02.11.2005 · Der Fernsehpoker um die Bundesligarechte ist eröffnet. Die Deutsche Fußball Liga schrieb insgesamt 233 Rechtepakete für maximal drei Spielzeiten mit Beginn der Saison 2006 aus.
Christian Seifert hat seine Hausaufgaben gemacht. Nur vier Monate, nachdem er Nachfolger von Wilfried Straub als Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga (DFL) geworden ist, stellte der Marketing-Experte der Öffentlichkeit ein Vermarktungskonzept des Profifußballs für die kommenden drei Jahre vor, das sage und schreibe 233 Einzelpakete umfaßt.
Natürlich werden die nicht alle verkauft, denn einige sind Alternativen zu anderen. Aber mehr als die bisherigen 300 Millionen Euro pro Saison werden allemal erlöst werden - das erklärte Ziel ist 400 plus x. Der Trick bei der neuen Ausschreibung ist, daß die Pakete oft nur Häppchen enthalten. Das hat übrigens auch die EU-Kommission in Brüssel so gewollt, mit der sich die DFL abgestimmt hat. Wer ein großes Ganzes will, muß also mehrere Pakete erwerben.
Auch die Rentner auf Mallorca
Beispiel ARD: Will sie die „Sportschau“ auf dem bisherigen Sendeplatz als Erstverwerter im Free TV behalten, muß sie mindestens drei Pakete kaufen: Das für eine terrestrische Ausstrahlung (Antenne), das für die Kabel- und das für die Satelliten-Ausstrahlung. Schließlich wollen auch die Rentner auf Mallorca die Bundesliga sehen - und die Zahl der Kabelanschlüsse nimmt in Deutschland immer mehr zu.
Für Premiere gilt ähnliches: Will der Pay-Sender weiterhin alle neun Spiele live zeigen, muß er tiefer in die Tasche greifen, alleine schon, um sich das Freitagspiel zu sichern. Denn es darf als gewiß gelten, daß RTL (rückläufige Quoten bei Formel 1) oder Sat.1 (ab 2006 keine Champions League mehr) sich um diese attraktive Ware balgen werden. Und Konkurrenz treibt den Preis. Auch die bisherige Zusammenfassung auf Premiere direkt nach dem Abpfiff ist natürlich ein eigenes Paket, für das sich - da überschaubar - auch Kabel Deutschland interessieren könnte.
Alles ist noch offen
Ob das Freitagspiel kommt, ob ein Samstagspiel auf den frühen Abend gelegt wird: all das ist noch offen. Alles hängt von den eingehenden Angeboten ab. Klar aber ist schon, daß es sonntags die Zusammenfassungen im frei empfangbaren Fernsehen erst ab 22 Uhr geben wird. Die bisherige DSF-Sendung „Bundesliga: Der Sonntag“, die schon begann, als die Spiele noch nicht beendet waren, wird es in dieser Form nicht mehr geben - ein erstes Entgegenkommen ans Pay-TV.
35 Firmen haben die Unterlagen angefordert. Dazu gehören acht börsennotierte Unternehmen und 16 Agenturen, darunter Infront und Sportfive. Es ist anzunehmen, daß die sich hauptsächlich um die Auslandsvermarktungsrechte an der Liga bemühen werden. Zu einer Konstellation wie in Frankreich, wo der Pay-Sender Canal plus für 600 Millionen Euro alle Pakete exklusiv gekauft hat, wird es in Deutschland wohl nicht kommen. Dazu sitzt der Schock der Kirch-Pleite, die die Liga viele Millionen gekostet hat, noch zu tief. Streuung ist angesagt, damit eine Insolvenz die Liga nicht wieder bis ins Mark erschüttert. Abgabeschluß für Angebote ist der 1. Dezember.
Die Liga hofft, bis Weihnachten spätestens bekannt geben zu können, welches TV-Gesicht der Profifußball ab dem kommenden Sommer haben wird. Der Poker ist eröffnet.