http://www.faz.net/-gtl-7560x
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 19.12.2012, 15:38 Uhr

Frankfurt Skyliners Mit letzter Kraft

Für die auf Rang 17 abgestürzten Frankfurt Skyliners verdüstern sich die Perspektiven. Denn die Reserven des Meisters von 2004 gehen langsam zur Neige: sportlich, wirtschaftlich und strukturell.

von , Frankfurt
© Wonge Bergmann So langsam geht das Licht aus: die Skyliners haben sportliche und strukturelle Probleme

Sie sind eine der am häufigsten gelobten Mannschaften der Basketball-Bundesliga. Immer wieder gibt es Komplimente für die Fraport Skyliners, so wie unlängst vom Würzburger Trainer Marcel Schröder: Zur Vorstellung auf dem Parkett „möchte ich den Frankfurtern einen Glückwunsch aussprechen“, hatte der Headcoach der Franken gesagt - und dies nach einem Auftritt der Hessen, die wieder einmal knapp verloren hatten. Genau wie am Sonntag, als sie nach einer wilden, atemlosen Jagd auf Körbe und Punkte Phoenix Hagen beim 102:107 enteilen ließen. Anschließend wurde quasi das gleiche Fazit gezogen wie in vielen Spielen zuvor: hart gekämpft, vieles richtig gemacht - aber trotzdem verloren. Inzwischen hat dies die Skyliners in der Tabelle weit nach hinten geworfen. Von den auf dem letzten Platz liegenden Gießen 46ers trennen das Team von Trainer Muli Katzurin nur zwei Punkte. Die Abstiegsgefahr beim Tabellenvorletzten ist akut, der erstklassige Überlebenskampf hat längst begonnen.

Leonhard  Kazda Folgen:

Eigentlich ist der Frankfurter Sturz auf den vorletzten Rang erstaunlich. Denn die Skyliners sorgten in dieser Saison ja auch schon ein paar Mal für positive Überraschungen. Die größte gelang ihnen Ende November beim 78:63-Heimsieg über die als Tabellenführer angereisten Ulmer. Deren Trainer Thorsten Leibenath attestierte dem Gegner hinterher eine „herausragende Leistung“. Und Katzurin befand: „Ich bin stolz auf meine Spieler.“

Basketball Bundesliga Frankfurt Skyliners - Bonn Baskets © Wonge Bergmann Vergrößern Trainer Muli Katzurin bleibt positiv: „Ich bin stolz auf meine Spieler“

Die Wogen der Begeisterung haben sich inzwischen wieder gelegt. Dem Highlight gegen die Schwaben folgten drei Niederlagen gegen Würzburg, Oldenburg und zuletzt gegen Hagen. Allesamt waren sie knapp, und immer hatten die Frankfurter so gespielt, wie es der Würzburger Headcoach Schröder beschrieb: „Sie leisten hier sehr gute Arbeit, verteidigen und kämpfen die ganze Zeit. Das respektiere ich absolut.“ Dennoch stehen die Frankfurter vor einem hereinbrechenden Basketball-Winter, der sie eiskalt erwischen könnte. Denn die Reserven des Meisters von 2004 gehen langsam zur Neige: sportlich, wirtschaftlich und strukturell.

Mehr zum Thema

Schon jetzt führen die Frankfurter ihren Überlebenskampf mit Kräften, deren Heimat eigentlich die Zweite Bundesliga Pro B ist. Im Aufgebot von Katzurin haben die Talente Konstantin Klein, Danilo Barthel und Johannes Voigtmann inzwischen Stammplätze und bekommen fast immer zweistellige Einsatzminuten. Auf der Bank sitzen derweil weitere Pro-B-Kräfte wie Benedikt Nicolay und Jan Novak, der Sohn des einstigen Sportdirektors Kamil Novak. Der ehemalige tschechische Nationalspieler verließ die Skyliners vor ein paar Wochen und ist jetzt Generalsekretär des Europäischen Basketball-Verbandes. Auf die Verpflichtung eines Nachfolgers wurde verzichtet. Um Geld zu sparen.

