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Felix Baumgartner im Gespräch : „Alles im Leben hat ein Preisschild“

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Ein Moment für die Ewigkeit: Felix Baumgartner springt der Erde entgegen – aus 39.000 Metern Höhe Bild: Reuters

Felix Baumgartner wurde durch seinen Sprung aus 39.000 Metern weltberühmt. Im FAZ.NET-Interview spricht er über das Leben danach, hochriskantes Weltklasse-Entertainment und Hubschrauberrennen mit der Polizei.

          Herr Baumgartner, vor zwei Jahren sind Sie vom Rand der Stratosphäre zur Erde gesprungen, aus 39.000 Metern Höhe. Was ist, wenn man unten ankommt? Hat sich die Welt dann verändert? Das eigene Leben?

          Eigentlich nicht. Ich bin der Gleiche wie vorher. Ich sehe beim Zähneputzen noch immer dasselbe Gesicht. Aber du wirst anders wahrgenommen. Von einem Tag auf den anderen kennt dich die ganze Welt, weil sie Augen- und Ohrenzeuge dieser Geschichte war.

          Was bedeutet Ihnen das?

          Das ist schön. Es war ein Traum von mir, der Menschheit etwas zu hinterlassen. Ich war immer ein großer Fan von Menschen, die etwas geschafft haben, an das man sich erinnert, ob das jetzt Mozart war oder Ayrton Senna.

          Vor gut einem Monat ist der Google-Manager Alan Eustace aus 41.000 Metern gesprungen. Hat er Ihnen die Schau gestohlen?

          Nein, aber Respekt! Wenn einer so etwas mit 57 Jahren wagt, braucht das Mut. Aber man kann jetzt nicht so tun, als sei da ein Google-Manager mal kurz vorbeigekommen, wäre aus 41.000 Metern abgesprungen und danach wieder zurück ins Büro. Alles ohne die großen Millionen von Red Bull, ohne Kapsel, ohne alles. Der Mann ist Vizechef von Google, hat selbst viele Millionen, der braucht keinen Red-Bull-Chef Mateschitz. Und dahinter steckt auch ein handfestes wirtschaftliches Interesse, es ist nicht uneigennützig. Dahinter steht eine Firma, die im nächsten Jahr für 75.000 Dollar Flüge in einer Zwei-Mann-Kapsel anbieten will, die ein Helium-Ballon auf 30.000 Meter bringt. Die Leute können oben Fotos machen, dann wird der Ballon ausgeklinkt, und die Kapsel kommt am Fallschirm wieder runter, so ist der Plan.

          Aber Eustace hat Ihnen einen Rekord abgenommen.

          Ja, aber nur den des höchsten Absprungs. Den längsten Freifall und die höchste Geschwindigkeit halte ich weiterhin. Außerdem hat er einen Stabilisierungsschirm benutzt, das hat mit echtem Fallschirmspringen nichts zu tun. Und eines kann mir sowieso niemand nehmen: Ich war der erste Mensch, der mit Überschallgeschwindigkeit geflogen ist.

          50 Millionen Dollar, heißt es, habe sich Red Bull Ihr Stratos-Projekt kosten lassen. Viel Geld. Zu viel Geld?

          50 Millionen? Keineswegs. Es hat weniger als die Hälfte gekostet. Und man muss einmal überlegen: Was haben wir gemacht? Wir haben mit der Investition von Red Bull Hunderten von Millionen Menschen spannende Stunden bereitet. Und nicht nur das. Die Nasa hat uns hinterher immer wieder gesagt, sie versuche seit Jahren, die Jugend für die Raumfahrt zu begeistern, und es gelinge ihr nicht, aber wir hätten es mit dem Stratos-Projekt geschafft. Es ist eine Tatsache, dass wir eine Nachhaltigkeit haben, ich habe das jetzt gerade wieder bei einem Vortrag vor 300 Studenten erlebt. Und das alles haben wir ohne Steuergelder geschafft.

          Es gibt Stimmen, die sagen, mit dem Geld hätte man Sinnvolleres anfangen können.

          Das kann man immer sagen. Das kann man beim nächsten James-Bond-Film sagen. Das kann man bei der Fußball-Weltmeisterschaft sagen. Das kann man bei Olympia sagen. Wenn man auf all das verzichten wollte, auf dieses ganze Weltklasse-Entertainment, dann könnte man das Geld, das es kostet, spenden. Aber seien wir ehrlich: Damit wäre kaum einer glücklich.

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