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Federer gewinnt die US Open New Yorks Liebling hat noch lange nicht ausgespielt

09.09.2008 ·  Mit seinem fünften US-Open-Sieg in Folge knackte Roger Federer mehrere Rekorde. Dabei hatte er ein Jahr voller Rückschläge hinter sich. Den Sieg gegen Murray empfindet der Schweizer aber nur als Zwischenschritt auf seinem Rekordweg.

Von Thomas Klemm, New York
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Roger Federer war gerade in sich zusammengesunken und hatte sich einmal über den Platz gekugelt, da wurde er von Zuneigung nur so überschüttet. 20.000 Zuschauer spendeten ihm stehend und johlend Applaus, von der Tribüne herab hing ein Plakat mit dem Wortspiel „Nobody does it Bederer!“, und aus den Lautsprechern im Arthur Ashe Stadium klang das Lied mit dem vielsagenden Titel „You're still the one“.

Die Amerikaner lieben den Schweizer fast wie einen der Ihren, sie mögen seine Art zu spielen, seine Fairness und sein souveränes Auftreten. Federer ist Kult in New York, darum konnte es kaum einen besseren Ort geben, um sich nach einem Jahr voller Rückschläge wieder als Champion feiern zu lassen.

„Halbfinals und Endspiele helfen mir nicht mehr viel“

Zum fünften Mal in Folge gewann der Siebenundzwanzigjährige am Montag die US Open, ein Kunststück, das zuletzt Bill Tilden gelungen war - vor 84 Jahren. „Halbfinals und Endspiele helfen mir nicht mehr viel in meiner Karriere“, sagte Federer, nachdem er sein erstes großes Turnier anno 2008 gewonnen hatte. Der Schweizer denkt längst in ganz anderen Dimensionen: Nach seinem dreizehnten Grand-Slam-Titel fehlt ihm nur noch ein weiterer, um zu Pete Sampras' historischer Bestmarke aufzuschließen.

Auf diesen Titel hatte er länger warten müssen als vermutet. Nach dem Halbfinal-Aus bei den Australian Open gegen Novak Djokovic, den beiden bitteren Endspielniederlagen gegen Rafael Nadal in Paris und Wimbledon und dem vorzeitigen Scheitern bei den Olympischen Spielen an James Blake blieben Federer nur noch die US Open und demnächst der Masters-Cup, um ein für seine Ansprüche mäßig verlaufende Saison doch noch erfolgreich abzuschließen.

„Ich glaube, dass ich noch besser spielen kann“

Er habe nie daran gezweifelt, dass er noch einen großen Titel holen könnte, sagte der Siebenundzwanzigjährige: „Ich habe mich nicht unter Druck gefühlt, mich zu beweisen und hier gewinnen zu müssen.“ Dass er sich dennoch von Spiel zu Spiel in das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres hineinsteigerte und im Finale den Schotten Andy Murray 6:2, 7:5 und 6:2 besiegte, empfand Federer nur als Zwischenschritt auf seinem weiteren Weg in die Rekordbücher. „Ich glaube, dass ich noch besser spielen kann, aber es genügte, um die US Open zu gewinnen.“

Mit dem Triumph hat der Schweizer zwei weitere Bestmarken erreicht. Als dritter Spieler in den vierzigjährigen Open-Ära nach Jimmy Connors und Pete Sampras holte er fünf US-Open-Titel; als erster Spieler überhaupt gewann er bei zwei Grand-Slam-Turnieren fünfmal in Folge: in Wimbledon (2003 bis 2007) und in New York (2004 bis 2008). Was für die Rekordbücher noch fehlt, ist der vierzehnte große Titel. „Er hat vielleicht noch vier Jahre an der Spitze“, sagte Finalgegner Murray, „darum wäre ich überhaupt nicht überrascht, wenn er Sampras übertrumpfen würde.“

„Die Spitze verloren zu haben, das hat mich getroffen“

Während der 21 Jahre alte Schotte mit drei Hartplatztiteln in dieser Saison nach Flushing Meadows gekommen war, hatte sich Federer mit relativer Erfolglosigkeit abfinden müssen. Zwei Turniere gewann er nur, im portugiesischen Estoril auf Sand und im ostwestfälischen Halle aus Rasen, büßte zudem seinen Status als Nummer eins der Welt nach 237 Wochen kürzlich an Rafael Nadal ein.

„Die Spitze verloren zu haben, das hat mich getroffen. Darum ist es das allerbeste Szenario, gleich darauf mit diesem Titel zurückzuschlagen“, sagte Federer, der im Sommer beim Training ein T-Shirt mit der demonstrativen Aufschrift getragen hatte: „Schmerz geht vorüber, Siege bleiben für immer“.

„Er hat großartig gespielt, nur wenige Bälle verschlagen“

Gegen Andy Murray, der erstmals in einem Grand-Slam-Finale stand, zeigte sich Federer am Montag völlig schmerzfrei. In dem Endspiel war nur der zweite Satz keine einseitige Angelegenheit. Nachdem er in diesem Durchgang schnell 2:0 führte, ging der Schweizer weniger konzentriert in die Ballwechsel, verlor prompt im Gegenzug seinen eigenen Aufschlag und leistete sich mehr unerzwungene Fehler (17) als in den beiden anderen Sätzen zusammen. Durch das entscheidende Break zum 7:5 hatte Federer aber den Widerstand des Schotten gebrochen.

„Er hat großartig gespielt und nur wenige Bälle verschlagen“, sagte Murray, der für sich selbst ein zwiespältiges Fazit der US Open zog. „Heute bin ich enttäuscht, aber in einigen Tagen werde ich die zwei Wochen sicher für sehr gut halten.“ Großbritannien nützt das herzlich wenig, wartet es doch seit Fred Perry 1936 auf einen großen Sieger.

Federers Kampfansage an Murray, Djokovic und Nadal

Der Champion von New York hingegen war mit sich und der Tenniswelt rundum zufrieden. „Je stärker die Gegner wurden, desto besser habe ich gespielt“, sagte Federer, der pünktlich zum Finale das Selbstbewusstsein hatte, viele Varianten zu versuchen: mal Serve-und-Volley, mal geduldig von der Grundlinie, mal aggressiv über die Vorhand. Nach nur 1:51 Stunden war das Endspiel beendet, und für Federer war damit die glücklose Zeit vorüber.

„Die olympische Goldmedaille im Doppel hat mich die drei Grand-Slam-Niederlagen vergessen lassen“, behauptete der Weltranglistenzweite, der mit seinem Landsmann Stanislas Wawrinka in Peking siegte. Von Selbstzweifeln geplagt sei er allerdings nie gewesen, sagte Roger Federer. Und um die letzten Zweifel zu zerstreuen, schickte der Schweizer aus New York eine Botschaft in die Welt: „Ich bin am besten darin, herauszufinden, wie der Andere zu schlagen ist.“ Der Andere, das wissen die die Herren Murray, Djokovic und Nadal genau, das sind sie selbst.

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Jahrgang 1966, Sportredakteur.

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