschlagverlust gab sie den Satz ab.

Doch dann bestätigte sie die These ihres Coaches, sie fange oft an, besser und aggressiver zu spielen, wenn sie in Rückstand liege. Obwohl zu sehen war, dass sie schwerere Beine hatte als in den Spielen zuvor, streckte sie sich nach jedem Ball, erlief bisweilen selbst perfekt gespielte Stopps der Italienerin und trug ihren Teil dazu bei, dass dieser zweite Satz eine beinharte, höchst spannende Angelegenheit wurde.

Beide weichen keinen Meter zurück

Der Himmel über Paris zeigte mittlerweile nach einem eher trüben Vormittag die ersten blauen Flecken, und beschienen von der Sonne stieg auch die Temperatur des Spiels. Und keine der beiden konnte sich sicher fühlen. Sie nahmen sich gegenseitig Aufschlagspiele ab - insgesamt acht, davon sechs in Folge zum Ende des Satzes - , und beide wichen keinen Meter zurück. Bei der Überlegung, was Angelique Kerber an ihrem Spiel verbessern könnte, um auf die Dauer unter den Top Ten des Frauentennis eine starke Rolle zu spielen, steht der Aufschlag ganz oben auf der Liste.

Frei erspielte Punkte wären eine große Hilfe gewesen in diesem so hart umkämpften zweiten Satz, so aber musste Angelique Kerber in jedem Ballwechsel bis nach Mailand und zurück rennen, ohne Rücksicht auf Verluste. Es passte zu der Entwicklung des rasanten zweiten Satzes, dass die Entscheidung schließlich im Tiebreak fiel - doch den dominierte die kleine, zähe, unerbittliche Sara Errani von Anfang an.

Vier Matchbälle für die Italienerin

Beim Stand von 4:2 wurden die Seiten gewechselt, und der übernächste Punkt schrieb die Botschaft in den roten Sand, dass Angelique Kerber das Spiel nicht mehr gewinnen würde; ihr Rückhandball zum 6:2 landete weit im Aus. Vier Matchbälle also für Sara Errani, und schon der erste saß.

Die Freude der Italienerin war nur zu verständlich. Der Sieg gegen Angelique Kerber war ihr erster gegen eine Spielerin aus den Top Ten, er beförderte sie zum ersten Mal im Einzel ins Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers und auch auf Position Nummer eins des italienischen Frauentennis. Irgendwie die passende Fortsetzung nach Francesca Schiavones Erfolgen in den beiden vergangenen Jahren. Aber auch für Angelique Kerber gab es uneingeschränktes Lob. Bundestrainerin Barbara Rittner sagte: „Angelique hat alles gegeben und auch heute ein klasse Match gespielt. Das war ein weiterer großer Schritt, und sie kann sehr stolz auf sich sein. Das war ein super Turnier.“

„In New York hat es bei mir Klick gemacht“

Auf dem Weg ins Viertelfinale bestätigte Deutschlands derzeit erfolgreichste Tennisspielerin jedenfalls ihre kürzlich in einem Interview mit dem „Tennis Magazin“ geäußerte Einschätzung. „Ich glaube, dass viele Beobachter davon ausgegangen sind, dass ich bei den US Open nur ausnahmsweise zwei tolle Wochen hatte und danach wieder in der Versenkung verschwinden werde“, hatte sie da gesagt. „Aber in New York hat es bei mir Klick gemacht. Ich weiß seitdem, dass ich gegen alle Spielerinnen da draußen eine Chance habe.“ Dass sie sie diesmal nicht nutzen konnte, ändert nichts am großen Ganzen. Ein Jahr, nachdem sie nicht mal zu den besten Hundert des Frauentennis gehört hatte, ist Angelique Kerber bestens aufgehoben unter den besten Zehn.

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