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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Frankfurt-Marathon Triumph der Hartnäckigkeit

 ·  Der eisige Frühwinter lässt das Unternehmen Weltrekord scheitern. Aber Sieger Patrick Makau zeigt dennoch seine Klasse. „Es war das härteste Rennen meines Leben“, sagt er nach seinem Sieg über die Zweifel.

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© dpa Genießer nach der Qual: Marathon-Sieger Makau

Es war alles bestens vorbereitet - und doch war das große Thema Weltrekord schon vor dem Start so gut wie abgehakt. Dazu genügte der Blick aufs Thermometer. Drei Grad beim Start, ein leiser, aber schneidend kalter Ostwind, der durch die Straßen von Frankfurt strich - das war trotz Sonne doch ein bisschen zu viel Frühwinter beim letzten großen Herbstmarathon in Deutschland. Und da hatten sie noch Glück am Main, dass das heftige Schneetreiben vom Vortag blauem Himmel gewichen war.

Dennoch, bei solchen Temperaturen stößt auch das schnellste Feld in der dreißigjährigen Geschichte des Frankfurt Marathons inklusive Weltrekordhalter Patrick Makau an seine Frostgrenze. Trotz der verlockenden Aussicht, in gut zwei Stunden 130.000 Euro zu verdienen. Das wäre die Prämie für eine neue Weltbestmarke gewesen, die Makau selbst seit September 2011 (2:03:38 Stunden in Berlin) hält. Das erste Frankfurter Unternehmen Weltrekord scheiterte, aber der Sieg von Makau in 2:06:08 Stunden vor dem Äthiopier Deressa Chimsa (2:06:52) und Gilbert Kirwa aus Kenia (2:07:35) war dennoch ein Triumph der Hartnäckigkeit und Geduld.

„Es war das härteste Rennen meines Leben“

Selbst Experten hatten ihre Zweifel, ob der 27 Jahre alte Kenianer es überhaupt bis ins Ziel schaffen würde. Schon nach zehn Kilometern hatte sich Makau zum ersten Mal an den Oberschenkel gefasst und war ein Stück hinter die zu diesem Zeitpunkt noch stattliche Spitzengruppe zurückgefallen. Ein Alarmzeichen. Es war das Bild dieses Rennens, das sich sechs-, siebenmal wiederholte. Makau in Not, Makau im schnellen Vorwärtsgang. Und jedes Mal, wenn man dachte, jetzt sei der Weltrekordhalter endgültig weg vom Fenster, stürmte der Kenianer wieder nach vorne in die weiter ausdünnende Spitzengruppe, als habe er einen plötzlichen Energieschub bekommen.

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Bestzeit erreicht: F.A.Z.-Starläufer Cai-Tore Philippsen (3:18:02) erreicht anders als Weltrekordhalter Makau sein Ziel locker und leicht in gelöster Stimmung © F.A.Z. Bestzeit erreicht: F.A.Z.-Starläufer Cai-Tore Philippsen (3:18:02) erreicht anders als Weltrekordhalter Makau sein Ziel locker und leicht in gelöster Stimmung

Das ging so bis Kilometer 39, als Makau seine letzte Aufholjagd startete. Und der fiel dann auch der alleinige Spitzenreiter, der Äthiopier Chimsa, zum Opfer. Die letzten drei Kilometer galoppierte Makau vorneweg, als habe es die Probleme nie gegeben. Dass der Weltrekordhalter seinen Sieg mit einem angedeuteten Tänzchen feierte, selbst wenn statt der 130.000 möglichen nur 30.000 Euro auf seinem Konto eingehen werden, zeigt, dass Siege über sich selbst oft die schönsten sind. „Es war das härteste Rennen meines Leben“, sagte Makau und versuchte zu erklären, was da passiert war. „Meine Muskeln waren verkrampft wegen der Kälte. Ich konnte anfangs überhaupt nicht beschleunigen, weil meine Beine nicht reagiert haben, also musste ich abwarten und Geduld haben.“

Einfach dranbleiben, bis sich die richtige Betriebstemperatur eingestellt hatte. Erst bei Kilometer 35 fing er an, wieder an sich zu glauben. Und an den Sieg. Der war ihm wichtiger als die Zeit. „Du kannst nicht jeden Tag Weltrekord laufen.“

Die Frankfurter-Marathon-Macher um Renndirektor Jo Schindler haben diesmal viel Geld gespart, auch wenn der Sieg der äthiopischen Debütantin Meselech Melkamu in der neuen Streckenrekordzeit von 2:21:01 Stunden noch einmal 50.000 Euro kostete. Aber bei den Männern ist der stete Aufwärtstrend am Main dem Wintereinbruch zum Opfer gefallen. Oder, wie Schindler es formulierte: „Wir haben den Weltrekord eingefroren.“

