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Fabian Hambüchen Den Schmerz als Zeichen sehen

28.11.2009 ·  Fabian Hambüchen ist immer wieder an Grenzen gestoßen. Er darf nicht sagen, dass er „erledigt“ sei. Aber er will seine Planungen überdenken. Am Samstag allerdings hat der Turnstar wieder ein volles Programm - und freut sich darauf.

Von Christiane Moravetz
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Mittwochs kocht Fabian Hambüchen selbst. Meistens Spaghetti – „ich liebe Pasta und Pizza“ –, aber auch schon mal Curry-Huhn mit Reis. Mittwochs sitzt er nämlich nicht in der Pause zwischen zwei Trainingseinheiten bei seiner Mutter am Tisch, Mittwoch nachmittags ist frei. Zeit, die eigene Wohnung zu genießen, in der er seit dem Frühjahr wohnt, auch Zeit zu kochen. Am vergangenen Mittwoch hat der Turner Fabian Hambüchen trotzdem trainiert, im Gießener Schwimmbad, zusammen mit seinem Bruder Christian. Turmspringen – eine heimliche Liebe Hambüchens: An diesem Samstag kann er sie wieder einmal öffentlich präsentieren.

Zu Stefan Raabs Fernsehsendung ist er eingeladen, und nach dem Finale der Deutschen Turnliga in Karlsruhe geht es ganz schnell per Hubschrauber nach München. Hambüchens Augen leuchten, als er davon erzählt: Solche Auftritte liebt er, und da nimmt er auch gern zusätzlichen Stress in Kauf. Der Wettkampf um den Vereinsmeistertitel, den er vorher für die KTV Straubenhardt bestreitet, wird der letzte sein in diesem Jahr voller Höhen und Tiefen. Es war ein Jahr, das Fabian Hambüchen viel abverlangt hat. Und das ihn am Ende mehr noch als das olympische davor ins Grübeln brachte.

An der Enttäuschung, dass sich bei den Olympischen Spielen in Peking 2008 die höchsten Erwartungen nicht erfüllt hatten, war Hambüchen gewachsen. Als im Dezember auch die Sehne des kleinen Fingers, die er sich im Training vor Peking abgerissen hatte, wieder geflickt war – wie ein äußeres Zeichen – , ging er voller Elan die neuen Aufgaben an; praktisch ohne Pause. Der Terminkalender 2009 liest sich entsprechend eindrucksvoll: Ende Februar der American Cup in Chicago, ein Einladungsturnier – Hambüchen siegte.

Hambüchen braucht Rückzugsmöglichkeiten

Zwei Wochen später der National Team Cup des Deutschen Turner-Bundes (DTB) in Heidelberg, wieder zwei Wochen später das Turnier der Meister in Cottbus. Noch einmal vierzehn Tage danach die Europameisterschaften. Hambüchen stürzte schon in der Qualifikation vom Reck, und trotzdem hatte er nach Mailand zwei große Titel mehr. Er wurde bester Bodenturner und zum ersten Mal auch bester Mehrkämpfer, aber er strahlte nicht. Es war kein perfekter Wettkampf, die Ansprüche des Fabian Hambüchen zielen darauf, „souverän“ zu turnen.

Die Woche des Deutschen Turnfestes Anfang Juni bescherte dem Turnfest-Botschafter Hambüchen drei Show-Auftritte und drei intensive Wettkämpfe – um die Champions Trophy und deutsche Meisterschaften – sowie Autogrammstunden. Auch ein erst 21 Jahre alter Turner stößt dabei an seine Grenzen. Und er darf dann sagen, dass er „erledigt“ sei. In solchen Momenten merkt er, dass er mehr an sich denken und dass er lernen muss, einmal nein zu sagen – bei aller Leidenschaft, die er für seinen Sport empfindet, bei aller Bereitschaft, den Fans zu geben, was sie von ihm erwarten. Er braucht Rückzugsmöglichkeiten, um den Kopf wieder frei zu bekommen.

In Japan findet er sie. Seit einigen Jahren nimmt sich Fabian Hambüchen die Freiheit, zum Training nach Tokio zu fliegen, allein. So auch vor dem Japan Cup im Juli. Er genießt die Atmosphäre in der Trainingshalle, die feine Art der Japaner, sich gegenseitig zu motivieren, Anerkennung zu zollen. Auch wenn seine japanischen Trainingskollegen nur wenig Englisch sprechen und er noch nicht genügend Japanisch kann für lange Konversationen, haben sie doch ihren Spaß. In Tokio ging es steil bergauf mit seiner Form. Und mit den Erwartungen vor den Weltmeisterschaften Mitte Oktober. Drei Wochen vor den Titelkämpfen gewann er den zweiten Wettbewerb der Champions Trophy.

2009 nur ein einziges Wochenende komplett frei

Aber immer wieder quälte er sich, auch im Training. Er war unzufrieden mit seiner Form, die Füße schmerzten – jahrelange harte Landungen haben ihre Spuren hinterlassen. Als dann im Podiumstraining in London, nach beinahe fünf Stunden in der Halle, bei einer Bodenübung ein Außenband im linken Fuß riss, schien das nur eine logische Folge. Nachdem Hambüchen die anfänglichen Enttäuschung und den eher seelischen als körperlichen Schmerz verkraftet hatte, dass er nicht an der WM würde teilnehmen können, sah er in der Verletzung auch ein Zeichen, seine Planung zu überdenken.

In diesem Jahr hatte er nur ein einziges Wochenende komplett frei, als sein Freund und Turnkollege Thomas Andergassen heiratete. Schon 27 Tage nach dem Unfall von London stand Fabian Hambüchen wieder in der Wettkampfhalle. Es habe ihn gekitzelt, sagt er, bei der letzten Station der Champions Trophy in Stuttgart – und am Wochenende davor, als Test, bei einem Bundesligawettkampf – anzutreten.

Ein Hambüchen darf sich nicht gehen lassen

Außerdem verdient ein Turner eben auch durch Wettkämpfe seinen Lebensunterhalt. Deshalb trainierte er wegen der Ausfallzeit dann eben anstatt vier Stunden täglich drei Wochen lang rund sieben Stunden. Intensiv. Ein Hambüchen darf sich nicht gehen lassen. Da ist schon sein Vater davor, sein Trainer, den er als „Arbeitstier“ charakterisiert.

Wolfgang Hambüchen wird selbst nach dem letzten Wettkampf an diesem Wochenende nichts schleifen lassen. Weiter trainieren bis Weihnachten – erst dann gibt es zehn Tage Pause, bei einer Kreuzfahrt in die Karibik. Kurz danach steht für Fabian Hambüchen eine Prüfung im Fernstudium – BWL mit Schwerpunkt Sport-Management – an, dann hat er sich wieder drei Wochen Training in Japan verdient. Er freut sich jetzt schon darauf, nach dem harten Jahr. Über das er trotz allem sagt: „Es war dann doch ein gutes.“

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