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Extremläufer Kilian Jornet : Der Gipfeljäger

Der Mann und der Berg: Kilian Jornet fühlt sich in Fels und Eis zuhause. Bild: Summits of My Life

Blasen, Krämpfe, Halluzinationen: Kilian Jornet ist der König unter den Bergläufern. Der Sport boomt. Sein neues Rekordprojekt will der Spanier nun auf dem Mount Everest krönen.

          Es ist ein atemraubendes Rennen. Das „Dolomites Skyrace“ beginnt im Dolomiten-Ort Canazei, auf 1450 Meter Höhe. Von da geht es rauf auf den Piz Boé, 3152 Meter, und dann wieder zurück nach Canazei. 22 Kilometer Laufstrecke, 1750 Höhenmeter rauf, 1750 runter. Eine knackige Tagestour, eigentlich. Der Sieger des „Skyrace“ Mitte Juli brauchte dafür 2:03,50 Stunden. Dieser Sieger war ein Mann, der die Berglaufszene seit Jahren beherrscht, der Siege und Titel aneinanderreiht wie kein Zweiter, ein Mann, der als Ausdauer-Wunder gilt und über den selbst die Gegner ins Schwärmen kommen. Der Mann heißt Kilian Jornet.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Der 26 Jahre alte Spanier ist mehrmaliger Weltmeister und Weltcup-Sieger im Skibergsteigen, er hat die Skyrunning-Weltserie gewonnen und die wichtigsten Extrembergläufe, allein dreimal den Ultra Trail du Mont Blanc - 170 Kilometer, 9600 Höhenmeter. Er hat Rekordzeiten aufgestellt vom Olymp bis zum Kilimandscharo, und 2009 lief er den Tahoe Rim Trail, 270 Kilometer um den Lake Tahoe in Nordamerika, in 38 Stunden 32 Minuten. In diesen 38 Stunden legte er sich ganze zwei Mal kurz hin, keine zwei Stunden lang. Niemand war auf dieser Strecke je annähernd so schnell gewesen - Jornet unterbot den alten Rekord um mehr als sieben Stunden. Wie geht das? Wer ist dieser Kilian Jornet, der Mann, für den es im Berglauf scheinbar keine Grenzen gibt?

          Ein bedingungsloser Läufer: der Spanier Kilian Jornet Bilderstrecke
          Ein bedingungsloser Läufer: der Spanier Kilian Jornet :

          Ein verregneter Julitag in Chamonix, die Bergspitzen stecken in dichten Wolken, auf den Hängen ragen nur noch die letzten Ausläufer der Gletscherzungen aus der grauen Wolkenwatte hervor. Hier in den französischen Alpen ist Jornet zu Hause, außerhalb von Chamonix. Der legendäre Bergsteigerort selbst ist ihm zu rummelig, „zu viele Leute“, sagt er lächelnd. Beim Stichwort Bergläufer hat man ja gern einen ausgezehrten, verbissenen, verkniffenen Typen vor Augen, der mit blindem Ehrgeiz die Berge rauf- und runterhastet. Kilian Jornet kommt an diesem Tag, Regen hin oder her, in Flipflops daher, mit Dreitagebart und knallroter Daunenjacke. Und erzählt so entspannt, so unaufgeregt vom Laufen, dass all die Siege und Titel und Rekorde fast schon ganz alltäglich klingen. Jornet ist ein Typ, mit dem man einfach gern mal auf Bergtour ginge - wenn man nicht wüsste, dass er einen in null Komma nichts abhängen würde.

          Mit sechs Jahren auf dem ersten Viertausender

          Wie macht er das? Ist es die Physis? Das Training? Die Technik? Der Wille? „Alles zusammen“, sagt Jornet. „Jeder von uns hat eine Physiologie, die zu dem einen oder anderen Sport besser passt. Ich könnte nie im Basketball erfolgreich sein, weil mir einfach die Größe fehlt.“ Jornet ist in den Pyrenäen aufgewachsen, sein Vater war Bergführer, er bewirtschaftete eine Berghütte auf 2000 Metern, seine Mutter war Lehrerin und als Läuferin und Skisportlerin aktiv. Die Berge waren sein Spielplatz. Mit sechs stand er auf dem ersten Viertausender, dem Breithorn über Zermatt, mit zehn durchquerte er die Pyrenäen in 42 Tagen, als Teenager war er schon als Skibergsteiger erfolgreich. Dann kam der Tag im Winter 2004, Weltmeisterschaft im Skibergsteigen. Jornet war noch Junior, durfte aber schon bei den Großen mitlaufen, und da lag er dann plötzlich in Führung, vor seinen Idolen, zu deren Überraschung und zu seiner eigenen. Jornet wurde Weltmeister, zum ersten Mal. „Ich konnte das damals nicht glauben, es kam total unerwartet“, sagt er. Es war der erste von vielen Siegen in großen Rennen.

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