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Reinhold Messner im Gespräch : „Der Sport ist kaputt, aber nicht die Sportler“

Reinhold Messner 2017 bei der Vorstellung seines jüngsten Buches „Wild“ (Verlag S. Fischer, 20 Euro) Bild: AFP

Der Extrembergsteiger Reinhold Messner warnt vor einer Vertrauenskrise in der Politik und im Sport. Ein Gespräch über das, was nicht nur am Berg zählt.

          Der Held heißt Wild, sagt Reinhold Messner. Frank Wild. Er ist der zweite, weitgehend vergessene Mann einer Geschichte, in der Ernest Shackleton, Abenteurer und Polarforscher, zum Helden wurde. Messner hat die Geschichte von Shackletons Endurance-Expedition von 1914 bis 1917 recherchiert und neu erzählt. Wild wurde zu Messners Helden, weil er in aussichtsloser Lage Vertrauen schenken konnte.

          Was bedeutet Vertrauen für Sie?

          Für mich ist Vertrauen ein sehr wichtiger Wert, der zwei Seiten hat. Das Vertrauen, das ich Menschen gebe. Ich vertraue Menschen, meinen Mitarbeitern, sonst kann ich keine Firma führen – und die Mitarbeiter vertrauen mir. Das ist eine Gegenseitigkeit. Und nur wenn die Gegenseitigkeit funktioniert, ist dieses Vertrauen für mich die Basis einer erfolgreichen gemeinsamen Tätigkeit: in der Wirtschaft, im Sport. Wenn dieses Vertrauen bricht, geht die Fußballmannschaft den Bach runter. Wenn dieses Vertrauen in einem großen Unternehmen nicht da ist oder im Staat, dann gehen Unternehmen oder Staat langsam den Bach runter.

          Wir leben in einer Zeit der Vertrauenskrisen.

          Eindeutig, ja. In der bürgerlichen Welt. Sie brauchen ja nur bei Pegida mitgehen. Das Vertrauen in die Medien, vor allem in die Printmedien, die ja eigentlich die saubersten Nachrichten liefern, nach wie vor, ist geschrumpft. Plötzlich heißt es: Fake News. Der Trump spielt das alle Tage vor. Was er nicht selbst ins Netz stellt, ist fake. Das macht er, um sein Volk so weit zu bringen, dass alle sagen: Alles ist Lug und Trug. Dass sie dann ausgerechnet ihm glauben, ihn gewählt haben, ist der Beweis dafür, dass es auch ohne das Ganze geht. Damit sind große Gefahren verbunden. Das Vertrauen in Wirtschaftsführer ist zum Teil kaputtgegangen, weil man sagt, die sind alle korrumpiert. Das ist nur eine Behauptung, aber das ist eben eine Methode des Kaputtmachens. Auch das Vertrauen in politische Führer ist schwächer geworden, weniger geworden in den letzten Jahren.

          Bleiben wir beim Sport – er steckt in einer tiefen Vertrauenskrise. Sportführer erweisen sich als korrupt.

          Oberhalb der Trainer interessiert mich der Sport nicht. Der Weltfußball, Fifa, die vom Olympischen Komitee, das ist alles für mich absolut nicht akzeptabel. Der Sport ist so kaputt, aber nicht die Sportler. Wenn jemand zur Olympiade fährt und den Hundertmeterlauf macht, wenn die sich nicht dopen, wenn sie nicht tricksen, sind das Leute, die begeistert sind von ihrem Tun, die das gerne machen: Aber in der Hand haben das Leute, denen es um viele, viele Millionen geht. Man kritisiert deutsche Manager, die acht oder zehn Millionen kriegen. Es gibt Fußballer, die kriegen 50 oder 120. Die Leistung ist eine minimale zu dem, was ein Wirtschaftsführer macht, auch an Risiko auf sich nimmt. Das Gleiche gilt für Spitzenpolitiker. Die Spitzenpolitiker kriegen kein ordentliches Gehalt, im Großen und Ganzen. Gelten aber als Absahner, sogar als Verbrecher. Leute laufen herum mit Schildern „Merkel an den Galgen“. Das ist eine sehr harte Geschichte.

          War das Vertrauen früher stärker? Die Abenteurer, die vor 100 und mehr Jahren zu den Polen zogen, zum Teil in den Tod, sollten Nationalhelden sein – in einer kriegerischen Zeit.

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