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Mittwoch, 15. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Ermittlungen gehen weiter Ullrich hinterließ weitere Doping-Spuren

04.04.2007 ·  Die Bonner Staatsanwaltschaft hat im Fall Jan Ullrich Manipulationsvorwürfe der Anwälte des früheren Radprofis zurückgewiesen. Der Betroffene schweigt eisern. Bei einer Verurteilung wegen Betrugs drohen dem ehemaligen T-Mobile-Kapitän bis zu fünf Jahre Haft.

Von Evi Simeoni
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Den plumpen Vorwurf der Manipulation, den Jan Ullrichs Anwalt Johann Schwenn gegenüber der spanischen und deutschen Justiz erhoben hat, nimmt die Bonner Staatsanwaltschaft offenbar nicht ernst. „Das habe ich zur Kenntnis genommen“, sagt Sprecher Friedrich Apostel. Besonders habe er sich über die Kommentare des Heidelberger Professors Werner Franke amüsiert, der öffentlich fragte: „Wollen die Anwälte eigentlich ganz Deutschland vergackeiern?“

Es besteht kein Zweifel daran, dass der Inhalt von neun im Rahmen der Operacion Puerto beschlagnahmten Blutbeutel - also insgesamt 4,5 Liter Blut - aus Jan Ullrichs Adern stammt. Die deutschen Beamten, die nach Spanien gereist waren, um den Inhalt der Beutel zu prüfen, staunten über die große Menge. Kein einziger sei mit „Jan“ oder „Rudys Sohn“ beschriftet gewesen, sagt Apostel, alle hätten das Etikett „Nummer 1“ getragen.

Weitere Spuren hinterlassen

Die Übereinstimmung der DNA mit Ullrichs freiwillig abgegebener Speichelprobe bedeutet mehr als nur den Beweis, dass Ullrichs Blut in einem Kühlschrank in Madrid gelagert war. „Dies ist ein wesentlicher Teil eines Mosaiks“, erklärt Apostel. Immerhin wurde das Blut ausgerechnet im Hause eines Doping-Arztes gefunden - Untersuchungsrichter Serrano hatte anlässlich der Verfahrenseinstellung Mitte März deutlich gemacht, dass der ehemalige Frauenarzt Eufemiano Fuentes Blutdoping praktiziert habe, dies aber zu jenem Zeitpunkt in Spanien nicht strafbar gewesen sei. Bei dieser Art der Leistungssteigerung wird aufbereitetes Eigenblut an den Etappenorten einer Rundfahrt transfundiert.

„Nummer 1“, also Jan Ullrich, hat in Spanien noch weitere Doping-Spuren hinterlassen. Sein Name steht zum Beispiel auf Listen, die mit der Bestellung und Bezahlung von Dopingmitteln zu tun haben, darunter Wachstumshormon, Insulin und Testosteron. „Die spanischen Behörden hatten eine Zuordnung vorgenommen, auch ohne das Blut anzusehen“, sagt Apostel. „Wir mussten die Frage klären, ob diese Deduktion stimmt.“ Dies sei nun mit dem DNA-Vergleich erreicht. „Nummer 1 ist Jan Ullrich.“

„Heißt das noch lange nicht Doping“

Nun, sagt Apostel, sei es an den Verteidigern des Radprofis, sich gegenüber dem Staatsanwalt zu der neuen Lage zu äußern. Peter-Michael Diestel, ein weiterer Anwalt Ullrichs, hat sich erst einmal gegenüber dem Fernsehsender N 24 erklärt: „Vorausgesetzt, dass stimmt, was jetzt ermittelt wurde, das heißt, dass in Spanien das Blut unseres Mandanten gefunden wurde, heißt das noch lange nicht Doping.“ Diestel stellte Ullrich als genauso harmlos dar wie sich selbst: „Von mir kursiert auch Blut. Ich habe einen Arzt in Rostock, einen Arzt in Berlin, ich habe einen Arzt wer weiß wo. Das heißt noch lange nicht, dass mit dem Blut manipuliert wurde.“

Wann es zur Anklage gegen Ullrich kommen könnte, kann Apostel noch nicht angeben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ullrich aufgrund der Anzeige einer Rechtsprofessorin wegen Betrugs zum Nachteil seines früheren Rennstalls T-Mobile. Seine Überführung könnte für den Tour-Sieger von 1997 gravierende Folgen nach sich ziehen. Bei einer Verurteilung reichte der Strafenkatalog von einer Geldbuße bis zu fünf Jahren Haft.

Sportausschuss strebt Anhörung aller Involvierten an

In Hamburg läuft ein Verfahren wegen Verdachts auf Abgabe einer falschen eidesstattlichen Versicherung - Ullrich hatte Werner Franke die Behauptung untersagen lassen, er habe hohe Summen für Dopingmittel ausgegeben. Von T-Mobile könnte eine Schadensersatzklage auf Ullrich zukommen. In der Schweiz wartet der Sportverband auf Bonner Rechtshilfe wegen eines möglichen Sportgerichtsverfahrens. Der österreichische Radrennstall Volksbank, bei dem Ullrich als Berater anfangen wollte, hat dessen Engagement bereits ausgesetzt.

Unterdessen strebt der Sportausschuss des Deutschen Bundestages nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ (Donnerstagsausgabe) für Mai eine Anhörung aller in den Fall Jan Ullrich involvierten Ärzte, Funktionäre sowie des früheren Radstars selbst an. Das bestätigte der Vorsitzende des Ausschusses, Peter Danckert, der Zeitung. Der SPD- Politiker will dabei auch die Rolle der Freiburger Sportärzte beleuchten, die seit Jahren die deutschen Radprofis betreuen.

Quelle: F.A.Z. und Material von dpa
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