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Facebook und Sport Die neuen Stammtische

Timo Boll bewegt sich virtuos im Netz, Julia Mancuso twittert zwischen ihren Ski-Läufen. Und Felix Magath hängt seinen Verein online ab, wird aber offline vom Publikum wieder eingeholt. Bei Facebook sind die Stars auf Augenhöhe mit den Fans.

© mauritius images Vergrößern Auf Augenhöhe mit den Fans: Moderne Sportstars nutzen die neuen Medien

Felix Magath als Torwart? Als Gatekeeper in eigener und in königsblauer Sache versucht der Trainer-Manager von Schalke 04 seit kurzem, den Nachrichtenfluss über sich und seinen Vereins selbst zu bestimmen, überlässt ihn nicht mehr den professionellen Vermittlern von Neuigkeiten, sondern erzählt den Fans, „wie es wirklich ist“. Der Spruch von der Wahrheit, die auf dem Platz zu finden sei, galt früher. Heute ist die Wahrheit im Netz. Oder zumindest der Teil der Wahrheit, den jeder Einzelne für sich selbst beansprucht.

Achim Dreis Folgen:  

Facebook heißt das Kommunikationsphänomen der Stunde, bei dem die Objekte der Berichterstattung zunehmend selbst zu Reporter-Darstellern werden. Felix Magath spricht seine „lieben Schalker“ per Video direkt an und macht sie zu Verbündeten im Kampf „gegen den Rest der Welt“. Der sonst zum Allesbestimmer neigende Magath verkündet: „Es geht nur zusammen.“ Obwohl er einen Großteil der Texte offenbar von einer Agentur schreiben lässt, freut er sich „auf einen regen Austausch“. Auf dem neuen Spielfeld vor der Webcam bewegt sich der Siebenundfünfzigjährige zwar hölzern wie ein typischer Vertreter der Analog-Generation, dennoch spürt er als Machtmensch instinktiv, wie wichtig die Online-Plattform für die Stimmungssteuerung in seinem Sinne sein könnte. Der Erfolg ist enorm: Binnen weniger Tage hatten weit über hunderttausend Personen mit dem erhobenen blauen Facebook-Daumen ihre Sympathie kundgetan.

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„Symmetrische Kommunikation“ nennt Medienwissenschaftler Dirk Jungels vom Lehrstuhl für Sport, Medien und Kommunikation der Technischen Universität München dieses Phänomen: „Der Dialog läuft auf Augenhöhe, beide Seiten verwenden die gleichen Mittel. Der Fan fühlt sich ernst genommen, kann mitdiskutieren.“ Die Gefahr des Kontrollverlusts durch die offene Kommunikation bewertet Jungels geringer als den Gegenwert des unmittelbaren Kontakts.

FC Schalke 04 Pressekonferenz © dpa Vergrößern Im Dienste der Kommunikation: Fotograf Magath

„Facebook ist das drittgrößte Land der Erde“

Der Rückkanal ist eines der Schlüsselwerkzeuge der neuen Medien. Dadurch grenzen sich diese „Web- 2.0-Medien“ von den herkömmlichen Einbahnstraßen wie im Fernsehen ab. Das klassische Sender-Empfänger-Modell wandelt sich, beide Seiten können auf dem gleichen Weg unmittelbar reagieren. Facebook firmiert als „Website zur Bildung und Unterhaltung sozialer Netzwerke“. Die vom damaligen Studenten (und heutigen Milliardär) Mark Zuckerberg in Kalifornien gegründete Plattform ging im Februar 2004 an den Start. Doch längst ist sie weit aus ihrem studentischen Ursprungsmilieu herausgewachsen. Rund 650 Millionen Nutzer sind derzeit weltweit bei Facebook registriert, Tendenz rasant steigend.

„Facebook ist das drittgrößte Land der Erde“, sagt Thomas Horky, Professor für Sportjournalismus an der Macromedia Hochschule in Hamburg. Horky beschäftigt sich intensiv mit dem Phänomen „sozialer Netzwerke“ und ihrer Verbreitung im Sport. Nach seinen Untersuchungen war die Fußball-WM 2010 in Südafrika die erste globale Sportveranstaltung, „die im großen Maßstab über Social Media wahrgenommen wurde und sich diesem neuen Mittel der Kommunikation bedient hat“. Es habe schon vor der WM angefangen, als sich nach dem Foul von Kevin-Prince Boateng an Michael Ballack Anti-Boateng-Seiten im Netz bildeten. Horky nennt diese Gruppen die „Stammtische der Erregungsgesellschaft“.

Agenda-Setting im 21. Jahrhundert

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