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Frauen-Volleyball Kunststück am Netz

25.02.2009 ·  Scavolini Pesaro ist seit 40 Spielen ungeschlagen und derzeit wohl das beste Frauen-Volleyballteam in Europa. Mittendrin: Nationalspielerin Christiane Fürst, die neben ihrer Blockstärke inzwischen auch kräftig zuschlagen kann.

Von Bernd Steinle
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Eigentlich, sagt Christiane Fürst, sei ihr das Ganze im Januar zum ersten Mal richtig bewusst geworden. Als plötzlich alle sagten: Jetzt seid ihr seit einem Jahr in der Liga ungeschlagen. „Da dachte ich: Oh!“ Inzwischen ist ein weiterer Monat vergangen, und die Volleyball-Mannschaft Scavolini Pesaro, für die die Mittelblockerin in der italienischen Profiliga ans Netz geht, hat immer noch nicht verloren – seit nunmehr vierzig Pflichtspielen. Das ist in der italienischen Liga, in der sich nicht unbedingt nur Thekenmannschaften tummeln, höchst beachtlich.

Scavolini Pesaro, in der vergangenen Saison CEV-Pokalsieger, führt mit mittlerweile zehn Punkten Vorsprung die Tabelle an, steht im Viertelfinale der Champions League und gewann vor kurzem den italienischen Pokal – durch ein 3:0 gegen den Tabellendritten Asystel Novara, bei dem unter anderen Christiane Fürsts Nationalmannschaftskollegin Margareta Kozuch aktiv ist. Die Aufzählung macht vor allem eines deutlich: Scavolini Pesaro ist derzeit wohl die beste Frauen-Volleyballmannschaft in Europa. Und Christiane Fürst, 23 Jahre alt, 1,92 Meter groß, gebürtige Dresdnerin, ist eine ihrer wichtigsten Stützen.

„Ich werde immer besser“

2007 hatte sich Christiane Fürst mit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft vom Dresdner SC und der Bundesliga verabschiedet und war nach Pesaro gezogen, eine 90.000-Einwohner-Stadt an der Adriaküste. „Wir hatten schon im ersten Jahr eine sehr gute Mannschaft“, sagt sie, vor dieser Saison aber wurde das Team noch weiter veredelt: Es kamen die polnische Angreiferin Katarzyna Skowronska und die brasilianische Olympiasiegerin Jacqueline. Seither befindet sich Christiane Fürst in Pesaro in allerbester Gesellschaft. „In so einer Mannschaft“, sagt sie, „habe ich noch nie gespielt.“ Nicht nur wegen der individuellen sportlichen Klasse der Spielerinnen. „Wir haben innerhalb und außerhalb der Halle ein sehr enges Verhältnis“, sagt Christiane Fürst.

Dazu kommt, dass sie in Pesaro ein Trainer anleitet, der „einer der besten, wenn nicht der beste der Welt ist“: José Roberto Guimaraes, der Mann, der die brasilianischen Frauen zum Olympiasieg in Peking führte. Guimaraes liebt das schnelle, komplexe Spiel, und er arbeitet auch beharrlich mit Christiane Fürst an dem Punkt, an dem sie noch das größte Potential hat: der Härte im Angriff. Mit Erfolg. „Ich merke“, sagt sie, „ich werde immer besser.“

Andere Liga: Live-Übertragungen im Fernsehen

Der Schritt nach Italien ist für die Dresdnerin, die bei der WM 2006 in Japan als beste Blockspielerin ausgezeichnet wurde, schon jetzt zum Karrieresprung geworden. Die Herausforderung, sich im Ausland behaupten zu müssen, hat sie auch persönlich weitergebracht, hat sie selbstsicherer, gelassener gemacht. „Ich weiß, was ich kann, und ich weiß, was ich in kritischen Situationen tun muss“, sagt sie. Manchmal, wenn sie Freunde trifft, die sie aus ihrer Dresdner Zeit kennen, staunen sie über diese neue Souveränität. Und auch Christiane Fürst selbst gerät angesichts des Reifeprozesses gelegentlich ins Staunen – vor allem dann, wenn sie sich ihre Interviews aus früheren Jahren anschaut.

Der Volleyballsport in Italien ist auch in Sachen Öffentlichkeitsinteresse eine andere Hausnummer als die Bundesliga – nicht zuletzt dank der wöchentlichen Live-Übertragungen im Fernsehen aus erster und zweiter Liga, von Männern und Frauen. So erhält Christiane Fürst inzwischen nicht nur im überschaubaren Pesaro beim Einkaufen Glückwünsche wildfremder Menschen, sondern wird auch andernorts als Volleyballgröße erkannt. Nur in ihrer Heimat, da hat sich die Erfolgsgeschichte der Christiane Fürst kaum herumgesprochen.

Die nächsten Ziele sind klar

Diese Geschichte soll mit Sieg Nummer 40 nun noch längst nicht zu Ende sein. Die nächsten Ziele sind klar: Erst steht im Viertelfinale der Champions League das italienische Duell gegen den Tabellenzweiten Foppapedretti Bergamo an, dann geht es im April um den Meistertitel. Eine klare Sache? „Play-off-Spiele sind etwas ganz anderes als Ligaspiele“, dämpft Christiane Fürst die Erwartungen. Immerhin: Ihre ersten Erfahrungen mit diesem Modus in der vergangenen Saison waren nicht so schlecht. Da wurde Scavolini Pesaro italienischer Meister.

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