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Fall Semenya Offene Fragen

07.07.2010 ·  Der Leichtathletik-Weltverband lässt Caster Semenya laufen. Die Erklärung ist indes geheimnisvoll. Möglicherweise musste sich die Südafrikanerin einem operativen Eingriff unterziehen.

Von Michael Reinsch
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Drei dürre Sätze sollen den Disput um die Startberechtigung von Caster Semenya, der 19 Jahre alten Weltmeisterin über 800 Meter, beenden. „Der Prozess, der 2009 im Fall Caster Semenya (Südafrika) eingeleitet wurde, ist nun abgeschlossen worden“, heißt es in einer Erklärung des Welt-Leichtathletikverbandes (IAAF). „Die IAAF akzeptiert den Beschluss eines Ausschusses von medizinischen Experten, dass sie mit sofortiger Wirkung startberechtigt ist. Bitte beachten Sie, dass medizinische Details des Falles vertraulich bleiben und die IAAF keine weiteren Kommentare über die Angelegenheit abgeben wird.“ Was sich verändert hat seit August 2009, als Caster Semenya in Berlin die Goldmedaille gewann, bleibt allerdings unklar: viel Raum für Spekulationen also.

Das Startverbot für die südafrikanische Studentin hatte im vergangenen Jahr für einen politischen Aufruhr in ihrer Heimat gesorgt, dem sich auch Regierungsmitglieder anschlossen. Die Läuferin hatte ihre persönliche Bestzeit um acht Sekunden auf 1:55,45 Minuten gesteigert und damit in Berlin überlegen den WM-Titel gewonnen. Zweifel, dass die überaus muskulöse, damals Achtzehnjährige eine Frau sei, waren zu der Zeit so groß, dass die IAAF sie von der Sieger-Pressekonferenz fernhielt. Die IAAF hatte auf einem Geschlechtstest bestanden und ordnete in Berlin weitere an. Ergebnisse wurden nie bekannt gegeben.

Viele Unkalrheiten

Caster Semenya behielt Titel und Preisgeld, durfte aber nicht starten. Der südafrikanische Verband kündigte nun an, dass sie sich für die Junioren-Weltmeisterschaft im Juli in Moncton (Kanada) qualifizieren wolle, ihr Start bei der Afrika-Meisterschaft Ende Juli und im Oktober bei den Commonwealth-Spielen aber wahrscheinlicher sei. Man darf gespannt auf das Erscheinungsbild der Läuferin und die Reaktionen der Konkurrentinnen sein.

Australische Zeitungen hatten berichtet, bei Caster Semenya seien männliche Sexualorgane, die für erhöhte Testosteronausschüttung und damit für starkes Muskelwachstum sorgten, festgestellt worden. Die IAAF dränge aus medizinischen Gründen auf einen chirurgischen Eingriff. Wenn es dazu gekommen sein sollte, was viele Kommentatoren annehmen, würde dies vermutlich einen starken Rückgang der Muskulatur und Chancengleichheit mit Läuferinnen herstellen, die weniger Testosteron produzieren. Die IAAF-Erklärung ist so formuliert, dass sie sich auch auf eine Operation oder eine Hormontherapie beziehen könnte.

Jeffrey Kessler, Partner in der Anwaltskanzlei Dewey & LeBoeuf aus New York, die Caster Semenya vertrat, sagte: „Hoffentlich ist dieser Beschluss ein Präzedenzfall, auf dass kein weiblicher Athlet in der Zukunft solche langen Verzögerungen und öffentlichen Untersuchungen erleiden wird, wie sie Caster gezwungen war, auszuhalten.“ Er hat Berichte über medizinische Befunde stets bestritten. Einer Erklärung seiner Kanzlei zufolge sagte Caster Semenya, sie sei begeistert, dass sie auf die Weltbühne zurückkehren und wieder starten dürfe mit all dem Streit hinter sich. Associated Press dagegen zitiert sie so: „Ich fühle gar nichts.“

Der Präsident des südafrikanischen Leichtathletikverbandes, Leonard Chuene, hatte zurücktreten müssen, weil er einen Geschlechtstest unterschlagen hatte, dessen Ergebnis nahelegte, dass Caster Semenya nicht in Berlin antreten solle. Der südafrikanische Sportminister Makhenkesi Stofile, der für den Fall einer Sperre einen dritten Weltkrieg angedroht hatte, sprach nun von einer guten Nachricht. Moderator des Verfahrens war der renommierte Jurist Brian Currin. Er hat die Wahrheits- und Versöhnungskommission Südafrikas aufgebaut.

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Jahrgang 1958, Korrespondent für Sport in Berlin.

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