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Frankfurt Lions : „In meinem Film sind die Löwen echter als echt“

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„Der charismatischste Coach der Liga”: Filmemacher Winter über Trainer Chernomaz (Foto) Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

An diesem Mittwoch feiert der Film „Unter Löwen - Between the Lions“ über das Frankfurter Eishockey-Team Premiere. Im F.A.Z.-Interview spricht Filmemacher Uwe Winter über grölende Spieler unter der Dusche, Gänsehaut-Gefühle und die berüchtigte „Axt von Manitoba“.

          Uwe Winter stammt aus Rodgau und arbeitet als Filmemacher im Rhein-Main-Gebiet. An der Fachhochschule Frankfurt besitzt er im Fach „Ästhetik, Kommunikation, Neue Medien“ einen Lehrauftrag. Er selbst versteht sich als „Cross-medialer Medienkünstler“. Der 34-Jährige dreht Beiträge für Festivals, aber auch die Industrie, darunter die Fraport AG. Den Lions hilft er seit drei Spielzeiten bei der Videoanalyse der Heimspiele.

          Das Rohmaterial für „Unter Löwen - Between the Lions“ umfasst ein Datenvolumen von 6000 Gigabyte - eine Menge, für die man den Speicherplatz von 1300 DVDs benötigt. In bearbeiteter Form ist der Film neunzig Minuten lang, die Musik haben unter anderem der Badesalz-Komiker Henny Nachtsheim und Ali Leander von den Rodgau Monotones komponiert. An diesem Mittwoch feiert der Film im Kinopolis im Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach Premiere.

          Wie kam es zu der Idee, die Löwen über Monate mit der Kamera zu begleiten?

          Vor etwas mehr als einem Jahr saß ich nach einem Heimspiel mit dem damaligen Leiter des Marketings, Toni Huber, zusammen, und wir gerieten ins Plaudern über das „Sommermärchen“, den ich zuvor mit meinen Neffen im Kino gesehen hatte. Toni hatte die fixe Idee, etwas Ähnliches zu realisieren. Ich sagte: Können wir machen, sei dir aber im Klaren, dass es keine Kopie vom „Sommermärchen“ werden wird. Und wir das Ding auf keinen Fall „Wintermärchen“ nennen. Heute, da alles im Kasten ist, kann ich sagen, ein Abklatsch ist es tatsächlich nicht geworden. Bei „Unter Löwen – Between the Lions“ sind Szenen und Sachen zu sehen, die gibt es in dieser Art im Wortmann-Film nicht. Und ich bin im Vergleich zu ihm ein guter Kameramann.

          „Ein 'Sommermärchen' mit Happy End ist es nicht”
          „Ein 'Sommermärchen' mit Happy End ist es nicht” : Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

          Sie waren über Wochen und Monate so dicht wie sonst kein Außenstehender an den Eishockeyspielern der Lions dran, auf der Bank dabei, es haben sich Nähe und Beziehungen entwickelt. Ist Ihnen in entscheidenden Momenten, zum Beispiel den Play-offs, die Zurückhaltung schwergefallen?

          Ich trage heute noch den Trainingsanzug! Nein, im Ernst: Die Professionalität hat darunter nicht gelitten. Meine Aufgabe war es, unauffällig in Erscheinung zu treten und so zu tun, als ob ich dazugehöre – nur eben mit Kamera in der Hand. Als es um mich herum laut und hektisch wurde, bin ich ruhig geblieben, habe den Finger auf den Aufnahmeknopf gedrückt und mich darauf konzentriert, dass die Schärfe stimmt und der Ton richtig ausgesteuert ist.

          Besaßen die Spieler ein Vetorecht, wenn Sie in bestimmten Szenen nicht gefilmt werden wollten?

          Offiziell gab es so etwas nicht. Bis Januar hatten wir eine Probephase vereinbart. Als die vorbei war, habe ich dem Team einen zehnminütigen Ausschnitt vorgespielt, um ihnen zu zeigen, was aus dem Material werden kann, das ich zusammentrage. An diesem Abend wurde viel gelacht, vor allem über eine Szene, in der Tobias Wörle unter der Dusche steht und „Verdammt ich lieb dich“ grölt. Das können wir leider nicht im Kino zeigen, sonst müssten die Lions Matthias Reim noch Gema-Gebühren bezahlen. Anschließend haben Chernomaz und später auch Manager Dwayne Norris das Projekt endgültig abgenickt. Es gibt aber auch Spieler, die im Film nicht so oft zu sehen sind. Ein ganz probates Mittel, nicht ständig im Mittelpunkt zu sein, ließ sich Michael Bresagk einfallen: Immer, wenn er sah, dass ich mit der Kamera in der Nähe war, hat er „Hallo, Uwe!“ gerufen – damit war die Szene tot.

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