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„KuroKy“ Takhasomi : Dieser Deutsche ist der erfolgreichste eSportler der Welt

Äußerst erfolgreich: KuroKy ist Deutschlands bekanntester eSportler – und hat zuletzt auch ordentlich Preisgeld eingesteckt. Bild: © 2015 Chris Romano

Mit seinem Team siegt Kuro Salehi Takhasomi bei einem der größten eSport-Turniere der Welt und kassiert ein enormes Preisgeld. Er hält nun zwei Rekorde – und hat großen Anteil am eSport-Boom in Deutschland.

          Der neue Star des deutschen Sports hat am Wochenende weder ein wichtiges Tor in der ersten Runde des DFB-Pokals geschossen noch eine Medaille bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in London gewonnen. Doch seit Sonntagabend deutscher Zeit ist der Berliner Kuro Salehi Takhasomi in seiner Sportart der finanziell erfolgreichste Athlet der Geschichte – im eSport. Mit seinem Team „Liquid“ gewann Takhasomi – der in der eSport-Szene nur als KuroKy bekannt ist – in Seattle mit dem „The International“ eines der wichtigsten Turniere der Welt.

          Das Team, das mit „Dota 2“ ein weltweit äußerst beliebtes Fantasy-Action-Strategie-Game spielt, kassierte dafür insgesamt ein Preisgeld von umgerechnet 9,3 Millionen Euro. Davon wird sich KuroKy als Kapitän einen erheblichen Anteil sichern. Damit ist der erst 24 Jahre alte gebürtige Iraner der erste eSportler, der in seiner Karriere eine Gesamtsumme von mehr als drei Millionen Dollar Preisgeld erspielen konnte. Hinzu kommen noch hohe Beträge in Form von Gehältern, Antrittsgeldern und Sponsorenverträgen.

          Doch während die etwa 15.000 Zuschauer in der Mehrzweckarena in Seattle das Finale zwischen „Liquid“ und dem Team „Newbee“ aus China sowie die anschließende Siegerehrung in absoluter Ekstase verfolgten, schien der ganze Trubel KuroKy nicht besonders aufzuregen oder gar nervös zu machen. Ruhig und nur mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen stemmte KuroKy, der am liebsten Jeans und Kapuzenpullover trägt, im Anschluss an den furiosen 3:0-Sieg im Finale den Siegerpokal in die Höhe – und zündete sich kurz darauf erst einmal eine Siegeszigarette an.

          Trotz seiner jungen Jahre gilt KuroKy bereits als Dota-2-Veteran. In den fünf Jahren seiner professionellen eSport-Karriere hat der Berliner schon knapp 200 Spiele auf Turnieren des Dota-2-Herstellers Valve gespielt – so viel wie kein anderer.

          Immer mehr Deutsche lieben eSport

          Doch auch der noch junge eSport rüstet sich bereits für die Zukunft und versucht sich stetig weiterzuentwickeln. Für ein Novum sorgte beim „The International“ der Einsatz eines Dota-2-Bots, der von Tesla-Gründer Elon Musk gegründeten Firma Open AI. Der Bot, der sein Verhalten in wochenlangen Test-Matches und durch die Auswertung anderer Spiele selbst entwickelt hat, setzte sich in mehreren Testspielen gegen die besten Spieler des Turniers durch. Insgesamt spielen auf der ganzen Welt mehr als elf Millionen Gamer „Dota 2“. Die besten Spieler der Welt geben dabei mit bis zu 400 Klicks in der Minute – also etwa sechs Mal pro Sekunde – ihre Befehle per Computer-Maus und PC-Tastatur an ihre virtuellen Charaktere weiter.

          Überhaupt wird eSport auch in Deutschland immer beliebter – und entwickelt sich dabei zu einem Millionengeschäft. Laut einer erst vergangene Woche veröffentlichten Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte können mittlerweile mehr als die Hälfte der Deutschen etwas mit dem Begriff „eSport“ anfangen.

          Knapp ein Viertel der Befragten bezeichnet sich selbst zudem als eSport-Anhänger und hat zum Teil großes Interesse an den mittlerweile zahlreichen Großveranstaltungen wie der „ESL One“, die in den Multifunktionsarenen von Köln oder Hamburg bis zu 15.000 Zuschauer anzieht. Weltweit gibt es mittlerweile mehr als 300 Millionen eSport-Fans.

          Dass solche Events neben den Liveübertragungen im Internet immer häufiger auch im linearen TV bei Fernsehsendern wie „Sky“ oder „Sport1“ gezeigt werden und somit ein noch breiteres Publikum als die Hauptzielgruppe der 19- bis 34-Jährigen erreicht werden, hat zur Folge, dass sich eSport auch wirtschaftlich rasant entwickelt: Im vergangenen Jahr lag der Gesamtumsatz des digitalen Sports bei etwa 700 Millionen Euro – im kommenden Jahr soll die Marke von einer Milliarde geknackt werden. Allein beim „The International“ in Seattle wurde in diesem Jahr ein Preisgeld von insgesamt fast 25 Millionen Dollar an die Teilnehmer verteilt – mehr als bei den French Open im Tennis an die komplette Herren-Konkurrenz ausgeschüttet wird.

          Eine solche Wirtschaftskraft lässt seit geraumer Zeit auch traditionelle deutsche Sportvereine auf eSport aufmerksam werden. Vor allem in der Fußball-Bundesliga erkennen immer mehr Klubs die Möglichkeiten, die der eSport ihnen bietet. So betreiben mittlerweile der VfL Wolfsburg, Schalke 04 und neuerdings auch der VfB Stuttgart eine e-Sport-Sparten, die sich teilweise auch nicht mehr nur auf das digitale Fußballspiel „Fifa“ beschränken.

          Als einen weiteren Meilenstein auf dem Weg der Verzahnung zwischen traditionellem und digitalem Sport in Deutschland wurde vor wenigen Wochen zudem die Verpflichtung des früheren Bundesligatrainer und Manager Robin Dutt gezählt. Dutt, der unter anderem den SC Freiburg, Bayer Leverkusen und Werder Bremen gecoacht und in Stuttgart sowie beim Deutschen Fußball-Bund als Sportdirektor fungiert hatte, arbeitet jetzt als Berater für eine eSport-Agentur.

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