28.05.2009 · Dem Ausscheiden der Frankfurt Skyliners aus den Play-offs folgen personelle Verschiebungen. Kapitan Roller bleibt. Ob es für die beiden Center King und Jenkins eine Zukunft am Main geben wird, ist fraglich. Und was ist mit Coach Didin?
Von Leonhard KazdaDas Lächeln von Murat Didin wirkte wie ein Schutzschild. Ein Händeschütteln hier, ein tröstender Schulterklopfer dort, ein paar verbindliche Worte, der Dank an die Fans – der Trainer der Frankfurt Skyliners war um Fassung bemüht. Dass es nach diesem letzten, bitteren Spiel im Play-off-Viertelfinale der Basketball-Bundesliga in seinem Inneren anders aussah, dass dort keine Quelle des Lächelns zu finden war, konnte man ahnen. Nicht einsilbig, aber mit ungewohnt wenigen Worten kommentierte er das Aus seiner Mannschaft. „Wenn man ausscheidet, ist man immer traurig“, sagte Didin – und lächelte. 69:72 hatten seine Profis dieses vierte von fünf möglichen Play-off-Spielen verloren. Damit war für die Skyliners das Ende in der Runde der besten acht Bundesligamannschaften besiegelt. Sie mussten die Baskets aus Oldenburg ins Halbfinale ziehen lassen und blieben zurück in ihrer eigenen Halle, wo 4300 Fans am Dienstag enttäuscht hinaus in die Nacht gingen.
Drinnen blieben die Geschlagenen zurück. Die einen kauerten stumm auf ihren Stühlen am Spielfeldrand, die anderen hatten ihre Köpfe unter Handtüchern verborgen, um alleine zu sein mitten im Trubel der feiernden Oldenburger, gegen deren Angriff die Hessen nie ein passendes Konzept gefunden hatten. Titus Ivory, der trotz eines Meniskusanrisses in der zweiten Hälfte spielte, hatte einen Wimpernschlag vor dem Ende der Partie den Ball noch einmal bekommen. Hätte er aus der Distanz getroffen, wäre es zur Verlängerung gekommen. So aber blieb es bei der knappen Niederlage und dem Aus. Nein, niemand sei ihm böse wegen dieses ohnehin sehr schwierigen Wurfes, sagte Ivory, als er aus der Kabine kam – lächelnd in einer Art, die man kurz zuvor bei Didin gesehen hatte.
Zeit der Abschiede fängt bald an
Der leichtfüßige Amerikaner ist einer jener Spieler, die man im kommenden Jahr wohl nicht mehr im Kader der Skyliners finden wird. „Der Klub hatte lange Gelegenheit, mit mir zu sprechen“, sagte Ivory schulterzuckend, „offenbar gibt es da andere Pläne.“ Die Zeit der Abschiede wird nun bald anfangen. Bis zum 26. Juni, an dem die Skyliners das zehnjährige Bestehen ihres Klubs feiern, soll das Team noch zusammenbleiben. Bis dahin sind Testspiele denkbar, vielleicht sogar ein paar Tage im Trainingslager. In dieser Zeit wird es auch Gespräche geben über die Zukunft mancher Spieler.
Es sind nicht allzu viele, deren Bleiben gesichert ist. Pascal Roller ist einer von jenen, mit denen man in der kommenden Spielzeit rechnen kann. Sein Vertrag läuft bis 2011. Bleiben wird sicher auch Ilian Evtimov; der Bulgare mit französischem Pass hat noch einen Vertrag für die kommende Spielzeit. Angebote der Skyliners liegen Derrick Allen und Keith Simmons vor. Für beide beginnt nun die Zeit des Verhandelns. Zudem ist in der bevorstehenden Saison auch mit Konrad Wysocki zu rechnen, auf dessen Bleiben der Verein eine Option hat. Über einen Kontrakt verfügt Jimmy McKinney, der sich in dieser Saison ein wenig im Schatten seines Cousins Lorenzo Gordon bewegte. Dass dessen Einfluss auf ihn nicht immer der beste gewesen sein soll, klang hier und da an. Gordon, der ein Kämpfer unter dem Korb ist, aber wegen einer Muskelverletzung in den beiden letzten Spielen nicht half, ist ein Kandidat für einen Vereinswechsel.
Hinter ihm öffnet sich ein großer Kreis jener, die wohl von Frankfurt Abschied nehmen werden. Genau wie Titus Ivory wird sich offenbar auch Adam Emmenecker einen neuen Verein suchen. „Frankfurt ist eine großartige Stadt“, sagte der amerikanische Point Guard und fügte vieldeutig hinzu: „Aber es gibt noch so viele tolle Städte zu entdecken.“ Ob es für die beiden Center Anthony King und Greg Jenkins eine Zukunft am Main geben wird, ist fraglich. Beide wurden verpflichtet, um die notorische Frankfurter Schwäche unter dem Korb zu beseitigen. Am Ende der Saison war genau diese ein Grund für das Scheitern.
Und was ist mit Didin?
Dann gibt es da noch zwei deutsche Spieler. Dominik Bahiense de Mello hat zwar noch einen Vertrag bis 2011 und studiert mit Skyliners-Unterstützung an der Frankfurt School of Finance and Management. Doch de Mellos Verhältnis zu Didin war in dieser Saison angespannt – auch hier ist also eine Trennung nicht ausgeschlossen. Genau wie bei Max Weber. Er hatte sich nach einer langen Reihe von Verletzungen kaum steigern können.
Und was ist mit Didin? Am Dienstagabend war nur wenig zu erfahren von „Baba“, der Vaterfigur der Skyliners. Aber zwischen ihm und Gunnar Wöbke, dem Geschäftsführer der Skyliners, gibt es einen Handschlagvertrag. Dass der türkische Trainerfuchs bald wieder zurückfinden wird zu seiner alten Eloquenz und den immer wieder neuen bildhaften Vergleichen, damit kann man fest rechnen. Denn wenn Didin nur lächelt, stimmt etwas nicht.