14.12.2007 · Katarina Witt bringt für Pro Sieben wieder „Stars auf Eis“ und übt sich dabei in Liebhab-Moderationen. Die Schlitterpartie ist ganz gut gemacht. Und doch ein Fall für alle, die gern Bier holen gehen wollen beim Fernsehen oder das Schlafzimmer tapezieren.
Von Peer SchaderDas hätte man als Kind vermutlich ziemlich toll gefunden: einen ganzen Freizeitpark nur für sich und seine Freunde zu mieten und dann eine Riesensause zu veranstalten, den ganzen Tag Achterbahn zu fahren und Zuckerwatte zu schlecken bis es dem ersten übel wird. Oder langweilig.
Pro Sieben hat jetzt jede Woche einen Freizeitpark für sich. Nicht den ganzen, es muss ja gespart werden in München, und fürs Achterbahn Fahren ist gerade der Schwestersender Sat.1 verantwortlich. Pro Sieben reicht schon eine geräumige Halle, um dort wöchentlich mit Freunden und Bekannten auf Schlittschuhen übers Eis zu toben. Am Donnerstagabend ist die zweite Staffel „Stars auf Eis“ gestartet. Katarina Witt hat moderiert, sofern man das so nennen kann, wenn eine erfolgreiche Eiskunstläuferin, die gerade bei „Kerner“ ihr selbst gewähltes Karriere-Aus beweinte, die ganze Zeit gluckst und kichert und die Kindergartenfrau für ihre prominenten Kandidaten spielt. Die hatten ein paar Wochen Zeit, sich mit Profi-Eiskunstläufern auf diesen Abend vorzubereiten, um nicht ganz so ungeübt vors Publikum zu schliddern. Und immerhin: Es sah ganz passabel aus, was die Promis da leisteten.
Im vergangenen Jahr war die Show auf Pro Sieben schon mal recht erfolgreich, während RTL mit seinem parallel gezeigten „Dancing on Ice“ nicht ganz so viel Glück hatte. Das wiederum erspart uns nun ein weiteres Doppel. Und irgendwie muss man bei Pro Sieben nach dem „Popstars“-Ende in der vergangenen Woche ja auch die Zeit bis zum Start der neuen Staffel „Germany's Next Topmodel“-Staffel im Februar überbrücken.
Wie man Fernsehen zum Nebenbeimedium macht
Mal sehen, ob der Make-up-Mann Boris Entrup dann immer noch so griesgrämig guckt. Denn das „Topmodel“-Jurymitglied, das am Donnerstag selbst für seine Leistung auf dem Eis beurteilt wurde, fiel nicht nur bei den Pro-Sieben-Juroren, sondern auch beim Publikum durch. Nächste Woche ist Entrup schon nicht mehr dabei. Ebenso wie Quassel-Model Jana Ina, die traurig in die Kamera schaute und ihren rot verbundenen Arm vorzeigte: Beim Training hat sie sich den Ellbogen angebrochen und kann nicht bei der Show dabei sein. Och, haben da alle gesagt, wie schade. Jetzt springt Schauspielerin Nina Bott ein.
Soweit also die besonderen Vorkommnisse aus über zwei Stunden Eiskunstlauf bei Pro Sieben, das sich mit „Stars auf Eis“ sichtlich anstrengt, das Fernsehen endgültig als Nebenbeimedium zu etablieren. Damit das niemand missversteht: Die Show ist professionell gemacht, die Promis sind alle sichtlich bemüht, haben vermutlich auch eine Menge Spaß, und wenn am Ende die Zuschauerbewertung bekannt gegeben wird, kommt sogar ein bisschen Spannung auf, weil das Publikum Punkte eher nach Sympathie vergibt und weniger nach Können, was die Plazierungen kräftig durcheinander wirbelt. Aber wer zwischendrin mal Bier holen geht, den Abwasch macht oder schnell das Schlafzimmer tapeziert, verpasst auch nichts.
Das Muster ist immer dasselbe: Kurze Anmoderationen wechseln sich mit Einspielfilmchen und den Auftritten der Kandidaten ab, dann bewertet die Jury, und die Zuschauer werden aufgefordert, für ihre Favoriten anzurufen. Berechenbarer kann Fernsehen nicht sein.
Als müssten alle immer getröstet werden
Also messen sich nun Popstar Patrick Nuo, Schauspieler Patrick Bach, Boulevardstar Giulia Siegel, Motorsportlerin Christina Surer, Oliver-Kahn-Freundin Verena Kehrt, Moderator Bürger Lars Dietrich und andere im Eiskunstlauf zu flotter Popmusik und hören sich nachher an, ob jemandem in der Jury die Pirouette nicht gepasst hat. Vorjahressieger Oliver Petszokat darf diesmal mitmoderieren, hat aber offenbar befohlen bekommen, bloß nicht zu frech zu sein, was er sonst eigentlich ziemlich gut kann. Stattdessen pflegt er überschwängliche Lobeshymnen und spart in seinen Liebhab-Moderationen nicht mit Komplimenten: „wahnsinnig sauber, wahnsinnig gut“ - selbst wenn es mal gehakt hat.
Katarina Witt ergänzt bei ihren Kurzgesprächen mit den Kandidaten deren Gleichgewichtssinn: „Du hast ganz schön gute Balangs.“ Die professionellen Eiskunstläufer preisen ihre ungeübten Partnerinnen: „Wenn man ihr sagt, was sie tun soll, macht sie das auch.“ Und die Jury probt Anerkennung: „Für einen Mann war das schon ganz gut, was er gezeigt hat.“ Man könnte meinen, bei „Stars auf Eis“ säßen überall Fünfjährige, die permanent getröstet werden müssten, wenn mal was nicht so gut gelaufen ist, und die auf keinen Fall Kritik vertragen. Dazwischen berichtet Allzweckmoderatorin Charlotte Engelhardt aus dem „Green Room“ der Promis, was ziemlich albern ist, weil der ganz in Rot angestrahlt wird.
Zirka zehn Wochen geht das jetzt so. Und wie gesagt: Wir empfehlen durchaus, künftig donnerstags Pro Sieben einzuschalten, wenn man nebenbei mal wieder ein gutes Buch lesen mag und gleichzeitig nicht verpassen will, wenn einer der Promis bei seinem Auftritt ausrutscht. Mit Achterbahnfahren hat das aber nichts zu tun. Schlecht wird einem dabei auch nicht. Allenfalls langweilig.