Doppelspielrecht geht an die Substanz

Aber Kamil Novaks Abschied schwächte die Frankfurter - vor allem beim Blick in die Zukunft. Denn die Kompetenz des smarten Funktionärs verhalf dem Verein schon häufig zu Mannschaften, die sich überraschend gut schlugen. Das tun die Skyliners in dieser Saison zwar manchmal - aber eben nicht oft genug. Der Trend sieht nicht gerade erfolgversprechend aus, weil hoffnungsvolle Nachwuchsleute wie Klein, Barthel oder Voigtmann auf zwei Hochzeiten tanzen müssen: in der Bundesliga und der zweiten Liga. Das geht den jungen Kerls allmählich an die Substanz, zumal sie wegen der Verletzungen von erfahrenen Spielern wie Marius Nolte und Ted Scott zusätzlich gefordert werden.

Basketball Bundesliga Frankfurt Skyliners - Bonn Baskets © Wonge Bergmann Vergrößern Wohin mit dem Ball: Guard Jonathon Jones spielt keine große Saison

Und schon auf kurze Sicht gibt es Unsicherheiten bei der Personalplanung: Im Januar laufen Verträge mit den Amerikanern Ted Scott, Jonathon Jones und Dion Dowell aus. Dowell wird wohl bleiben, denn der Flügelspieler ist einer der verlässlichsten Schützen in Katzurins Team und war gegen Hagen mit 24 Punkten bester Frankfurter. Dass der Trainer mit der Aufbauarbeit von Point Guard Jones häufig unzufrieden ist, kann man leicht am Mienenspiel des Israelis ablesen: Scott ist derweil verletzt und wird sich bis Januar mächtig ins Zeug legen müssen, um im Team zu bleiben.

Es kommen also aufregende Zeiten auf die Skyliners zu. Über diesem nicht ganz stabilen Konstrukt schwebt zusätzlich noch eine Entscheidung, die die Stadt Frankfurt bald fällen wird. Skyliners-Geschäftsführer Gunnar Wöbke wartet mit steigender Nervosität auf die Ausschreibung einer neuen Mehrzweckhalle, die an der Stadtgrenze zu Offenbach gebaut werden soll. Das Entstehen einer solchen Arena hält Wöbke für eine existentielle Frage, was die Überlebenschancen seines Klubs betrifft. Denn die Vermarktungsmöglichkeiten in der aktuellen Bleibe erscheinen ihm unzureichend. Aus der Distanz betrachtet, haben die Skyliners aber derzeit ein viel größeres Problem: den drohenden Abstieg.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Frankfurter Flughafen Wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen

Am Frankfurter Flughafen leben zwischen Start- und Landebahnen erstaunlich viele Tiere. Förster gibt es nicht mehr, dafür ein Wildlife-Control-Team. Es praktiziert umgekehrten Naturschutz. Mehr Von Helmut Schwan

29.07.2016, 14:20 Uhr | Rhein-Main
Fackellauf Olympisches Feuer kurz vor Rio

Das Olympische Feuer erreichte in dieser Woche den brasilianischen Küstenstaat Rio de Janeiro, begleitet auch von Protesten. Mehr

30.07.2016, 14:02 Uhr | Sport
Berufsausbildung Lehre wird für Jugendliche zunehmend unattraktiv

Die hessische Arbeitsverwaltung schlägt Alarm: Junge Leute gingen lieber weiter in die Schule oder suchten gleich das schnelle Geld. Für eine Lehre jedoch interessierten sie sich weniger denn je. Mehr Von Manfred Köhler, Frankfurt

29.07.2016, 10:04 Uhr | Rhein-Main
Tanzen in der Luft Fallschirm-Athleten im Wettkampf

Hoch oben am Himmel über der Region um die russische Hauptstadt Moskau waren die 40. Militär-Weltmeisterschaften im Fallschirmspringen. Die nächste Ausgabe soll im kommenden Jahr in Deutschland stattfinden. Mehr

30.07.2016, 10:32 Uhr | Sport
Mainz 05 Widerstandsfähigkeit für Europa

In der kommenden Saison bestreitet Mainz 05 erstmals Gruppenspiele in der Europa League. Die Testspielniederlage gegen Vorjahressieger FC Sevilla ist Auftakt der Vorbereitung auf unbekannte Herausforderungen. Einem Pechvogel reißt das Kreuzband. Mehr Von Daniel Meuren, Mainz

29.07.2016, 15:56 Uhr | Sport

Gold für Klempner, Lob für Stümper

Von Evi Simeoni

Hämmern und Bohren sollte olympische Disziplin werden - dann dürfen auch die mit Hammer und Sicherl in der Flagge ruhig teilnehmen. Mehr 0