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Fechten Der Gegner in mir

02.10.2009 ·  23 von 24 deutschen Startern stehen bei der Fecht-WM mit Degen, Florett oder Säbel in der K.o.-Runde der besten 64. In einer Sportart, in der Millimeter eines gestreckten Armes entscheiden können, ist Selbstvertrauen maßgeblich für den Erfolg.

Von Christiane Moravetz
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Manchmal hört Katja Wächter Whitney Houston zu, hört sich deren Song von diesem einen Moment an, die „Olympiahymne“ von 1988. Manchmal sieht sie sich fechten, gewinnen, sieht, „wie ich diejenige bin, die jubelt“. Ihr Puls geht dann „hoch auf 180“ - so wie Mitte Juli, als sie sich freuen durfte, obwohl sie verloren hatte: im Finale der Europameisterschaften. Endlich hatte Katja Wächter mit Rang zwei bei einer großen Meisterschaft eingelöst, was Trainer und Beobachter sich längst von ihr versprochen hatten, und langsam beginnt die Florettfechterin vom FC Tauberbischofsheim, an sich zu glauben. „Ein bisschen muss ich das noch üben.“ Sie sei ein „Tiefstapler, auch mir selbst gegenüber“, sagt die 27-jährige Katja Wächter, „das hilft mir, mich nicht so unter Druck zu setzen“.

Auch Sven Schmid, im gleichen Verein zu Hause wie Katja Wächter, fehlt noch der rechte Glaube: „Ich sehe das nicht ganz, was die Trainer mir oft sagen: dass ich fechterisch so gut bin“. Schmid, 31 Jahre alt, wurde Degen-Europameister im Juli, und nicht nur sein Trainer Didier Ollagnon hofft, dass damit endlich der größte Gegner für Schmid aus dem Weg geräumt wurde: er selbst, sein Kopf, der ihn zuvor immer wieder am großen Erfolg gehindert hatte. Denn „wenn etwas entscheidend ist in unserer Sportart, dann sind es nicht die ominöse Konzentrationsfähigkeit oder Entschlussfreude“, sagt Manfred Kaspar, der Sportdirektor des Deutschen Fechter-Bundes, „es ist Selbstvertrauen, das ist maßgeblich“.

Heidemann, Limbach, Kleinbrink: Gegenentwurf zu Zweiflern und Grüblern

Breite Brust also: „Wenn wir es jetzt nicht optimistisch angehen, dann weiß ich nicht, wann wir es überhaupt tun sollten“, sagt Kaspar deshalb vor den Weltmeisterschaften, die mit Qualifikationsrunden in der türkischen Urlauberstadt Antalya auch erfolgreich begannen. 23 von 24 deutschen Startern schafften den Einzug in die Hauptrunden, in denen ab Samstag um Einzelmedaillen gekämpft wird. Der einzige Ausfall ist einer Verletzung geschuldet. „Das waren bisher sehr, sehr ordentliche Leistungen. Wir haben ein sehr schlagkräftiges Team am Start, das höre ich auch häufig von den anderen Nationen. Wir haben einige Hoffnungen auf Medaillen“, sagte Kaspar.

Von der WM 2007 über die Olympischen Spiele von Peking bis zur EM in diesem Sommer in Plowdiw ist die Brust des Deutschen Fechter-Bundes immer breiter geworden. Sechsmal Gold - dreimal allein für Degenfechterin Britta Heidemann -, dazu sieben weitere Medaillen geben dem Verband das gute Gefühl, mit seiner Konzeption auf dem richtigen Weg zu sein. „Vor allem sind die Ergebnisse aber darauf zurückzuführen, dass wir gute Fechter haben“, sagt Kaspar.

Fechter wie Nicolas Limbach, Führender der Säbel-Weltrangliste. „Mein Selbstbewusstsein ist enorm“, sagt der Dormagener. „Ich bin überzeugt von mir, aber nicht überheblich. Ich nehme jeden Gegner ernst, habe Respekt - aber ich fühle mich schon als Nummer eins der Welt.“ Limbach, auch Britta Heidemann oder Florett-Olympiasieger Benjamin Kleibrink wirken wie der Gegenentwurf zu Zweiflern und Grüblern, deren Erfolge für viele überraschend kommen. „Ich sehe die Gegner, die supergut sind“, sagt Schmid, „ich weiß, die können mich alle schlagen, und dahinter warten noch andere.“

Stärke, die im Selbstbewusstsein begründet liegen

Die Tagesform entscheide, sagt Schmid, wie alle Fechter. „Man trainiert das ganze Jahr, und dann kommt es auf diesen Moment an“, sagt Katja Wächter. „Es kann ja auch ein Tag sein, an dem ich aufstehe und mich besser wieder hingelegt hätte.“ Limbach hält dagegen: „Mir ist bewusst, dass in dem Moment, in dem ich an mir zweifele, nicht der mein Gegner ist, der mir gegenübersteht, sondern dass ich es bin.“

Limbach, erst 23 Jahre alt, repräsentiert eine Generation von Fechtern, die kaum von Zweifeln geplagt werden. Er sei ein Wettkampftyp, „ich habe Lust, mich zu messen auf höchstem Niveau“. Auch er kennt zur Genüge solche Tage, an denen nichts funktioniert. „Aber irgendwann habe ich den Schalter umlegen können und an den Tagen, an denen ich schlecht drauf war, trotzdem relativ viele Gefechte gewonnen.“ Das sei eine Stärke, die in seinem Selbstbewusstsein begründet liege.

Professionelle Hilfe, um dem Druck zu widerstehen

An solchen Tagen besiegt man auch Gegner, die übermächtig erscheinen. In einer Sportart, wo Treffer in Sekundenbruchteilen gesetzt werden, wo Millimeter eines gestreckten Armes entscheiden können, sind Seriensieger selten, „und bei allem Selbstvertrauen letztlich auch nicht planbar“, sagt Kaspar. Britta Heidemann ist mittlerweile eine Seriensiegerin, vor allem aber ist es die 35 Jahre alte Italienerin Valentina Vezzali, die bei allen Olympischen Spielen seit 1996 Gold gewann. Ihr stand Katja Wächter im EM-Finale gegenüber - ein wenig wie die Maus der Schlange. „Sie baut so einen Druck auf, dass man denkt, da ist eine Wand“, sagt die Deutsche. „Da steht eben nicht irgendeine Gegnerin, da steht die Vezzali.“

Um letztlich auch ihr beizukommen, will Katja Wächter spätestens für die Europameisterschaften in ihrer Heimatstadt Leipzig im nächsten Jahr professionelle Hilfe bemühen. „Denn wenn ich die Vezzali schlage, dann nur mit professioneller Hilfe.“ Und mit dem nötigen Selbstvertrauen.

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