Eric Lamaze seht immer noch unter Schock. Bei einer Pressekonferenz in Toronto erklärte der kanadische Springreiter mit brüchiger Stimme, er sei sich noch nicht im Klaren darüber, ob er nach dem plötzlichen Tod seines Hengstes Hickstead seine Karriere überhaupt fortsetzen könne. Keines seiner anderen Pferde könne den kleinen, kämpferischen Hickstead ersetzen, mit dem er nicht nur 2008 olympisches Gold gewann, sondern insgesamt mehr als 2,6 Millionen Euro Preisgeld. „Wir entscheiden uns für diesen Sport, weil wir ihn lieben. Aber wir entscheiden uns auch für ihn, weil wir diese Tiere lieben“, sagte der 43 Jahre alte Profireiter.
Beim Weltcupturnier am vergangenen Sonntag in Verona brach der 15 Jahre alte Hickstead kurz nach Verlassen des Parcours zusammen. Lamaze war während der Runde, bei der Hickstead bis zum letzten Hindernis kraftvoll sprang, keine Besonderheit aufgefallen. Die obligatorische Obduktion ergab nach Informationen der Internationalen Reiterlichen Vereinigung, dass der Hengst einen Riss der Aorta und dadurch einen Herzstillstand erlitten hatte. „Die wahre Ursache dafür werden wir vielleicht nie erfahren“, sagte Graeme Cooke, der Chef-Veterinär des Weltverbandes.
„Er mochte kein Wasser“
Lamaze hat immer noch Schwierigkeiten, sich den Moment des Zusammenbruchs vor Augen zu führen. Er ist sicher, dass das Pferd noch im Fallen darauf geachtet hat, seinen Reiter nicht zu verletzen. „Was diese Pferde für uns tun ist unglaublich“, sagte der Kanadier. „Es ist nicht so, als zerbräche ein Hockeyschläger oder ein Tennisracket. Wir stehen diesen Tieren sehr nahe und haben große Hochachtung davor, was sie für uns tun.“
Eric Lamaze und Hickstead gehörten zu den stärksten Paaren im Parcours, kanadische Medien sprechen sogar von einer eigenen Ära. Für beide begann die Karriere problematisch: Lamaze, ein Schulversager mit Drogen-Vergangenheit, fand erst spät in das disziplinierte Berufsleben. Hickstead, ein zäher Kämpfer, brachte einst seinen Reiter an den Rand der Verzweiflung. „Er mochte kein Wasser“, erzählte Lamaze, während seine traurige Miene sich aufhellte. „Er schaute unkonzentriert herum. Er war schwierig. Viele Male habe ich gedacht: ich gebe auf, das wird niemals funktionieren.“ Trotzdem fanden die beiden zusammen.
Hickstead entwickelte sich zum besten Pferd seiner Zeit, im Weltmeisterschafts-Finale in Lexington im vergangenen Jahr, das mit Pferdewechsel entschieden wird, erlaubte er sich mit keinem der vier Reiter einen Hindernisfehler. Lamaze eroberte Platz eins der Weltrangliste. Die beiden galten als besonders eng verbunden. „Als der Hengst am Sonntag zusammenbrach“, schreibt die „Toronto Sun“, „hat Lamaze einen Kameraden verloren, einen Freund und sogar, wie er selbst glaubt, einen Beschützer.“