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Frankfurt Skyliners Mit heißem Herz und langer Leine

08.09.2008 ·  Trainer Murat Didin genießt den Trip mit seinen Frankfurt Skyliners in seine Heimat. In der Türkei plant er den Sturm an die europäische Spitze. „Wir können Euroleague-Champion werden, kein Problem“, sagt er.

Von Leonhard Kazda
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Man spürt es – hier ist Murat Didin in seinem Element. Angekommen in der Heimat, mitten in der mediterranen Wärme der Türkei, mitten in der geschäftigen Welt des Sports, welche hier einen großen Einfluss auf das öffentliche Leben hat. Im Mannschaftshotel, das rund eine Autostunde außerhalb der Touristenhochburg Antalya am Strand liegt, scheint der Cheftrainer der Frankfurt Skyliners schon fast jeden zu kennen. Was gar nicht so einfach ist bei 1600 Angestellten, die in diesem Resort der Luxusklasse arbeiten. Didin ist Stammgast. Mit Hakan, dem Hotelmanager, ist er in Antalya zur Schule gegangen und hat so manchen Urlaub mit der Familie hier verbracht. Nun ist er wiedergekommen und hat gleich seine ganze Basketball-Mannschaft mitgebracht. Die Skyliners treten noch bis zu diesem Dienstag im von der Hotelkette ausgerichteten Turnier gegen die Braunschweig Phantoms, den ukrainischen Klub Odessa, gegen den es am Montag eine 88:89-Niederlage nach Verlängerung gab, und das Team aus der Stadt der Gastgeber, BHB Antalya, an.

Antalya und Didin – die ohnehin innige Beziehung wäre vor etwa eineinhalb Jahren beinahe auch um den beruflichen Aspekt erweitert worden. Bevor Didin sich ein zweites Mal den Skyliners anschloss, hatte er auch ein Angebot von BHB, dem erfolgreicheren von zwei Klubs aus der Stadt am Mittelmeer. Zuvor stand der türkische Cheftrainer bei Besiktas Istanbul unter Vertrag, wohin er gewechselt war, obwohl er eigentlich noch an die Skyliners gebunden war. Basketball ist für Didin eine Herzensangelegenheit – und dem Angebot des Klubs seiner Jugend, bei dem er einst als Spielmacher aktiv war, konnte er nicht widerstehen. Es lief freilich lange nicht alles so, wie es sich Didin erhofft hatte; so beendete er auch dort sein Engagement vorzeitig – und kehrte wieder nach Frankfurt zurück.

„Wir können Euroleague-Champion werden, kein Problem“

Dass Didin wieder an den Main kam und trotz wiederholt erhöhter lukrativer Angebote und der Offerte eines Fünfjahresvertrages nicht nach Antalya ging, erklärt er heute mit den sportlichen Perspektiven, die in Frankfurt wesentlich besser seien als in Antalya. Bei den Skyliners „können wir in die europäische Spitze vorstoßen“, sagt Didin. Zusammen mit dem Hauptsponsor, der Deutschen Bank, sei dies möglich. „Wir können Euroleague-Champion werden, kein Problem“, sagt der Cheftrainer und nennt auch gleich die Summe, die dazu nötig wäre. „Zehn Millionen Euro netto nur für den Spitzensport, dann schaffen wir das.“ Die Möglichkeiten in Antalya hatten ihn wohl weniger optimistisch gestimmt. Was vielleicht daran liegt, dass der größte Förderer des türkischen Klubs die Stadt selbst ist. Wenn Didin einen langfristigen Vertrag unterschrieben hätte, wären dennoch zunächst einmal die Bürgermeisterwahlen im kommenden Jahr über die Zukunft des Klubs mit entscheidend gewesen. Natürlich ist Didin auch mit dem Oberhaupt der Stadt eng befreundet und saß am Sonntagnachmittag lange mit ihm zusammen, nachdem die Skyliners das Spiel gegen die Phantoms gewonnen hatten.

Didin sieht im Trip nach Antalya nicht nur den Sport. „Die Reise hierher ist auch Spaß und so etwas wie ein kleiner Urlaub für die Spieler“, sagt er. Für einen Ferienaufenthalt ist das Programm freilich straff organisiert. Jeden Morgen schreibt Didin in feiner Handschrift den Ablaufplan auf, lässt ihn an der Rezeption kopieren und verteilt ihn persönlich. Pünktlichkeit wird nicht eigens eingefordert. Als am Wochenende ein Teammitglied vor der einstündigen Fahrt in die Halle von Antalya noch fehlte, während schon alle an Bord des Busses waren, gab Didin dem Fahrer die Anweisung zu starten. In diesem Moment stand der Überfällige just vor der Bustür – der Headcoach war gnädig, ließ ihn zusteigen und knurrte: „Da hat er Glück gehabt.“

„Nicht mehr als 15 Minuten in die direkte Sonne gehen“

Morgens lässt Didin seine Profis lange schlafen, erst um 10 Uhr klingeln auf den Zimmern die Telefone für den Weckanruf. Nach dem Frühstück steht ein langes Meeting auf dem Programm, und wenn die Spieler Glück haben, können sie anschließend noch eine Stunde an den Strand oder an den Pool gehen. „Nicht mehr als zehn bis 15 Minuten in die direkte Sonne gehen“, hat Didin auf seinen Tagesplan geschrieben, „und nicht vergessen: Wir haben anschließend ein Spiel!“ Von eins bis sieben am Abend sind die Skyliners dann auf Achse, spielen in der klimatisierten Halle von Antalya, wo enttäuschend wenig Zuschauer das neu geschaffene Turnier besuchen. Wer nach der Rückankunft noch Lust hat, den lädt Didin noch zum Beachvolleyball, bevor das ausgedehnte Dinner in einem der vielen Restaurants der Hotelanlage auf dem Programm steht. Es wird stets 22 Uhr, bis das Essen beendet ist. Hinterher lässt Didin seine Männer ziehen: „Enjoy your time“, steht auf dem Plan, der mit den Ziffern 24:00 und den Worten „and have a nice sleep“ endet. Dass die Zerstreuungsmöglichkeiten im Mannschaftshotel bis weit nach Mitternacht gehen, ist Didin bewusst. Deshalb lässt er von einem seiner Assistenten Stichproben machen. Jeden Abend werden zwei Zimmer kontrolliert. Bislang, sagt Didin, habe es keine Auffälligkeiten gegeben.

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Jahrgang 1956, Sportredakteur.

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