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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Fechten Kratzer auf der Plexiglas-Maske

19.11.2009 ·  Der Deutsche Fechter-Bund zog die Konsequenz aus einem weiteren Unfall mit einer transparenten Maske und verbot sie bis auf weiteres bei seinen Turnieren. Ohnehin sträuben sich die meisten Fechter gegen das teure und schwere Plexiglas.

Von Christiane Moravetz
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Lesen Sie Gebrauchsanweisungen, beachten Sie die Pflegehinweise der Hersteller? „Um Schädigung des Polycarbonats zu verhindern, muss jeglicher Kontakt mit Chemikalien, welche das Material schwächen können, verhindert werden. Insbesondere die Nähe zu PVC darf nicht geduldet werden. Die Maske muss zum Schutz in einem Sack aufbewahrt werden, und während Flugreisen sollte es vermieden werden, sie im Fechtsack zu transportieren. Sie sollte stattdessen als Handgepäck transportiert werden.“ So steht es in den Materialrichtlinien des Deutschen Fechter-Bundes.

„Doch wir wissen nicht, inwiefern unsere Hinweise von den Fechtern wahrgenommen werden“, sagt Frank Messemer. Gerade deshalb kann es gefährlich werden, lebensgefährlich sogar. Und so wünscht sich der Geschäftsführer der Firmen Uhlmann und Allstar, der führenden Hersteller von Fechtartikeln, dass ein Teil seines Geschäfts wegbricht. „Ich hoffe“, sagt er, „dass die FIE endlich einen Rückzieher macht“ - dass der Fechter-Weltverband nämlich transparente Masken verbietet und zurückkehrt zum herkömmlichen Metallgitter.

Die durchsichtigen Masken sollten „mehr Emotionen“ zeigen

Seit einem Unfall bei den Junioren-Europameisterschaften in Odense vor einigen Tagen ist das Thema, das nie so ganz zur Ruhe gekommen war, wieder hochgekocht. Das intakte Florett des Italieners Tommaso Lari hatte bei einem normalen Angriff in das von der Leipheimer Firma produzierte Plexiglas-Visier des Letten Davids Gasilovskis ein etwa zwei Zentimeter großes Loch gebrochen. Wie durch ein Wunder erlitt Gasilovskis nur eine kleine Wunde unterhalb der Nase und konnte den Kampf beenden.

Knapp zwei Jahre zuvor war es in Venezuela schon zu einem Unfall im Training gekommen, als ein abgebrochener Degen durch ein Visier drang und einen Fechter schwer verletzte. Der Deutsche Fechter-Bund zog nun Anfang dieser Woche die Konsequenz, verbot für seine Turniere bis auf weiteres alle transparenten Masken. Auch die FIE reagierte: Präsident Alisher Usmanow setzte die Pflicht zum Tragen der Plexiglasvisiere aus, die bei internationalen Meisterschaften und Grand-Prix-Turnieren von der Runde der letzten 32 an besteht.

Es war Usmanows Vorgänger René Roch, der sich den großen Durchblick verschaffen wollte. Der Franzose, von 1993 bis Ende vergangenen Jahres FIE-Präsident, hatte sich auf eine Forderung des Internationalen Olympischen Komitees berufen, das vor allem bei Fernsehübertragungen „mehr Emotionen“ sehen wollte. So wurden vor rund zehn Jahren die ersten Modelle entwickelt, bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen mussten die Säbelfechter dann ihr wahres Gesicht zeigen. Die vielen Einwände der Aktiven wurden übergangen, bis heute sträuben sich die meisten Fechter gegen das Plexiglas.

Das Plexiglas beschlägt in der Hitze des Gefechts

Knapp anderthalb Kilogramm wiegt eine Gitterfenster-Maske, die nach jahrelangem täglichen Tragen ohnehin Probleme mit der Halswirbelsäule verursachen kann; noch einmal rund ein Pfund schwerer ist die moderne Variante. Und mehr als doppelt so teuer: Anstatt etwa 120 Euro kostet sie zwischen 250 und 300 Euro. Die Aktiven bekommen schlechter Luft, das Plexiglas beschlägt in der Hitze des Gefechts. Nur zwei Jahre lang darf so eine Maske getragen werden, doch auch zwischendurch muss das 20 Euro teure Visier mehrfach ausgetauscht werden - wenn der Kunststoff Kratzer bekommen hat. „Unsere Waffenwarte stöhnen ganz schön“, sagt Degenfechterin Imke Duplitzer, von Anfang an vehemente Gegnerin der neuen Masken, „schließlich tragen sie dann die ganze Verantwortung.“ Beim schwierigen Geschäft, den Kunststoff mit Hilfe von Schrauben in den Rahmen der Maske einzusetzen, sind nämlich Können und Fingerspitzengefühl gefragt.

„Die Sicherheit wurde ganz einfach dem Kommerz geopfert“, sagt Imke Duplitzer, „wir müssen nicht unbedingt schick aussehen.“ Und auf den Einwand, Fechter sträubten sich gegen den Durchblick, weil sie ihrem Gegner im Gefecht ihre Absichten nicht glasklar offenbaren wollten, antwortet sie: „Wir sehen uns auch unter der Gittermaske, ohne dass wir uns in die Augen schauen.“

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