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Extremsport für die Masse : Raus aus dem Büro, rein ins Abenteuer

Schöner quälen I: Die „Haute-Route“ führt einmal quer über die Alpen Bild: OC Sport

Marathon, Triathlon, Radrennen, Segelwettkämpfe - der Markt für attraktive Massenveranstaltungen und actionreiche Extremsportserien boomt. Den Teilnehmern wird meist eine hohe Kaufkraft abverlangt.

          Die Asse beim Côte-d’Azur-Marathon sind an diesem Sonntagvormittag längst durch. Alle kommen aus Afrika, angeheuerte Profis, zuständig für die Top-Zeiten. Während die Siegerehrung schon beendet ist, trudeln an der Croisette nach und nach die Massen der Freizeitläufer ein. Müde Gestalten, sie schwitzen und hecheln, manche klappen vor Erschöpfung hinter der Ziellinie zusammen. Doch die Freude über die Leistung kommt schnell wieder.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          “Yes we Cannes, it’s very Nice“, steht überall auf den bunten Werbeplakaten für den Marathon. Das Wortspiel bezieht sich auf die beteiligten Städte. In Nizza fällt morgens der Startschuss, auf dem berühmten Boulevard in Cannes ist das Ziel. Für die PR-Leute aus den Tourismusbüros hat der Lauf an diesem Novemberwochenende hohe Priorität. Die Veranstaltung soll wachsen, auch international Aufmerksamkeit generieren, mehr Läufer anziehen, die Region promoten. 11.000 Läufer haben diesmal gemeldet, in London, Paris oder Berlin sind es drei- oder viermal so viel. „Wir sehen hier großes Potential“, sagt Rémi Duchemin.

          „Explosion“ der Teilnehmerzahlen

          Der 33 Jahre alte Unternehmer sitzt im provisorischen Organisationsbüro, das in einem der feinen Hotels an der Croisette untergebracht ist, und blickt in die Zukunft. Der Riviera-Marathon ist das neueste Investitionsobjekt im Portfolio von OC Sport. Duchemin führt die Geschäfte der französischen Gruppe und gehört auch zu den Gründern. Spezialisiert hat sich die Firma auf Massenveranstaltungen wie Marathonläufe, sportive Herausforderungen in der Natur, Abenteuer für Hobbyathleten und Veranstaltungsformate auch für urbanen Action-Spaß. Es geht hier nicht um teure Stars, TV-Millionen oder exquisite Logenplätze.

          Schöner quälen II: Starter des Riviera-Marathon an der Côte d´Azur
          Schöner quälen II: Starter des Riviera-Marathon an der Côte d´Azur : Bild: OC Sport

          Ein gestiegenes Gesundheitsbewusstsein, neue Körperideale der Wohlstandsgesellschaft und ein auf sportliche Selbsterfahrung ausgerichteter Lebensstil sind die Triebkräfte der Bewegung und des Geschäfts. Dahinter steht der Milliardenmarkt der Sportartikelindustrie mit einem Outdoor-Segment, das immer mehr an Bedeutung gewinnt und Jahr für Jahr zweistellige Wachstumsraten aufweist. Duchemin spricht von einer „Explosion“ und meint damit die Steigerungen bei Teilnehmerzahlen. „Viele Veranstaltungen sind übers Internet in Minuten ausverkauft“, sagt der Franzose. Auf der britischen Insel fänden in der besseren Jahreszeit jedes Wochenende zehn große Jedermannradrennen statt. Ein ähnliches Bild ergebe sich in den Vereinigten Staaten, Brasilien, Japan und Australien. Sonst gab es da nur Frankreich, Belgien, Italien und noch Deutschland.

          Duchemin und seine Leute haben die Marke „Haute Route“ erfunden. In sieben Tagesetappen mit dem Rennrad über die Alpen, 780 Kilometer, 21.000 Höhenmeter - das härteste Radrennen der Welt für Amateure, heißt es in der Werbung. 600 nehmen teil. Im nächsten Jahr wird es eine weitere Version für die Pyrenäen geben. Die Marathonläufe sind dagegen längst weltweit etabliert. Dennoch gibt es offenbar weiterhin eine Nachfrage. Gute Veranstalter, interessante Strecken und attraktive Orte erfreuen sich hoher Beliebtheit. Immer mehr Zulauf erhält das sogenannte Trail-Running. Hier geht es über unbefestigtes Terrain, Berge oder sogar durch Wüsten. Die extremen Distanzen liegen bei 50, 100 oder 150 Kilometern.

          Teilnahmegebühr von mehr als 400 Euro

          Die Sportverbände haben den Outdoor-Trend verpasst. Statt sich an den Bedürfnissen ihrer Basis und dem Zeitgeist zu orientieren, bewegen sie sich in ausgetretenen Pfaden und legen das Augenmerk oft zu einseitig auf die Spitze, die Elite und den Profibetrieb. Um wieder aufzuholen, fehlen den Verbänden meist die personellen Ressourcen, die Kreativität und der unternehmerische Geist. Vermarkter wie Duchemin profitieren von diesen Defiziten. „Das gibt uns eine Menge Freiheit“, sagt er.

          Schöner quälen III: 3,8 Kilometer Schwimmen beim Ironman in Frankfurt
          Schöner quälen III: 3,8 Kilometer Schwimmen beim Ironman in Frankfurt : Bild: Wahl, Lucas

          In diese Lücken stößt auch Kai Walter. Der ehemalige Luftwaffen-Major ist gerade aus Lausanne zurückgekommen. Dort war er zu einer Konferenz eingeladen, die Sportveranstalter und mögliche Ausrichterorte näher zusammenbringen will. Er habe gute Gespräche geführt und Kontakt zu zwei „hochinteressierten“ Städten geknüpft, sagt Walter. Er leitet die Europa-Zentrale des Ironman-Konzerns. Firmensitz ist im hessischen Hanau. Die Triathlonserie gehört zu den profilierten Sportmarken. Ein Outdoor-Klassiker. Mittlerweile gibt es weltweit neben dem Original auf Hawaii 29 weitere Ironman-Veranstaltungen (3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren, Marathonlauf). Die wichtigste in Europa findet in Frankfurt statt. Unter demselben Label laufen inzwischen zusätzlich 66 Rennen über die halbe Distanz. Ironman ist Marktführer, das war schon immer so.

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