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F.A.Z. exklusiv Ironman-Siegerin Nina Kraft gibt Epo-Doping zu

10.11.2004 ·  Wenige Wochen nach dem Sieg beim Ironman auf Hawaii hat die deutsche Triathletin Nina Kraft ein Dopingvergehen zugegeben. Wie die F.A.Z. exklusiv berichtet, soll die Braunschweigerin das Blutdopingmittel Epo genommen haben.

Von Ralf Weitbrecht
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Die Deutsche Triathlon-Union (DTU) meldet den wohl spektakulärsten Dopingfall ihrer Geschichte. Nina Kraft, erst vor wenigen Wochen erste deutsche Siegerin beim Ironman Hawaii, ist nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung positiv auf die Einnahme unerlaubter Substanzen getestet worden.

Auf der Homepage der DTU heißt es, daß "bei einem Triathlon im Herbst 2004 ein/e Athlet/in positiv auf die Einnahme unerlaubter Substanzen getestet worden ist. Sollte sich der daraus resultierende Verdacht durch eine ebenfalls positive B-Probe oder andere Beweismittel erhärten, wird die Deutsche Triathlon Union unverzüglich die Öffentlichkeit informieren."

"Ich habe Mist gebaut"

Zur Eröffnung einer B-Probe dürfte es nicht kommen, denn Nina Kraft selbst hat die Initiative ergriffen und am Mittwochmorgen ihr Dopingvergehen eingestanden. "Ich habe Mist gebaut", sagte sie zu Kurt Denk, dem Organisator des Opel Ironman Germany. Bei dem Dopingmittel, zu dem die 35 Jahre alte Profi-Triathletin gegriffen hatte, soll es sich um Erythropoetin (Epo) handeln. In Abstimmung mit ihrem Freund und Trainer Martin Malleier habe sie im Spätsommer mit der Einnahme begonnen.

Nina Kraft, seit Jahren die dominierende deutsche Triathletin auf der klassischen Ironman-Distanz, sah sich unter ungeheurem Druck, das Rennen auf Hawaii zu gewinnen. Dabei hatte sich schon im Laufe des Jahres abgezeichnet, daß sie die viermalige Hawaii-Siegerin Natascha Badmann auch ohne die Einnahme unerlaubter Substanzen schlagen könnte. Souverän siegte sie in Frankfurt, und souverän siegte sie dann auch beim Klassiker in Kailua-Kona. Nach 9:33:25 Stunden überquerte sie den Zielstrich des prestigeträchtigsten Triathlons der Welt, die Schweizerin Badmann benötigte 9:50:04 Stunden. Nach ihrem Premierensieg sagte Nina Kraft: "Meine Ziele? Vielleicht wieder im nächsten Jahr auf Hawaii gewinnen. Das hat auch noch kein Deutscher geschafft."

Zweijährige Sperre

Dazu dürfte es nun wohl nicht kommen, denn die vor kurzem erst reformierten Dopingregularien der DTU sehen eine zweijährige Sperre vor. Noch bei den Triathlonrennen in Frankfurt und in Leipzig hatte sich Nina Kraft den routinemäßigen Dopingkontrollen unterzogen. Bei beiden Veranstaltungen wurde zwar auf erhöhte Testosteronwerte untersucht, bei denen schon Katja Schumacher "positiv" aufgefallen war - nicht aber auf Epo. Diese Tests sind auch beim Weltmeisterschaftsrennen von Hawaii seit diesem Jahr Pflicht. Martin Bentele, einer der DTU-Vizepräsidenten, wollte nach Absprache mit seinen Präsidiumskollegen zwar noch in Deckung bleiben, "solange bis sich die Athletin selbst geoutet hat". Er räumte am Mittwoch aber an Anfrage ein, daß es sich bei der überführten Athletin um Nina Kraft handele.

Die ersten Reaktionen auf das gegenüber dem Frankfurter Ironman-Veranstalter Denk gemachte Dopinggeständnis der Hawaii-Siegerin ließen nicht lange auf sich warten. In Braunschweig, der Heimatstadt der 35 Jahre alten Nina Kraft, wurde kurzfristig ein Empfang zu Ehren der Triathlon-Weltmeisterin abgesagt. Nina Kraft hätte sich in das Goldene Buch der Stadt eintragen sollen.

„Das schadet uns allen"

Lothar Leder, der als erster Triathlet überhaupt die Langstreckendistanz von 3,8 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und 42,195 Kilometern Laufen unter acht Stunden absolviert hatte, zeigte sich nach Nina Krafts Dopinggeständnis "schockiert" von der Nachricht. "Die Karre steckt im Dreck", sagte er. "In der Breite boomt unsere Sportart. In der Spitze sorgt sie für Skandale. Das schadet uns allen." Daß seine Frau Nicole, die auf Hawaii Elfte war, nun auf den zehnten Platz vorrückt und damit die Qualifikation für das nächste Jahr geschafft hat, ist da nur ein kleiner Trost. "Die Sponsoren werden das registrieren. Wir alle werden darunter zu leiden haben."

Daß es nach Katja Schumacher nun eine zweite Deutsche traf, macht die Sache für Leder und Kollegen noch schlimmer. Nicole Leder war am Mittwoch kaum zu einem Kommentar fähig; "dieser Skandal trifft jeden", sagte sie. Für Hawaii-Sieger Normann Stadler freilich würde Lothar Leder die Hand ins Feuer legen: "Er ist schon so lange dabei, und hat nie größerer Leistungssprünge gemacht."

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Jahrgang 1961, Sportredakteur.

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