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Fechterin Britta Heidemann Sonderbotschafterin mit Degen

Sich fokussieren können, aber auch nichts ausschließen. Britta Heidemann ist ein Paradebeispiel für einen mehrspurigen Erfolgsweg. Fechten und Chinakenntnisse sind ihre Kernkompetenzen.

© dpa Vergrößern Macht auch auf diplomatischem Parkett eine gute Figur: Britta Heidemann

Schubladendenken ist weit verbreitet, hilft aber nicht weiter. Deshalb kann Britta Heidemann auch wenig mit Fragen anfangen, die ihren Aktionsradius eingrenzen wollen. Ob sie noch Sportlerin sei oder Unternehmerin in eigener Sache, Vortragsreisende oder gar Beraterin? „Es ist ziemlich verwoben“, sagt die 29 Jahre alte Kölnerin über ihre berufliche Einordnung: „Das eine geht in das andere über.“

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Sicher ist, dass sich in ihrem Leben vieles ums Fechten und um China dreht. Und dass sie mit diesen Kernkompetenzen sehr weit gekommen ist. Britta Heidemann ist Olympiasiegerin im Degenfechten, hält Vorträge über mentale Stärke und gilt als Expertin für China-Fragen weit über den Sport hinaus. Vorläufiger Höhepunkt ihrer mehrspurigen Erfolgsgeschichte war die Ernennung zur „Sonderbotschafterin der Bundesrepublik Deutschland“. Mitte Oktober begleitete sie Außenminister Guido Westerwelle auf einer viertägigen Reise nach Peking. Als „sehr spannend“ bezeichnete sie den Ausflug anlässlich des 40. Jahrestages der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und China und bewunderte das „unglaubliche Pensum in so kurzer Zeit“.

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Ihr eigenes Pensum war allerdings auch seit jeher beachtlich. Die Rheinländerin lebte schon als Schülerin zeitweise in Peking, hat später ein Studium der chinesischen Regionalwissenschaften mit Erfolg absolviert und spricht fließend Mandarin. Nicht nebenbei, sondern zudem gewann sie sämtliche Titel, die es in ihrer Sportart zu gewinnen gab. Und das alles, ohne „die innere Balance“ zu verlieren. In der Rückbetrachtung sieht es nach dem Abarbeiten eines großen Plans aus, doch „Träume erfüllen sich am ehesten dann, wenn man sich nicht daran festbeißt“, so ihre Erkenntnis. Manches habe sich auch glücklich ergeben. Zum Beispiel, dass Olympia nach Peking vergeben wurde. Es verstärkte ihren Wunsch, mit dem Fechten Ernst zu machen. Sieben Jahre später gewann sie dort Gold.

Direkte Unterstützung ist wünschenswert

Aus ihrem persönlichen Weg eine Linie ableiten zu können, hält sie deshalb auch für schwierig. „Einige absolute Spitzenathleten haben erfolgreiche duale Karrieren bestritten und eine gute finanzielle Unterstützung“, sagt sie, aber das sei nicht die Regel. „Ein Leistungssportler, der studiert, muss sich finanzieren können.“ Und wenn die Gesellschaft den Mehrwert, den ihr erfolgreiche Athleten bieten, nutzen wolle, müssten die Träger dieser Leistung noch besser unterstützt werden. Und zwar möglichst direkt, und nicht nur über diverse Umwege, wie zum Beispiel die Bundeswehr. Britta Heidemann selbst kämpft für Bayer Leverkusen, wird von der Sporthilfe unterstützt und kann auf diverse private Sponsoren zählen, die „direkt auf mich zu kamen“.

London 2012 - Fechten © dpa Vergrößern Erfolgreich auf der Planche: Degenfechterin Heidemann (l.)

Sie zahlt zurück mit Erfolg und der Währung Aufmerksamkeit. Erst am Montag diskutierte sie in der ARD-Talkshow „Hart aber Fair“ mal wieder über China - und stellte als jüngste Teilnehmerin und einzige Frau zwischen Ministern, Chefredakteuren und Wirtschaftsbossen ihre Kompetenz zum Thema „Weltmacht süß-sauer“ locker unter Beweis. „Herausforderungen annehmen“ ist eben eines ihrer Lebensthemen.

Nerven bewahren, wenn es eng wird

An diesem Donnerstag fliegt sie wieder in den fernen Osten, diesmal auf Einladung eines Sponsors. Der Automobilkonzern ist einer ihrer Werbepartner, pusht sie auch zu neuen Zielen. Jüngst hat die Fechterin eine C-Fahrer-Lizenz erworben, und es dauert nicht mehr lange, bis sie selbst an einem Autorennen teilnehmen wird. „Schnelligkeit, Präzision und Fokussierung sind im Motorsport wie im Fechten nötig, also habe ich es ausprobiert“, sagt die unerschrockene Sportlerin. Ihre starken Nerven hatte sie nicht zuletzt bei Olympia 2012 bewiesen, als sie mit drei Treffern in letzter Sekunde ein verloren geglaubtes Gefecht noch zu ihren Gunsten entschied - und dabei ein ungläubiges Publikum, ein ratloses Kampfgericht und eine in Tränen aufgelöste Gegnerin auf der Planche zurückgelassen hatte.

Als Folge dessen ist die Silbermedaillengewinnerin 2012 zu mehreren Fernsehshows eingeladen und kann sich selbst aussuchen, wo sie ihr bewegtes Jahr Revue passieren lässt. Doch ihr Blick geht schon wieder nach vorne: Auch 2013 wolle sie als Fechterin für Furore sorgen, zunächst aber ihre körperlichen Malaisen auskurieren. Einen zweiten Bandscheibenvorfall hat sie mit Physiotherapie in den Griff bekommen, einen Diskusriss im rechten Handgelenk musste sie operieren lassen. Wie lange sie weitermacht, und ob gar Rio de Janeiro 2016 noch ein Ziel sei, hat sie noch nicht entschieden. „Ich habe in meinem Leben noch nie etwas ausgeschlossen“, sagt sie mit fernöstlicher Gelassenheit.

Quelle: F.A.Z.

 
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