Erst im vergangenen Jahr haben sie am Main endgültig erkannt, dass die früher als zu eng und zu kantig verschrieene Strecke zum Weltrekordpflaster taugt. Damals ist Makaus Landsmann Wilson Kipsang nur um vier Sekunden am Weltrekord gescheitert - bei allerdings idealen Bedingungen. Die 2:03:42 Stunden waren der vorläufige Höhepunkt in einer Entwicklung, die den Frankfurt Marathon im Ranking der schnellsten Strecken an Position zwei hinter Berlin katapultiert hatte. „Da muss man natürlich an dieser Schraube weiterdrehen“, sagt Schindler.

„Ich bin sauber, ich werde sehr häufig kontrolliert“

Sofern man die richtigen Leute verpflichten kann. Das ist nicht immer nur eine Sache von Angebot und Nachfrage. Manchmal hilft auch der Zufall. Oder in Sachen Makau der kenianische Leichtathletikverband. Der hatte seinen schnellsten Mann überraschend nicht für die Olympischen Spiele in London nominiert. Warum, das weiß bis heute keiner so genau. Vielleicht, weil Makau bei der Generalprobe, dem London Marathon im April, vorsichtshalber vorzeitig ausgestiegen war, weil der Ischiasnerv zwickte und er kein Risiko eingehen wollte.

Was für Makau eine Riesenenttäuschung war, entpuppte sich als das Glück der Frankfurter Marathon-Macher. „Sonst hätten wir ihn wohl nicht bekommen“, sagt Christoph Kopp, der Ressortleiter Topathleten. Und Makau hat dieses einzige Negativerlebnis seiner Karriere geprägt. „Mir ist schon London durch den Kopf gegangen“, sagte er jetzt in Frankfurt. Noch mal aufgeben kam für ihn nicht in Frage. Es war ein Sieg des Willens - aus der Defensive.

In die war Makau auch in anderer Hinsicht geraten. Kurz vor dem Rennen waren Doping-Anschuldigungen gegen den Kenianer aufgetaucht. Als angeblicher Kunde eines Geschäftes in Nairobi, das Epo anbieten soll, und als möglicher Kunde einer Klinik in Kapsabet. Er sei weder das eine noch das andere, sagte Makau. Er sei ja nicht einmal an den fraglichen Orten gewesen: „Ich bin sauber, ich werde sehr häufig kontrolliert, und ich weiß nicht, woher diese Dinge kommen. Aber ich weiß, dass ich als Weltrekordhalter mit solchen Gerüchten leben muss.“

Leichtathletik, Marathon in Frankfurt

Männer: 1. Patrick Makau (Kenia) 2:06:08 Std.; 2. Deressa Chimsa (Äthiopien) 2:06:52; 3. Gilbert Kirwa (Kenia) 2:07:35; 4. Peter Some (Kenia) 2:08:29; 5. Bazu Worku (Äthiopien) 2:08:35; 6. Albert Matebor (Kenia) 2:08:57; 7. Victor Kipchirchir (Kenia) 2:09:16; 8. Shume Hailu Legesse (Äthiopien) 2:10:03; ...16. Sören Kah (Frankfurt/Main) 2:13:57; ... 26. Markus Weiß-Latzko (Tübingen) 2:18:06; ...1978. Cai Philippsen (FAZ.NET) 3:18:02

Weltklasse-Läuferin Meselech Melkamu aus Äthiopien hat gleich bei ihrem Marathon-Debüt das Rennen in Frankfurt gewonnen und dabei einen Streckenrekord für Frauen aufgestellt. Die 27-Jährige lief die 42,195 Kilometer am Sonntag in 2:21:01Stunden. Das deutsche Talent Lisa Hahner aus Fulda erreichte bei ihrem ersten Marathon ebenfalls ihr Ziel. Sie blieb als Achte in starken 2:31:28 unter der anvisierten Zeit von 2:32 Stunden.

Frauen: 1. Meselech Melkamu (Äthiopien) 2:21:01 Std.; 2. Georgina Rono (Kenia) 2:21:39; 3. Mamitu Daska (Äthiopien) 2:23:52; 4. Bezunesh Bekele (Äthiopien) 2:23:58; 5. Agnes Barsosio (Kenia) 2:24:27; 6. Zemzem Ahmed (Äthiopien) 2:27:16; 7. Iwona Lewandowska (Polen) 2:28:36; 8. Lisa Hahner (Fulda) 2:31:28; ...11. Veronica Pohl (Leverkusen) 2:35:02

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Jahrgang 1956, Sportredakteur.

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